Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-08-01 · N° 31. (1.8.1889) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 31. (1.8.1889)
Date
1889-08-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/6492408-5990870-5991281--1765-5368685
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Ä Jüdisches Litteratur ■Blatt. ln Bdeaektaag ■Iler Jateatkaai aad jadea katreffaadea Ilttarartaekaa Ir• aekalaaafaa aaf dam Oaklata dar Pktlo• •opkle, Geschichte, Stha«*r»phle, Theoo*lt, OriaaUlla, *aagaa«, Homiletik. Lltarglk a. Pida*oglk. Heraasgegeben Ton Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 9Tta<j9e6ut<j, 1. £tuyust 1889. Blcker der elaaekli^lfaa Lllteratar.walek dar Badaetion ■ageeaadt werde», ■adaa la dlaaam Blatte elagekeada Beapreekaag Bel Elaaeadaag voa iwel Beeaaaioaa• Rxemplarea erfolgt elamallge karie Gratla-Iaaerttea. Das ״Jldlseke Ltttermtar-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buohhandlungea (io Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der .Israelitischen Wochenschrift“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erhalten das .Jüdische Litteiatur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit Sk Pf. lür die gespaltene Petitzeile/Bellagea mit SO Mark! berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes za senden Bnohh&ndler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Die Bedeutung des internationalen Blut-Zauberglaubens für die Juden. — Abraham ben Muriel und Abraham ben Vives. Zwei einflussreiche Männer der Londoner Gemeinde im 13. Jahrhundert. Von M. D. Davis in London. I. (Schluss.) Litteraturbericht: Recension: The Jewish quarterly Review. Edited by J. Abrahams and C. G. Montefiore. London, D. Nutt. Litterarische Notizen. Inserate. Unbefugter Nachdruck bub diesem Blatte ist nieht gestattet. Die Bedeutung des internationalen Blut-Zauberglaubens für die Juden. ln einer der vorjährigen Sitzungen der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie and UrgeRohichte sprach Herr Ulrich Jahn ״über den Zauber mit Menschenblut und andern Theilen des menschlichen Körpers“, und gab dabei auch interessante Mittheilungen über die Beziehungen des Aberglaubens aaf diesem Gebiete zu Beschuldigungen des jüdischen Volksstammes. Jahn zeigt an zahlreichen Beispielen, wie den abergläubischen Bräuchen drei instinktive Glaubens- Vorstellungen zu Grunde liegen; einmal die Annahme, dass der Theil, auoh der allerkieinste, alle Eigenschäften und Kräfte in sich birgt, welche dem Ganzen inne wohnen, sogar, wenn er räumlich von ihm getrennt ist, dann der Aberglaube an die Möglichkeit der Abwehr von Errettung aus Unglück und Gefahren durch Darbringung eines Opfers, endlich der Glaube an den Uebergang göttlicher Wunderkraft auf das Opfer. Wie ausserordentlich verbreitet, selbst in der neuesten Zeit, der Glaube an die Zauberkraft von Blut und Körpertheilen des Menschen in der indogermanischen ßace ist, wie verhängnisvoll derselbe oft geworden, indem er die grässlichsten Verbrechen an Leib und Leben nicht mehr vorbereitete, sondern unmittelbar veranlasste, schildert der Vortragende ausführlich. Wir gehen gleiok zu dem Schlusstheil der Abhandlung über, in welchem dei VortragendeVerfasser vom ethnischen Standpunkt aus den Zusammenhang dieses internationalen Zauberglaubens mit dem erläutert, was von dem Volke dem rituellen Judenthum beigemessen wird. ״Ich sage vom Volke, denn nur die Urtheilslosen Massen und Narren können nach den eingehenden Untersuchungen von Delitzsch und Strack noch die Albernheit glauben, dass im alten Testament oder im Talmud irgend ein Blutdienst vorgeschrieben sei.a Daraus folgt aber nicht, dass der einzelne Jude, dass die Hefe des jüdischen Volkes, frei sei von den Verirrungen des Aberglaubens. Als Belege dafür führt J. an, die abergläubische Vorstellung von der Heilkraft der Kleidungsstücke; beim Berühren des Saumes (Matth. 9 v. 29 22, Matth. 14 v. 34—36, Lukas 6, 17—19) durch den Schweiss, j den sie ausdünsten (Apostelgeschichte 19, 11—12). von der Wirkung des Schattens (Apostelgesoh 5, 15—16). Es ist nun hier sehr bemerkenswerth, dass J. aussohliesslioh Beispiele aus dem neuen Testament bringt, wie er denn das letzte Beispiel ausdrücklich auf ״die der christlichen Lehre gewonnen Juden“ einschränkt. Da liegt doch die Annahme nicht fern, dass diese abergläabisohen Vorstellungen gar nioht im Judentham warzelten, sondern erst duroh die neue Lehre in dasselbe hineingetragen wurden. J. erwähnt nun weiter, Zauberbräuohe mit der getrookneten Nabelschnür und den abgesohnittenen Fingernägeln, die er bei jüdischen Trödlern und Hausirern in Pommern fand, sowie eine Sage aus dem Werk von M. Brück: ״Pharisäische Volkssitten und Ritualien in ihrer Entstehung und geschichtlichen Entwicklung. (Frankfurt a. Main 1840. Heinemann.)“. Gaon R. Saadjah überführt einen Pseudosohn, indem er Aderlassblut des Sohnes und des Psendosohnes in einer Schale mit dem ausgp• grabenen Knochen des Vaters zusammenbringt; wessen Blut der Knoohen ansaugt, der ist der wahre Sohn. Die bisherigen Vorstellungen gehören lediglich in die Kategorie des Aberglaubens, der partem pro toto nimmt; auch in Verbindung mit der Opferidee tritt nach Jahn dieser Aberglaube im jüdischen Volke auf. Hierher rechnet er das Opfer der rotheu Kuh, Numeri 19, deren Asche Zauberkraft zugeschriebeu wurde, die ängstliche Sorgfalt, mit welcher die Reste des Passahlammes behandelt werden, den Glauben an die Heiligkeit der abgeschnittenen Vorhaut und des Besohneidungsblutes. ״Wie hat man sich nun den einzelnen iJlutprozessen wider Angehörige des jüdischen Glaubens gegenüber zu verhalten?“ J. glaubt, dass ״die 'Jöglichkeit solcher Verbrechen bei tief im Aberglauben befangenen Israeliten nicht abgeleugnet werden kann, ebensowenig, wie sie bei anderen Völkern der Erde abgeleugnet werden darf.“ Da der Blutzauber jedoch geradezu gegen die Satzungen der jüdischen Religion verstiess, so wurde er, wie bei den christlichen Völkerschäften, zur Geheimlehre.“ Den Beweis für die letzte so wichtige Behauptung bleibt J. vollständig schuldig; denn das von dem ״Blutlügner Rohling,“ wie er ihn

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.