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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-07-18 · N° 29. (18.7.1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 29. (18.7.1889)
Date
1889-07-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Litteratur-Blatt. 11 r BdiMktaaf aller Jadeathaai ■■4 Jilu ketreffeaAaa lltterarlaekea Ir- ■cMlaaaff«• aaf <«■ Qeklete 4er Pkllo• eopkle, Geeeklekte, Itkaagraphla, Tkeo•!!!(, Orleatalla, Exegeee, HoMMetlk, Lltarjik a. PIde*04ik. Herausgegeben TOD Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 9TLa^9c6׳w/t<j, 18. 9-tvfi 188g. Bleher derdiuhliffifei Lttter1t1r,w«Uk <«r Mtetion ngttamdt Word••• •md®■ 1■ dlwta BUtUtlafofctidt B«frMk11| Bol EtBioading ▼0■ sw«! RocomIo■•• EvempUren «rfOIft el«m«ltgo k«ne Gritfa-laaertl•■• Dm gJIdlseh• Littermtmr-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bozen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipsig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ,Israelitischen Wochenschrift“, die vierteljährlich bei allen Poetanstalten and Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erbalten das ,Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit gg Ff. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark! berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes za senden Buchhändler n. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 ji Rabatt. Inha.it;: Wissenschaftliche Aufsätze: Drei Programme jüdischer theologischer Lehranstalten. (Fortsetzung.) — Die Juden und aas Kartenspiel. (Schluss.) — Thomas Carlyle und die Juden. Litteraturbericht: Recension: Heppner, Dr. A. Die Scholien des Bar-Hebraeus zu Ruth und den apokriphischen Zusätzen zum Buche Daniel nach den vier in Deutschland befindlichen Handschriften von Bar-Hebraeus אוצר אחא ediert, übersetzt und mit Anmerkungen versehen. — Rosenthal, Arnold. Die Psalmen in Reimen. Uebersetzung von A. R. Frankfurt a M. bei M. Slobotzky. Inserate. Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet Drei Programme jüdischer theologischer Lehranstalten. (Fortsetzung.) So wird das einzige Mittel, das allerdings nur sehr Wenige zur Zeit handhaben können, das Talmud- Studium zu beleben, zuräokgewiesen und der Unterrieht geht in seinem alten Sohlendri&n vorwärts, ja dieser Sohlendrian behauptet soweit seine Herrsobafb, dass sonst ganz verständige und nichts weniger als im landläufigen Sinne orthodoxe Rabbiner von Grossgemeinden in Deutschland glauben singen und mauschein zu müssen, wenn sie ein t&lmudisohes Thema öffentlich traktiren. Der Gegensatz zwisohen dem, was die Gemeinden von ihren Rabbinern verlangen, und dem, was in den Seminarien geleistet wird, ist schroff* genug. Die Gemeinden wünschen zuvörderst, dass der Rabbiner zum mindesten geistig ebenbürtig sei dem Gros der studirten Leute in Deutschland, und dass er durch Unterricht und Predigt Jung and Alt zu fesseln im Stande sei; die Seminarien, duroh das Herkommen gebunden, bilden vorwiegend Talmudisten ans and der Fall ist leicht denkbar, dass der Mastersohüler des Seminars in ganz Deutschland keinen Platz fände za praktischer Wirksamkeit als Rabbiner. Und dabei, trotz der gelehrten, dem Leben abgewandten Richtung der Seminarien, klagt die deutsohe Wissensohait nicht ganz mit Unrecht, dass die Juden in Deutschland (in Frankreich ist es jetzt besser) nicht sehr viel leisten zum Anbau der wissensohaftlichen Gebiete, die uns Juden eigentlich die nächsten sind, insbesondere der Bibelforschung in allen ihren heute weitverzweigten Ausläufen. Man möchte den Leitern und Lehrern dieser Pfiegestätten etwas mehr Muth wünschen, die freie Forschung wird dem Kern des Judenthums nioht schaden, und wenn sie manche der Normen, gegen die sich die moderne Judenheit praktisch aufiehnt, auch wissenschaftlich untergräbt, so wäre der Schaden nioht so gross. Dass aber unter den Lehrern dieser Anstalten ein reger, ernster, wissenschaftlicher Geist waltet, beweisen alle drei Arbeiten, die uns vorliegen. Geben wir schon ans Artigkeit dem Ausland den Vorrang nnd beginnen wir mit dem Bericht über die Arbeit des Dr. Kaufmann in Pest; sie ist gegenüber den andern auch sonst im Vortheil; denn sie ist dnroh die Wahl des Stoffes geeignet, weitere Kreise zu interessiren, während die beiden andern Arbeiten talmudisehe Themata behandeln. Freilich an sich ist auch der Stoff, den Dr. Kaufmann sich gewählt hat spröde und wir ersehen es täglich, wie sonst ganz gelehrte Herren über ähnliche Themata die allerlangweiligsten Aufsätze zu Stande bringen. Aber K. ist kein Gelehrter, der die Dinge, die er behandelt, gleichsam versteinert, sondern soweit sie überhaupt za beleben sind, wird sein reger Geist dies sohon durchsetzen. Kaufmann giebt uns eine allsrsorgfältigste Dar- Stellung der Geschichte der Wiener Judengemeinde von 1625—1670, in welchem Jahre bekanntlich die Judengemeinde in Wien als Opfer des Hasses der Wiener Bürgerschaft und der Bigotterie Kaiser Leoolds zerstört worden ist. Wie wir oft Gelegenheit aben in der Geschichte der jüdischen Diaspora die wunderbare Fügung Gottes zu verehren, so besonders bei den Schicksalen der Wiener Juden während des dreissigjährigen Krieges. Der rasche und glänzende Triumph, den die Kirche und das katholische Kaiserthum in Böhmen davongetragen hatte, liess befürchten, dass für diejenigen, die als die schlimmsten Feinde der Kirche betrachtet wurden, für die Juden, nunmehr eine böse Zeit beginnen werde; in Wahrheit war diese Zeit eine den Juden in hohem Grade günstige und erfreuliche uud nicht bald hat ein Fürst gegenüber mannigfachen Anstürmen so energisch die Rechte der Juden wahrgenommeii wie Ferdinand II., denn der Wiener Magistrat war den Juden spinnefeind uud zwar waltete hierbei eine einer bessern Sache würdige Konsequenz. Bekanntlich stehen die Wiener Bürger nicht allem mit dieser Unliebenswürdigkeit und Kaufmann macht mit Recht darauf aufmerksam, dass ein Grund unter vielen für diese allgemein beobachtete Judenfeindsohaft der städtischen Behörden im Mittelalter darin zu finden ist, dass die Städte von deu Jude:., die ja doch dem Kaiser direct steuerten, nicht viel hatten; gewiss war es den Juden gleichgültig, wem sie ihre Gulden zahlten, die sie am liebsten für sich behalten hätten, aber da sie zur Stadt nicht unmittelbar steuerten, bekam der allgemeine Hass eine Nahrung, der glücklicherweise bei dem Antisemitismus

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