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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-05-16 · N° 20. (16.5.1889) · p. Seite 78

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 20. (16.5.1889)
Date
1889-05-16
Page
Seite 78 (sequence 2)
Language
German
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a 35. 23,14—16. Die nü ze vollen boese sint, gewinnent die noch hoeser kint ja herre got, wem 801 ich diu geliehen? Ein ähnlicher Gedanke ist in Jesajas 59.5 enthalten: ״Sie brüten Basiliskeneier ans, und weben Spinngewebe. Wer von ihren Eiern isst, muss sterben, und wenn man sie zertritt, so bricht eine Schlange hervor. — 36. 23, 28—30. Sl brechent dicke Salomönes lere. der sprichet, swer den besmen 9par, daz der den sun versüme gar Gemeint ist hier Sprüche Salomons 13,24: ״Wer seine Ruthe schont, der hasst seinen Sohn.* 37. 23, 35. Die jungen habent die allen 80 verdrungen. Jesajas 3 5: ״Der Jüngere überhebt sich über den Alten. “ 38. 24,33—35. Der hof ze Wiene sprach ze mir Walther, ich solte lieben dir, un leide ich dir: daz müeze got erbarmen. Aehnlich Rut 1. 20: אל תקראנה לי נעמי קראן לי ״ מרד. כי המר שדי לי מאוד.Nennet mich nicht die Liebliehe, nennet mich die Leidensvolle, denn der Allmächtige hat mich sehr betrübt.“ — 39. 25, 17. 18. Der ist ein gift nü gevallen, ir honec ist worden zeiner galten. Vergl. Sprüche Salomons 5, 2. 3: ״Denn Honig- Seim träufeln die Lippen der Fremden und glatter als Oel ist ihr Gaumen. Aber ihr Ende ist bitterer als Wermuth.“ — (Fortsetzung folgt.) Oie russischen Sabbatarianer. Von B. Schewzik in Ramsgate. *) ln dem interessanten und lehrreichen "Vorträge, welchen Herr Dr. Ga st er jüngst über die. ״Sabbatarianer“ in Süd-Ungarn hielt, erwähnte derselbe einer russischen Secte ״Sabbotniks“. Ausser dieser besteht aber doch noch eine andere Seele, welche von den Russen ״Maloschnikes“ genannt wird. Die Anhänger feiern nicht bloss ihren Ruhetag am Sabbath statt am Sonntag, sondern enthalten Sich auch aller von Christen zubereiteten Speisen, besonders des Fleisches. Sie geniessen bloss Milchspeisen. Eine grosse Anzahl von Anhängern dieser Secte findet man in der Gegend von Saratow und viele von ihnen nehmen hervorragende Stellungen ein. Ich habe sogar Jemanden von ihnen gekannt, welcher in dieser grossen Stadt das Amt eines Bürgermeisters bekleidete. Die meisten derselben sind jedoch sehr arm. Ich habe mich unter beiden Secten auigehalten, aber nicht gefunden, dass sie sich um die Kenntniss der jüdischen Religion bekümmerten. Ich habe vielmehr gefunden, dass die erstgenannte Secte sich den Juden gegenüber sehr feindselig zeigt. Was aber die geschätzten Leser noch mehr interessiren dürfte, ist die Auskunft, welche ich denselben über noch eine andere kleine Secte geben kann, welcher ich im Jahre 1874 auf meinen Reisen im Kaukasus begegnete. Auf meiner Rückreise nach Russland besuchte ich verschiedene Städte in der Nähe des Uralflusses. Auf meiner Reise von Samara nach Orenburg, ungefähr 400 Werst von einander entfernt, passirte ich die Stadt Bezeluk, woselbst ich mit Anbruch der Nacht eintraf. Ich war daher genöthigt, wegen der strengen Kälte hier zu übernachten. Zu meinem Erstaunen erfuhr ich nun, dass dieser Ort grösst entheils von einer Bevölkerung bewohnt sei, welche sich Juden nennen. Ich begab mich sofort erwartungsvoll nach einem Hause, welches mir der sehr zuvorkommende Postmeister angezeigt I hatte. Beim Eintritt in dasselbe begrüsste mich die Hausfrau, welche die Thür öffaete und in mir einen | Juden erkannte, mit einem herzlichen ״Willkommen!“ i Als sie sich hierauf entfernte, ihren Mann zu rufen, I hatte ich Zeit, mich in dem Wohnzimmer umzusehen. I Hier bemerkte ich nun gar nichts, was Zeugniss dafür geben könnte, dass die Bewohner dem Judenthume angehörten; aber auch jeder Beweis für ihre Zi^gehörigkeit zur griechischen Kirche fehlte gänzlich. ן Von Crucifixen, Heiligenbildern und andern Emblemen, i mit welchen die gewöhnlichen russischen Bauern ihre , Wohnungen zu schmücken pflegen, war auch keine; Spur zu sehen. Bei der Ankunft des Hausherrn und | seiner Familie, welche sich in grosser Aufregung um | mich schaarten, gab ich denselben den Grund meines | Besuches zu erkennen. Indem ich mich alsdann mit j dem Hausherrn, der nur ein gewöhnlicher Bauer, aber | ein intelligenter und ehrlicher Bursche war, in ein; Gespräch einliess, war ich im Stande, einige Mittheilungen über diese Secte zu erhalten und diese ergaben, dass die Anhänger derselben zu den Familien gehörten, welche wegen ihrer Anhänglichkeit an den jüdischen Glaüben von der russischen Regierung verfolgt wurden, als sie noch in ihrem Geburtslande T u m a n in Sibirien wohnten und in Folge dessen nach verschiedenen Gegenden Central-Russlands vertrieben wurden. Sie wissen nur sehr wenig von der jüdischen Religion. Das Einzige, was ihnen von derselben bekannt ist, ist die Zeit, zu welcher alle unsere Hauptfeste gefeiert werden und an diesen enthalten sie sich strenge aller Arbeit. Ein Verbot der Regierung untersagt ihnen den Besitz irgendwelcher öffentlicher Andachtsstätte. Wenige unter ihnen besassen zu jener Zeit ein oder zwei Gebetbücher in russischer Uebersetzung, welche erst kurze Zeit vorher in ihren Besitz gelangt waren. Nicht lange vorher hatten sie auch ein oder zwei Arka Kanfos erhalten, welche wechselweise von allen männlichen Gliedern der Gemeinde benutzt wurden. Fleisch essen sie nie, und zwar aus dem einfachen Grunde, weil sie nicht wissen, wie dasselbe nach jüdischer Vorschrift zubereitet werden muss. Ferner erzählte man mir, dass sie für die Pessachtage ihr Brod verschieden von der gewöhnlichen Art und Weise zubereiteten und sich mancher Genüsse enthielten, weil sie sich im Zweifel darüber befänden, ob dieselben durch das Religio nsgesetz erlaubt oder verboten seien. Sie befinden sich fortwährend unter strenger Aufsicht der Ortsbehörden, besonders seit den letzten Jahren, in welchen einige männliche Mitglieder ihrer Secte heimlich nach Polen auswanderten, um sich dort öffentlich als Juden zu j bekennen. Es war nun meine Absicht, diese guten! Leute am nächsten Tage noch einmal zu besuchen; i ich wurde jedoch bald gewahr, dass die Polizei mich j bemerkt hatte und mich argwöhnisch beobachtete. , Deshalb benutzte ich den Abend noch dazu, sie über die Feier der Feste zu belehren und einen von ihnen über die Tefillin, für den Fall er solche bekommen : sollte, zu unterrichten. Kurze Zeit nachher hatte ich j das Vergnügen, ihnen einige Päckchen Zizzis und! einige Paar Tefillin schicken zu können, desgleichen j einige Bibelexemplare und Gebetbücher in russischer i Uebersetzung. j Schliesslich möchte ich noch bemerken, dass jeder Versuch, ihnen geistige oder materielle Unterstützung angedeihen lassen zu wollen, vergeblich sein würde, weil die äusserst grausamen Massregeln, welche man jederzeit gegen «ie in Anwendung bringt, um ihr Thun und Treiben zu bewachen, jeden Erfolg unmöglich erscheinen lassen. *) Nach ilem ,,Jcwish Chronicle‘ von L. Cohen.

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