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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-07-25 · N° 30. (25.7.1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 30. (25.7.1889)
Date
1889-07-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jahrg. XVIII. ^•1 Jüdisches Litteratur-Blatt. Sir Btlncklu! «Iler Jidntli■■ •■I hin k«treff«*4*■ llttererlirhe■ Er• •cb.l•■«*«« ul ia fieblete der Philo• •ophle, Seorhlehl«, Eth»o*r«pbl•. Theo• 0*1 e, Orie■ tolle, Koe*w«, HoaHellh, Lltorflk ■• Pida*0*1k. Herausgegeben ron Rabbiner I)r. Moritz Rahmer. 9Tta<j9e&vu<j, 25. efuti 1889. Bicher 4er«i1Khti1(i|tN Cer Bcdftct.on s««eu«4t werde«, fl«de« 1« diene« Blatte eingehende Be«preeh«M Bel Gl«te«d««K to» swel Becensleae* Kxewplare« erfolgt eUmftll*• fc«r«« tireU8*l«ecrU0«. Dm gJMisch• Lltteratar-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipsig bei Robert Priese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ,Israelitischen Wochenschritt“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Hark zahlen, erhalten {las ״Jüdische Litteiatur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 88 Pf. iür die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 80 Hark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden Baohh&ndler n. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 ji Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Drei Programme jüdischer theologischer Lehranstalten (Schluss.) — Abraham ben Muriel und Abraham ben Vives. Zwei einflussreiche Männer der Londoner Gemeinde im ID. Jahrhundert. Von M. D. Davis in London. — Zur Chronologie. Von L. Cohen in Rees a. Rhein. (Fortsetzung.) Litteratarbericht: Recension: Heumann, A. J. p”D1H .והשכחיי Gedächtniss und Amnesie. — לקט אמרים St Petersburg. Literarische Notizen. Insera te. Uabefugtar Nachdruck aut diatem Blatte ist nieht gestattet. Drei Programme jüdischer theologischer Lehranstalten. ^Schluss.) Sonderbar berührt es uns, in dem Buche Kaufmann’s Beiworte wie ״hochberühmt11 bei der Schilderung von Männern zu treffen, die, setzen wir den Fall, dass ihre ganze litterarisohe Arbeit uns fehlte, keine Lücke lies8en in der Geschichte des Judenthums. Kaufmann spricht hierbei ausschliesslich aus dem Bewusstsein der Juden des siebzehnten Jahrhunderts, und selbst um dieses festzustellen, sind Grabinschriften, Auszüge aus Gedenkbüohern,gelegeutlicheAeu8serungen in Briefen and Vorreden noch immer keine allzufeste Unterlage. Nicht jeder ״ Wander des Zeitalters “ Benannte ist ein ״hochberühmterMann“. Derartige Worte haben, das brauchen wir Kaufmann nicht zu sagen, beiden Juden ihre Werthsohätzung nach orientalischem nicht nach ocoidentalem Maassstabe. Manchmal wurden wir das Gefühl nicht los, als sässe dem Autor, wenn er gar zu gefällig das volle Urtheil enger Kreise des siebzehnten Jahrhunderts über einzelne verschollene Persönlichkeiten nachspraoh, der Schalk im Nacken und als wollte er gerade dadurch, dass er diese Urtheile so ohne Weiteres wiedergab, den Kontrast erst recht ausweiten zwischen unserer Weltanschauung und Werthsohätzung gelehrter Arbeit und der dieser vergangenen Zeiten. Als Ganzes ist die Arbeit ein vortreffliohes Zeugnis» für den wissenschaftlichen Geist des Fester Seminars; sie wird dem Autor, dessen Gelehrsamkeit sich schon mannigfach bewährt hat, neue Freunde erwerben. Gegenüber dieser Leistung, die vorhandene ge- Schichthöhe Erkenntniss mannigfach erweitert, vertieft und auf gesichertere Grundlage stellt und dabei einen geradezu erstaunlichen Eifer, Fleiss und Scharfsinn bekundet, tritt die Arbeit, die dem Berliner Seminarprogramm beigefügt ist, wesentlich zurück. Es kann ein Historiker entweder neue Thatsachen herauffördern, oder das vorhandene wissenschaftliche Material in neuem Lichte zeigen; besonders bei Ereignissen und Persönlichkeiten, die noch auf di* Gegenwart einwirken oder mit ihr Aehnlichkeit haben, wird ja nicht selten den Daten Gewalt angethan; da ist es ein Verdienst, diese Gewaltthaten abzuwehren, und die Wahrheit zu Worte kommen zu lassen. Die Gesohiohtsfälsohung hat oft die sonderbarsten Motive; wer z. B. selbst charakterschwach ist, wird einen so charakterlosen Manu wie ״ Josephus* minder streng beurtheilen; er wird ein sehr persönliches Interesse haben, derartige sagen wir elastisohe Naturen in Schutz zu nehmen, womöglich als Normalmensohen hinzustellen; in allen solchen Fällen kann es schon ein Verdienst sein, diese Wolken zu bannen; aber bei dam Thema, das Herr Dr. Joöl Mül 1 er, der Talmudlehrer am Berliner Seminar sich gestellt, können der• artige Rücksichten, weil dasThema uns ganz entlegen ist, nicht obwalten; dennoch sind die Männer, die er be* handelt, interessant genug; es kann nur die Beantwortung der Frage über den Werth oder Unwerth seiner Arbeit entscheiden: lehrt sie uns wesentlich mehr, als was in allen allgemein zugänglichen Büchern also z. B. bei Graetz zu lesen ist? Der Aufsatz des Dr. Müller: die Responseu der spanischen Lehrer des 10. Jahrhunderts R. Mose, R. Chanoch, R. Joseph ihn Abitur wäre für Jeden, dem der sechste Band von Grätz Geschiohte nie zu Gesichte gekommen ist und dem natürlich auch die Untersuchungen anderer Gelehrter, auf die Grätz 8ioh stützt, entgangen sind, ganz interessant; die Sache ist ja hochromantisch und kaum glaublich, wenn sie nicht so gut beglaubigt wäre; es ist wieder einmal eins jener Wunder, bei denen es doch mit graden Dingen hergeht, wie der Stern, der den Juden in Babylonien unterging, im arabischen Spanien ihnen neu aufleuchtete. Aber Graetz berichtet nicht nur dies durch Forschungen früherer Gelehrter Festgestellte, sondern er bestimmt auch, aus welcher Talmudsohule der das Talmudstudium in Spanien erneuende Meister hervorging, (dafür citirt ihn Müller als Gewährsmann) er eruirt den Zeitpunkt, in welchem die Babylonier nach der iberisohen Halbinsel kamen; hier hat Müller ihn zu citiron vergessenes ist vielleicht auch zu monoton, immer denselben Mann zu citiren. Die Schrift Müller’s ist beachtenswerth durch Stil, Belesenheit und gedankliehe Reife des Herrn Verfassers und gewährt eine Bürgschaft für die Anstalt, an deren Programm sie angefügt ist, nur füllt sie keine Lücke aus, bringt sie keinen Schritt vorwärts, man freut sich, wenu man

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