Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 25. (20.6.1889)
- Date
- 1889-06-20
- Page
- Seite 100 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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100 — hängig davon, ob der Exekutor zur Stelle ist oder nicht. S. 21 redet der Verfasser von der Profetie und bezeichnet sie als die Macht des Geistes, als die ßechtsgewalt der Intelligenz. Der Autor vergisst, dass die Propheten zuvörderst grosse Charaktere gewesen sind. — Besser noch als die Betrachtungen, welche an Bibel und Talmud sich anlehnen, gefielen uns die letzten Artikel, welche religiös-politische Fragen in Betracht ziehen Was der Verf. über die konfessionslose Schule sagt, braucht man nicht gerade Wort lür Wort zu unterschreiben, aber es ist der sorgfältigsten Erwägung werth. Der Autor wird, so hoffen wir, seine Feder nicht niederlege.u, sondern sie schärfen und feilen, um sie dann nur desto wirksamer zu verwerthen. Litterarische Notizen. 1. Auf die Anfragen dos Herrn 0. in R. im Littet aturblatt No. 22 erlaube ich mir zu bemerken, dass das Wort ״Gascht“ identisch ist mit ״Gast“, einem umherziehenden Bettler, der am Sabhath und Festtag zu Tische geladen wird, wahrend man einen anderen Gnst, einen Freund oder Verwandten, ארח nennt Das Wort ״Gascht“ kommt in vielen Redensarten vor, z. B. ״U!1geproiten (ungeladenen) Gascht setzt man hinter den Auben“ Otc-nl, ״Erbat ein״ rechteGascbt-Neschome“,das ist einkoweder Gascht“, Der Volksmund macht auch einen Unterschied zwischen einem ״Gasoht“ und einem ״Dalfen“. Letzteres Wort bezeichnet gewissermasaen einen vornehmen Armen, wie denn Zunz auch in seinen ״gottesdienstlichen Vorträgen der Juden“ dasselbe aus דל und dem deutschen ״von“ zusammensetzt, also ״ein arr. er Von“,*) ähnlich wie die deutscho Redensart ,ein Herr von Habenichts.“ Der Ausdruck ״Schmajiskees“ ist unzweifelhaft aus שמע ישראל entstanden, und zwar gebraucht man ihn als Aeusserung des Schreckens als Noth- und Hilferuf, weil der Jude mit dem Ausruie שמע ישראל seine Seolo aushaucht. Der Ausdruck ״Klaumer-Käs ist entstanden ans “כלומר" (von1>,(אמר h.״sozusagen“*")und ״Käs“. In den Schaufenstern der Spezereihändler liegt gewöhnlich ein aus Holz nachgebildeter Käse, um den Leuten anzuzeigen, dass dort auch Käse zu haben ist. Weil derselbe aber koin wirklicher Käse ist, also nur ein solcher zu sein scheint, so bezeichnet man mit dieser Redensart alles, was nicht der Wirklichkeit entspricht und den Schein dev Wahrheit an sich trägt. So sagt man: ״Das sind Klaumer- Käs“, d. h. das entspricht nicht der vVahrheit, es sind Ausreden. Gossel, Garnen. 2. Die zwei letzteren Fragen möchte ich anders erklären: a) Schmaj i s-kees mag aus rODiTl שמע entstanden sein; b) Klaumerkees, welches so viel bedeutet als: vorgeblich׳ דלפק (* soll nach einer andern Meinung deshalb zur Bo- Zeichnung eines Armen gebraucht werden, weil dieser der einzige .von den Söhnen llamans war, in welchem der Buchstabe אלף אלף (tausend) fehlt, also Einer, der nichts besitzt. C. **) ״) כאלו אמר כלומרdas heisst“ oder ״das will sagen.“) C. pro forma eder zum|Scheine, mag vielleicht zusammengezogen sein von כל1מר 3עת d. h. ״wie man heute (in moderner Weise) sagen würde“. כעת kommt in der Bibel mehrfach vor, z. B. im 1 B. M. כעת חיה oder nv. b. m. 23 v. 23) כעת יאמר ליעקב. - Das Klaumer-koes hatte ursprünglich einen ernsthaften Sinn• im Jargon aber erhielt es vornehmlich eine ironische Bedeutung. So hat das A\ ort מציאה Fund, ursprünglich den Sinn von etwas Worthvollcn, zu dem man mit leichter Mühe gekommen ist. Im Jargon aber hat es die ironische Bedeutung des Gegentheils. ״Das ist eine gewaltige Mezie“, heisst: das ist des Aufhebens nicht werth. W e i n b 0 r g -Bodenfelde. •i. In Bezug auf die Frage nach der Abstammung des Wortes ״Gascht“ gestatte ich mir zu verweisen auf a) Tendlau’s Sprichwörter u. Redensarten deutsch-jüdischer Vorzeit S. 7!», No. 23!); und auf b) Dr. Sam. Mayer’s Geschichte der Israeliten im Hohenzollem-Hechingen (Litteraturblatt des Orients No. 32 v. 7.344, Sp. .006). Sigin. May er-Trier. 4. Moses Mendelssohn«Geburtstag. HerrDr. Kavserling stellt in seiner BiographieMendelssohn’s den 12. Elul 5430 (1729) alsGeburtstag M.’s hin und bezeichnet die Annahme F. Lebrecht’s, dass Mendelssohn 1728 geboren sei, als Irrthura, der durch die Grabschrift hervorgerufen wurde. Nun aber führt Herr Kayserling S. 121 einen Brief Mendelssohn’s an seinen Freund Lessing an, iu dem ganz deutlich stellt, dass Mendelssohn älter war, als Lessing; denn wie könnte er sonst sagen, Leasing hätte noch nicht das dreissig3to Jahr überschritten, während es bei ihm der Fall wäre. Sollte etwa Herr Kayserling ׳'urch seine S. 121 gemachte Anmerkung seine Ansicht vertheidigen wollen, so geht doch noch immer nicht hervor, dass Leasing älter als Mendelssohn war. Nun ist Lessing am 29. .Tan. 1729 geboren, folglich wird wohl Herr Lebrecht Recht haben. Ausserdem schliesst sich, wie ich höre, auch Herr Prof, Graetz der Ansicht des letzteren an. Ich bitte um gütigen Aufschluss in Ihrem Blatte. * K.-Breslau. ö. London, d 14. Juni. Sie werden mich, Hochgeehrter Herr Redacleur, zu grossem Danke verpflichten, wenn Sie in Ihrem hochgeschätzten Blatte mir Raum gönnen wollen für folgeadb Zeilen, die den Zweck haben, eine auf mich bezügliche Notiz*) im Litteraturblatt der Wochenschrift No. 24 zu berichtigen. Ich habe keinerlei Auftrag vom Zunz-Curatorium erhalten; die Herren Curatoreu waren nur gütig genug, mir Zunz’s Handexemplare für mehrere Wochen zu l»il1en, wofür ich ihnen hiermit öffentlich nochmals meinen Dank sage. Notizbücher ▼on Zunz habe ich niemals gesehen. In meinen Händen waren nur ein paar Hefte, in deaeu einige Zettel von Zunz mit auf seine Bücher bezüglichen Bemerkungen eingekleht sind. Darauf beschränkt sich meine ganze Beziehung zu der erwähnten Angelegenheit Hochachtungsvoll S. Schechter. *) Die, wie wir in vor. No ausdrücklich angaben, dem ״Jew. Chron “ entnommen war. (Red ) Berichtigung: In dem Artikel ״Circumcisio ritualis“ in vor. No. i t auf S. 93 Sp 2, Zeile 26 und Zeile 30 statt Thimosis zu lesen: ״Phimosis“; Sp. 1 Z. 9 v. u. ist ״(Exod. XIU, 2.15)“ zu streichen. Litterarischer Anzeiger. Angebote und Gesuche antiquarischer Bücher der jüdischen Litteratur von Rahbinern, Lehrern und Cultuebeamten werden zu ermässigtem Preise (die 4gesp. Zeile ä 10 Pf. haar) aufgenommen. Zunz-Stiftung1. (§ 3 a-d des Statuts.) Für das Jahr 1889 sind ca. 1200 M. verwendbar. Meldungen oder Anträge (mit den dazu gehörigen Unterlagen) sind bis Mitte September bei dem Unterzeichneten Vorsitzenden einzureichen. — Hierbei wird zur Vermeidung von Missverständnissen bemerkt, dass die Zunzstiftung, ausschliesslich der Wissenschaft des Judenthums gewidmet, lediglich streng wissenschaftliche Arbeiten zu fördern bestimmt ist. 2055] Berlin, dsn 14. Juni 1889. Das Curatorium der Zunzstiftung. gez. Dr. S. Neumann gez. Dr. Abraham. Vorsitzender. Schriftführer. (Von der Hoyd-Stlasse 7.) 31t meinem '•Beilage erfdpen fofbrn: ftranlfurtcr Israel. )Dolfö־ «alcit&er fär i>a$ 3aljr 5050 1889 - 1890.) mit bldcn intereffantm ®citrägcn. ^re85 #׳ W. (SJcpcn dtnfenbuna Don 45 ®f. (25 tr. ö. SB.) erfolgt gronfo3־ujenbung _J. KaußTmann, Kethubot - Forma- Iure (liebr. u. deutsch) 145 Pf., & Stück für 1 M. baar. Das Ganze der jüd. deutschen Schreibschrift in 28 hthogr Vorschriften — für 10 PI. Zn beziehen durch die Expel. der ״Israelit. Wochenschrift“. In meinem Verlagersch. soeben: Df ittelhocl!deut«ehe Dichtung in ihrer Beziehung zur biblisch-raebinischen Litteratur. I. Heft: ,,Freldank’s Bescheidenheit« von Dr. 8. (üelbhaa■. Preis M. 1.60. Frankfurt a. M. J. Kaufftnann. Soeben erschienen: ])er blühende Stab der ]lohen• zollern. Zwei Reden zum Geburtstage Sr. Maj. des Kaisers Wilhelm II. Von Rabbiner Dr. Kolin-Iuowrazlaw. PreisöOPt. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolft, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig־