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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-07-11 · N° 28. (11.7.1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 28. (11.7.1889)
Date
1889-07-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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^28. :*mßmw•’ Jüdisches £!!%•xX.n|t Litteratur-Blatt. Iir Bdnehtug aller Jideitkm •*d i«de! featreffead«■ lltterarteebe« Cr* lehilmv•■ uf da* Gebiete der Pfeile• ■opfelt. Geachleht«» Kthaofrraphla» Tfeeooglc, Orlaatalla, Ezeeeee, HomMettk, LItargtk *. PidagOfflk. Heraasgegeben TOD Rabbiner Dr. Moritz Kahmer. 11. duti 1889. Bleher derelaaehliglgaa MltaftUr.walrh der Bedeetioa ■»geeeedt werde■» (lade■ la dleeea Blatte elagebeade Beepreefeeag Bel BlaeeadaHg ton awet Becennleae• Kxeaplaren erfolgt einmalige kar<% Gratle*laeertlon. Das ״JMIsch• Lltteratar-BUtt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipsig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der .Israelitischen Wochenschrift“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erhalten das ״Jüdische Litteiatur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit X& Pf. tttr die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden Buchhändler u. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 X Rabatt. Inhalt: Wiseensohaftliche Aufsätze: Drei Programme jüdischer theologischer Lehranstalten — Die Juden und das Kartenspiel. (Fortsetzung ntatt Schluss.) — Das Targum zu dem Buche Ruth. Verhältnis des edirten Textes desselben zu dem eines handschrittlichen Codex aut der Breslauer Stadtbibliothek, stammend aus dem 13. Jahrhundert, Codex No. II. von Dr. Jacob Reiss, Rabbiner in Kuttenplan, (Böhmen). Schluss. Litteraturbericht: Rocension: Jussuf und Suleicha. Romantisches Heldengedicht von Firdussi aus dem Persischen zum ersten Mal übertragen von Baron O. Schlechta-Wssekro. Inserate. Unbefugter Nachdruck au» diesem Blatte ist nieht gestattet Drei Programme jüdischer theologischer Lehranstalten. W«uü«n wir ans, bo-rv״ wir uie unser mit aen ■wissenschaftlichen Leistungen, die uns in den Progr&mmen geboten werden, bekannt machen, zuerst einmal kurz zum Gesammtbild, welches die Arbeit dieser Schulen darstellt. £s besteht ein greller Abstand zwisohen dem, was die Gemeinde in erster Reihe von ihrem Rabbiner verlangt und den Anforderungen, welche die Rabbinersohule an ihre Jünger richtet. Eine Gemeinde wünscht vor Allem eine packende Predigt; das derbe Wort ,packen" ist hierbei ganz am Platze; eine Menge i3t nicht zart besaitet; sie erzittert nicht wie die Aeolsharfe in süssen Töneu, wenn der leise Zephyr durch ihre Saiten haucht; sie fühlt meist nur, wenn sie gepackt wird, wenn mit starken Effekten auf sie losearbeitet wird. Wer also ergreifend redet, der hat as Herz der Gemeinde. Verfügt er noch über eine blühende Diktion, welche nicht gerade unbedingt auch eine schöne sein muss, so wird er auoh diejenigen für sich haben, denen eine glüokliche Müsse Zeit gewährt, die Romane vieler deutschen Wochenblätter mit Theilnahme zu lesen. Wer seinen Beruf versteht, wird es indess schon meistens ermöglichen, die höheren Anforderungen deB Predigt-Amtes, die Wünsche einer engen Sohaar wahrhaft Gebildeter mit diesen Bedürfnissen der Masse irgend wie zu vereinbaren. Es ist selbstverständlich, dass, um eine gute religiöse Rede zu halten, ein stattliches Maass allgemeiner Bildung nothwendig ist; gerade weil der Gegenstand Jedermann aus dem Volke vertraut ist, ist nioht Jedermann aus dem Volke im Staude, darüber verständig und erbaulich zu Vielen zu sprechen; die Vertiefung des allgemein bekannten Gedankens ist oft der Reiz und die Leistung der Predigt. Dies wird nur dem gelingen, der eine gute Bildung, der seine Gedanken in Zucht hat, der sich gewöhnt hat, das Alltägliche mit aufmerkeudem Sinne zu betrachten. Aber bedarf ein sonst wackerer und gediegener Mann heutzutage ein grosses Maass von jüdischem Wissen, um auf eine jüdische Gemeinde zu wirken? Ohne grosse Schwierigkeit kann man sogar der Rede ein jüdisches Kolorit geben, ohne darum mit dem jüdischen Schriftthum besonders vertraut zu sein. Es giebt so viele Sohriften in modernen Sprachen, die die Gedanken des Judenthums auf Grund genauer Quellenkunde darstellen, es giebt Sammlungen von Midraschim in deutscher Sprache; wer damit noch nicht genug hat und es sich sozusagen sauer maoheu will, der steigt zu Rabbiuowitsohund Wünsche hinab und findet unter Vielem, was er nicht versteht, JfSiVfetf'ädi^S'b’itieti־, onne darum Talmud und Midrasch selbstständig lesen zu können, üm also in einer jüdischen Gemeinde Deutschlands als Prediger Erfolg und wohlverdienten dauernden Beifall zu gewinnen, ist eine besondere Kenntniss des jüdischen Schriftthums nioht unentbehrlich. Es bleibt noch die zweite Aufgabe, die die Gemeinde an ihren religiösen Leiter stellt, nämlich die Jugend religiös heranzubilden. Nun für diesen Zweck ist zweifellos pädagogischer Takt und eine gute Bildüng, welche der Jugend Achtung vor dem Lehrer einflösst, nahezu entscheidend. — Für alles, was sonst noch der Rabbiner für die Praxis des Amtes braucht, ist in der Masse nioht viel Verständnis und nicht viel Sympathie vorhanden. Daneben sehen allerdings die bessern Gemeinde - Verwaltun gen ein, dass den Rabbinern die Pflege unseres heiligen Schriftthu'ms in allen seinen Zwe gen obliegt, um es vor Vergessenheit und Entstellung zu wahren; es genügt diesen Einsichtigem nicht, dass der Rabbiner ihnen und der Gemeinde überhaupt, gefalle, sondern sie wollen, dass wenigstens Einer in der Stadt das jüdische Wissen pflege; früher, wo so Viele unter uns jüdisch-gelehrt waren, war der Rabbiner der ״Erste unter Gleichen“; heute darf er dies nichtsein, sondernmuss er mindestens derEinäugige unter den Blinden sein. Aber es kann nicht Wunder nehmen, dass von dieser Verpflichtung gegen die Gesammtheit, gegen das Judenthum als ideale Macht, die Meisten nur einen sehr mässigen Begriff haben; und da im grössten Thoil Deutschlands keine Behörde existirt, welche eine Kontrolle übt und Bewerber, die ohne tiefere theologische Kenntnisse sind, sogleioh bei der Schwelle zurüokweist, so ist für den Erfolg bei der Bewerbung und für eine spätere, würdige, anerkannte

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