Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 30. (25.7.1889)
- Date
- 1889-07-25
- Page
- Seite 120 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 120 — und locker das angekündigte Thema streifen, anfangen? Qelangweilt werden sie das Buch in die Ecke werfen und lieber ihr Gedächtniss sich selbst überlassen. Was dem Büchlein zum Schaden gereicht, ist seine durch und durch unpraktische Anlage. Wir hätten gern auf die physiologisch-pathologischen Mittheilungen des Verfassers verzichtet, wenn er lieber zur Stärkung des Gedächtnisses und cur systematischen Schulung desselben leicht anwendbare mnemotechnische Regeln angegeben und dieselben durch markante Beispiele praktisch angewandt hätte. Dann hätte das Buch seinen Zweck erreicht und auch der materielle Erfolg wäre wobl nicht ausgeblieben. Sollte dieses Büchlein nicht den erwarteten Erfolg aut weisen, so können wir dies im materiellen Interesse des Verfassers bedauern, im Einblicke auf die Leser aber sehr gut begreifen. —nc.— לקט אמרים ... St. Petersburg. 1889. 8*. 96 S. W. Ettinger. Also nennt sich ein sehr reichhaltiger Sammel• band, welohen der rührige Herausgeber des ״Hameliz“ in Petersburg veröffentlicht hat. Wer die Aufgabe, welche sich der Hameliz gestellt hat, kennt, wird über die Tendenz dieses Sammelbandes nicht im Zweifel sein. Hameliz ist seit Jahren und Jahrzehnten bemüht, Cultur und Civilisation durch Vermittelung der hebräischen Spraohe, welche in dieser Zeitschrift zumeist sehr gewandt, oft sehr elegant durch geschickte und begabte Federn gehandhabt wird, unter unsere Glaubensbrüder im nord-östlichen Europa im weiten und wüsten russischen Reiche zu tragen. Eine gewisse Vielseitigkeit kann man diesem Buche nicht abspreohen und, was dem Buche an Tiefe des Inhaltes abgeht, ersetzt es durch seine anmuthende, fesselnde, anregende Form. Die Aufsätze, welche dieses Buch uns bringt, sind nicht gleichartig und gleichwerthige, Unterhaltung und Belehrung wechseln darin ab. Belehrenden Inhaltes sind die Aufsätze aus dem Gebiete der Weltgeschichte über Mohammed, die Chalifen, Karl den Grossen, Ludwig den Frommen, über die vier Kreuzzüge eto. Nach unseren Begriffen sind diese geschichtlichen Mittheilungen im Allgemeinen überaus mager und dürftig gehalten. Dem Lese- Publikum, welohem diese Artikel geboten werden, dürfte diese geistige Kost füglich genügen. Populär, klar, leicht verständlich, übersichtlich angelegt, bieten diese Artikel den Lesern, für welche sie eigens bestimmt sind, eine Fülle nicht zu unterschätzender Belehrung den Einblick in eine ungeahnte, weil bisher unbekannte Welt. Regeres Interesse bieten uns auch die novellenartig gehaltenen ersten drei Aufsätze ,המעורב בדעת, פחד בלילות, בעבור נעלים. Urwüchsiger Humor Feinheit der Kleinmalerei in der Skizzirung der Charaktere, Schärfe der Beobachtung, packende Entwiokelung der tragisohen Conflicte zeichnen diese fesselnd geschriebenen Novellen auf das Vortheilhaftest« aus. Nach Licht ringende Aufklärung und Gesittung im Kampfe mit Fanatismus, Unduldsamkeit, Rohheit und Beschränktheit — das sind die Conflicte, welche hier in drastischer Anschaulichkeit zum Austrage gebraoht werden. Alle drei Novellen sind lesenswerth. Die Novelle המעורב בדעת ist ein naoh Anlage und Durchführung ganz meisterhaft gelungenes Kabinetstück, welches in gelungener freier Uebertragung auch einem verwöhnten deutschen Gesohmacke ganz vortreflflioh munden würde. י״ל״נ chiffrirt der Autor dieser Novellen seinen Namen. Ist auoh hier nomen omen? Sollte man wohl an J. L. Gordon, den bekannten und begabten Literaten und Novellisten denken? Die Tendenz dieser Piecen erinnert lebhaft an ihn. —no.— Litterarische Notizen. 1. Herr Rabb. Dr. Reiss lässt in einer Anmerkung (Litt- Bl. 27) die Frage offen: ״Was bedeutet das räthselhafte Wort עתריה zu הצבתים (Ruth 11, 16), das im handschriftlichen Texte zu Ruth vo: kommt und von der T&rgumversion abweicht?“ Ich glaube dieselbe wie folgt beantworten zu können: Dem Texte, der heiligen Erzählung gemäss, hatte Boas Ritterlichkeit genug besessen, seiner Verwandten Ruth zweierlei Zugeständnisse zu machen: ungestört gebundene Garben (עמרים) aufzulösen und unbehelligt abfallende Halme (צבתים) zu sammeln (Ruth II, 15 u. 16) עמיר bedeutet nämlich die Garbe (Jerem. 9,21) צבתים (vergl. Aruch 8. v.) die einzelnen Halme. Nun hatte das Targum beide Begriffs - Termini עמיר UQd צבתים für gleichbedeutend gehalten und mit ״Garben“ (zu Häuflein zusammengebundene Halmen) übersetzt und dies im letzteren Ausdruck durch die Abstammung von ״ צבתbinden“ für motivirt gehalten; daher אסיריא (gebundene Halme) paraphrasirt. Der Verfasser des handschriftlichen Codex aber hatte die Tautologie beider Verse, dem Targum gemäss, erkannt und daher lieber die oben angeführte Deutung zur Anwendang gebracht. Nim können aber nur dann einzelne Haimo abfallen, wenn die Ernte mit einer Schaufel auf gesammelt wird (Schaufel עתר Aruch 8. v., Traktat Sukah 14 a). So erklärt dann die Paraphrase des handschriftlichen Textes mit dem Worte "עתריה" a ie Ursache und das Mittel zum Abfallen der Halme, was mit dem biblischen Texte und der grammatischen Struktur des Wortes (Cap. II, 15 u. 16) im vollen Einklänge ist. Der Ruth gehören die Halme, die von ihren Schaufeln zur Erde fallen. — Dr. N. Litterarischer Anzeiger. Angebote und Gesuche antiquarischer Bücher der jüdischen Litteratur von Rabbinern, Lehrern und Cultusbeamten werden zu erraääsigtem Preise (die 4geap. Zeile ä 10 Pf. haar) aufgenommen. Billig za verkaufe■!: משניות, טורים 4, מ״א, ח״מ י״ר. אלפ*ם. ש־׳ס. מהרש״ל, מהרש״א, רשב״א u. v. a.ספרים einzeln oder im ganzen. 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