Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 24. (13.6.1889)
- Date
- 1889-06-13
- Page
- Seite 96 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 96 — sprechend dem hebräischen משתדלים nur פמגתהדק I gelesen werden kann. | Die hebräische Uebersetzung des Jehuda ibn! Tibbon, welche wir nun erst nach Einsichtnahme in den Originaltext nach ihrem rechten Wertbe bemessen | können, ist oft ein Gemisch von Sorgfalt und Nach* , lässigkeit׳, von pedantischer Worttreue und obenhin j erklärender Paraphrase. Zuweilen wird auch dieser j oder jener technische, besonders in die muhame- | dänische Theologie hinübergreifende Ausdruck missj verstanden und einfach wörtlich übei setzt, oder es i werden arabische Wörter durch ähnlich klingende, j wenn auch die Bedeutung des Originals nicht völlig deckende hebräische Wörter wiedergegeben, wie überhaupt öfter dem hebräischen Sprachgebrauch Gewalt angethan wird, um eine Analogie zum arabischen j Texte herbeizuführen. Trotzdem dürfen wir der Ibn; Tibbon’schen Uebersetzung nicht allen Werth, nicht ihre hohe Bedeutung absprechen, dass sie nämlich Jahrhunderte lang das Werk Jehuda Halewi’s einiger-! massen dem Judenthume zugänglich gemacht hat und! schliesslich auch manches zur Verbesserung unseres 1 arabischen Textes — wie zuweilen durch zu Grunde i liegende, bessere Lesarten — beitragen durfte, wie wir überhaupt, trotz jener vielgerügten Mängel, der j Uebersetzung Ibn Tibbous unsere Anerkennung in! Rücksicht auf die grossen vorliegenden Schwierig- I keiten, durchaus nicht versagen können. Es sind! allerdings über GO Stellen, in welchen die sonst so I tüchtige und mit so vieler Sachkenntnis verfertigte Uebertragung ins Deutsche von Dr. D. Cassel, welche dem Ibn Tibbon'schen Texte sich anschliesst, nach dem nun veröffentlichten arabischen Original rectifizirt ev. ergänzt werden musste. — Wie nun Herr Hirschfeld mit seltener Ausdauer! und unter eingehenden Studien beide Texte erfolgreich! behandelt hat, so ist auch seine ganze Anordnung des Buches als angemessen zu bezeichnen, obwohl wir ein sprachlich beleuchtetes Verzeichniss der im Buche Al-Chazari vorkommenden llebraismen und sonstigen Spracheigentümlichkeiten als Beitrag zur j arabischen Lexicographie uugern vermissen. Vielleicht findet der Herausgeber in irgend einer orientalischen Zeitschrift noch die Gelegenheit, uns diesen Beitrag nachträglich zu liefern. Litterarische Notizen. London. Obschon der selige Zuuz es consequent vermieden hat, während seiner Lebenszeit irgend eine seiner epochemachenden Schriften in neuer Auflage erscheinen zu lassen hatte er nichts destoweniger die Gewohnheit, zahlreiche Zusätze- und Aenderungen in seinen Manuscripten und Randbemerkungen, sowie Interlinearbemerkungen in seinen gedruckten Handexemplaren anznbringen. Die Zunz&tittung in Berlin, welche beim Verkaufe der Zunz’schen. Bibliothek diese werthvollen Exemplare zurückbehielt, hat dieselben in jüngster Zeit Herrn S. Schechter hierreibst Ubergeben. Zunz’ Handexemplare: ״Raschi“, ״Gottesdienstliche Vorträge‘‘, ״Zur Geschichte und Litteratur“, ,,die Ritus“, ״die synagogale Poesie“ mit des Vertassers letzten Anmerkungen befinden sich nunmehr seit 5 AVochen in den Händen Herrn Schechters Dieser hat den grössten Theil der Notizen bereits copirt und wird sie von Zeit zu Zeit veröffentlichen. Das einem englischen Gelehrten — welcher sich übrigens 80 innig mit seinem Vaterlande identificirt hat — hierdurch entgegengebrachte Ve-trauen wissen natürlich die Mitglieder seiner Gemeinde sehr zu schätzen. Ausser den Marginalien hinterliess Zunz aber auch noch verschiedene Notizbücher mit wichtigen Bemerkungen und auch diese wurden den vorgenannten Schritten beigefügt. Herr Schechter gehört zu den wenigen zur Lösung einer solchen Aufgabe geeigneten Gelehrten in Europa, was von dem Curatorium der Zunzstittung ja auch anerkannt wurde. Er ist gerade der Mann, welcher mit einem eben so ergötzlichen als charakteristischen Telegramm, wie das am 22. Februar 1841 von Dukes an Zunz gerichtete ״Der Midrasch Aba Gorion hat die Güte gehabt, sich von mir entdecken zu lassen“ zu syrapathisiren versteht. Das sind aber die Freuden wahrer Gelehrten. (Jew. Chron.) (Unbeschadet der Ehre des Herrn Schechter giebt es doch auch wohl in Deutschland Gelehrte, denen man eine solche Arbeit hätto anvertraueu können') Baja. AVer den Jargon will verstehen, muss ins Land des Jargon gehen. Nun, im Osten unserer AI! narchie treibt das jüdisch-deutsche Idiom Blüthen, die zwar nicht schön sind, aber mitunter den Duft edler Gesinnu-g, vom freilich zurückgebliebenen (Julturpunkte aus, ausströmen lassen. — Gleichwohl möchte ich aut solche Blüthen und solches Parfüm im Interesse der Glaubensgemeinschaft und ihres nationalen Fortschrittes, für immer verzichten. Den Jargon betreffend, ist dieser dann vorzugsweise der Beachtung werth, wenn er nicht aus corrumirton Fremdwörtern, sondern aus der heiligen Sprache und en Tiefen des ihr ein* ohnenden Gemüthslebeus hervorgegangen ist, in erkennbarer Mischung des Heiligen mit dem Profanen. Olt ist hierbei das A\rort die A'oraussctzung der Schrift, oft auch umgekehrt. Dies vorausgeschickt gehe ich nun an die Beantwortung der in No. 22 dioses gesch. Blattes autgestellten et \ mol ogiseben Fragen: 1. ״Gascht“ heisst soviel als Gast, ארח, und es ist für das jüdische Feingefühl ehrend, dass der Arme nicht, als ״Landstreicher“, sondern als ״Gast“ behandelt wird; wenn er auch fremd, oder gerade deshalb, weil er fremd ist; 2. ist eine Composition von Schma-Jis(roel)kees, d. h. hehr. 053! jüdisch deutsch gelesen ״kees“, Ausdruck des Aergers: ״Fm des Himmelswilleu, ist das ärgerlich“; 3. eine Zusammensetzung von Klomer-kees; d. h. D33 Unwille, jiid. deutsch gelesen ״kees‘, Ausdruck des kritischen ironischen Unwillens: ״Das heisst auch gesagt“. — Das erste AVort ist der Form nach fremd, dem Sinn nach heimisch, die beiden anderen sind Form und Sinn nach echt jüdisch. Dr. N. Zu 2 u. 3 sind uns plausiblere Erklärungen zugegangen,! die wir in nächster No. bringen (lled.l Litterarischer Anzeiger. 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