Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 32. (3.8.1889)
- Date
- 1889-08-03
- Page
- Seite 128 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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129 - ״Ungünstiger musste sich die Lage der Jaden (während des Mittelalters) in ohristliohen Ländern gestalten. Die Lebensgrundsätze des Christenthums and .luden• thums, entsagende Selbstverleugnung und krasseste Selbstsucht, konnten unmöglich friedlich nebeneinander hergehen, 80 lange nicht die Namenchristen zu wirkliohen Christen geworden waren. Wie konnte aber dies unter einem herrschsüchtigen Pabst- und Priester• thum, dem Gegensatz einer wahren christlichen Gesinnung geschehen?* Also die Christen des Mittelalters waren gar keine Christen, sondern der Gegens&tz davon; da nun Juden unter Heiden und Muha- ן medanern ruhig lebten, so ist nicht abzusehen, warum es ihnen gerade unter den mittel<erliohen Christen, die eigentlich Nichtchristen waren, so schlecht ging; und da die Christen nur Namenchristen waren, so war ja ihr Lebensgrundsatz etwas ganz anderes als ״entsagende Selbstverleugnung*. Vielleicht hat der Verf. etwas Biohtiges geträumt und wollte sagen: Der wahre Christ ist nicht unduldsam und lässt uns Juden ruhig bei unserm Glauben und wartet, bis wir zu ihm aus freien Stücken kommen und wird nicht ungeduldig, wenn er etwas lange warten muss. Dann! aber ist seine Schrift selbst das Allerüberflüssigste. Sebaldt, Max. Jesus der Arier. Berlin 1889. 21 S.; Es giebt bekanntlich Irrsinnige, deren ganzes Unglück darin besteht, von einer falsohen Voraus- Setzung auszugehen; alle Folgerungen sind streng logisch. Sebaldt ist ein gesoheidter, stilgewandter, in! dem Fache, in welchem er sich als Sohriftsteller zeigt, I wohlerfahrener Mann; aber die im Titel genannte Wahnidee verdirbt Alles. Alles Gute and Schöne der Ethik Jesu’s leitet Sebaldt von der arischen Abstammung Jesu’s her, vom Judenthum sagt er: ״Das Judenthum ist die Hefe der Kultur; sie mag vielleicht dem empfindsamen Deutschen sehr bitter schmecken, aber ohne sie würde er nie Zopf und Kopf verlieren, ohne sie würde er nie in jenen Gährungsr&usoh der Wuth gerathen, in den furor teutonicus, in dem der Germane dh Grossthateu icr Kultur erfocht.“ Muss es auch solche Käuze geben? Liitterarische Notizen. Der Geburtstag Moses’ bei dea Mohammedanern. Die Geburtstagsfeier unseres Lehrers Moses wird alljährlich in der sogenannten heiligen Woche der Mohammedaner, d. i. vom 10. bis 17. Nissan, von diesen in folgender Weise begangen. Diejenigen, welche in Palästina wohnen, gehen regelmässig nach dem Dschebel Musa (Mosesberg), wo sie Moses begraben glauben. Dieser Borg ist ungefähr 4 Tagereisen von Jerusalem und 3 Tagereisen vom Salzmeer entfernt. Auf der Spitze des Berges steht eine Moschee und eine grosse Caravanserei, um welche rund herum ein freier und ebener Platz sich befindet, auf welchem die Pilger von Egypten, Palästina, Damaskus, Beyrut, Aleppo, Hauran und sogar Bagdad ihre Zelte aufschlagen. Beduinen vom Osten des Jordans und sogar aus dem Innern Arabiens erscheinen zu der Feier und verweilen die ganze Woche and oft noch länger an dem Festorte. Die Palästinenser eröffnen ihre Festlichkeiten in der Omarmoschee zu Jerusalem und marschiren dann unter dem Vorantritt von Musikbanden und Trommlern in grossen Caravanen nach dem Dschebel Musa. Die Feier selbst würde in etwa den der Lager- Versammlungen der Methodisten gleichen, wenn jene onentalischen Pietisten nicht auch joviale Lebemänner wären, welche essen, trinken, singen und tanzen ebenso gut als sie predigen | und beten Nabi Musa gilt ihnen als ein grosser und heiliger Mann, welchen sie nach NabiMachmad aufs höchste vorehren; sie halten es jedoch nicht für nöthig, das Fleisch zu tödten, während sie den Geist, erheitern. Der Unterschied zwischen christlichen Wallfahrern und den Pilgern zum Dschebei Musa ist sehr characteristisch. Erstere sprechen von Leiden, Tod und Betriibniss, während Letztere lustig bis zur Ausgelassenheit sind und von einem Paradiese sprechen, angefüllt mit den auserlesensten Köstlichkeiten und von einer Erde, reich an guten Dingen, welche das Herz aller derer erfreuen, die zu den Gläubigen gehören. Paris. Der ״wissenschaftliche Nachlass" des verstorbenen Arsene Darmsteter, welcher in verschiedenen Public&tionen zerstreut ist, soll zur Erinnerung an den hervor- I ragenden Gelehrten gesammelt werden. Das aus zwei Bänden bestehende Werk wird 44 Artikel umfassen. Die erste Gruppe, | ״Jüdische Studien“ enthält 6 Artikel, von denen der erste, 1 bisher noch nicht veröffentlichte, das erste Werk des Verfassers; ist, welches allein schon genügt haben würde, den Verfasser in die erste!Reihe der französischen Orientalisten zu stellen. Es ist dies ein vollständiger Abriss (tableau d’ensemble) der ganzen talmudischen Litteratur. Die zweite Gruppe ״Jüdischfranzösische Studien“ umfasst 11 Artikel und unter diesen die! sorgsam ausgoarbeitete Aufzählung der französischen Glossen I zur mittelalterlichen jüdischen Litteratur, welche so wesentlich zur Reconstruirung der altfranzösischen Sprache beitragen. Der zweite Band wird ״Französische Studien“ enthalten, welche nicht specifisch jüdischen Charakters sind. Paris. Die ״Graphic“ enthält eine Skizze über ״Das jüdische Wohnhaus 1000 Jahre v. d. g. Z.“. welche einen Theil der Reproductionen alter menschlicher Wonnung auf der Pariser Ausstellung bildet. London. Von Herrn Charles Kensington Salaman wird demnächst eine vermehrte und verbesserte Ausgabe seines ״Shylock vom jüdischen Standpunkte betrachtet“ erscheinen. Diese Monographie bildet einen Theil von des Verfassers grösserem Werke ,,die Juden, wie sie sind“. Herr Henry ן Jroing, der die Widmung angenommen, schrieb an den Vertasser; .,Ich weiss dicso mir erwiesene Ehre wohl zu schätzen, deDn es ist mir bekannt, dass Ihre Kenntniss dieses Gegen- Standes ohne Gleichen ist." Fatal. In einem Bericht über angeborenen Defectus praeputii nach jüdischen Quellen, erstattet an die ethnologische Gesellschaft in Berlin, erzählt Dr. Immanuel Löw einen interessanten Fall: ״Als Kuriosum wurde im vorigen Winter in Budapest folgende mir von Angehörigen der Familie mitgetheilte Geschichte kolportiert Ein junges Paar hatte sich, damit der erwartete Neugeborene nicht als Jude geboren werde, kurz vor der Geburt desselben getauft und — der Knabe kam beschnitten zur Welt.“ Literarischer Anzeiger. * 9QT Angebote und Gesuche antiquarischer Bücher der jüdischen Litteratur von Rabbinern, Lehrern und Cultusbeamten werden zu ermässigtem Preise (die 4gesp. Zeile & 10 Pf. baar) aufgonommen. im Selbstverlagu des Herausgebers erscheint: (2177 Monatsschrift für <1. Litteratur u.WisscnseliaftdesJudeiithuius herausgeg. von A. S. Weissmann in Wien, II, (Springcrgasso 4). I. Jahrg.10 M.=6 tl.ö.W. 12Fr. Das Augustheft enthält: 1. Die jüd. Spoisegesetzo, von einem frois. Theologen. 2. Das Buch Esther, von M. Ilein. 3. Acher, von I)r. Duschak. 4. Landau’s Hero'des, bespr. von Dr. Unger. &. Ein Brief von Ed. Reuss an A. S Weissmann. 6. Recensionen v. Herausgeber. 7. Eine liebr. Beilage. Im Verlage von Adolf Fanto in Wien (IX, liögergasse 5) erschien: [217K סדור תפלות ישראל. isr. Gebetbacb nach der corrospondirenden Zeilen-Methodo übersetzt von llud. Fachs. Pr. gcb. fl. 1.20. סדור תפלות בני ישראל isr.Gebetbuch mit Berücksichtigung der Jugend etc. nebst Erläutorungen mancher Gebete und Gebräuche. Preis geb. 75 kr. 1 •סדור תפלות ישורון*«•. Gebet. buch (ohne Uebersetzung). Pr. geb. 50 kr. Ferner: ערוד השלם Aruch compietu» von Räbb. Dr. Alex. Kohut V. Band, (.bis נ׳ zu Endel — Bd. VI. (bis ,ע) erscheint imDecbr.d. J. Chronologische Vcrgleiehnugs- T.ihallan u. llilchoth Kiddusch Idueneil!!,״;hodesoh m. Ueber- Setzung und Erläuterung von Dr Ed. Mahler. Die ueueu Auflagen von Rahmers hebr. Schreiblese- Fibel und Tefilla kez&ra (Curs. I) sind erschienen und bei J. KauiFmann, Frankfurt a. M. zu haben. Sin l&d.-u.n.g• zur [2170 Pränumeration auf die «Mdjitfi »1 gchaapfuiia Des ^ntlfmitisinui". Herausgegeben u. redigirt von Dr. C. ▼. Kissling in Linz. Erscheint in zwangslosen Heften und zwar mindestens einmal im Monate. Für das erste Halbjahr, Juli — December 1009, mit Franco-Zusendung: ein Gulden und für einzelne Hefte 20 kr. ö./W. an die Redaktion in Linz ^Oesterreich), Landstrasse 7. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck vou D. L. Wolft, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig. ■סי