Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 15-16. (12.4.1889)
- Date
- 1889-04-12
- Page
- Seite 63 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der ersten Nummer schickt Herr G. einige Bemerkungen über das Leben des Verfassers voran, nebst dem Wortlaute einer Denkschrift, welche Mose Narol selbst ausgearbeitet und welche eine Episode aus seinem Aufenthalt in Metz verewigt, ferner die Grabschrift der Frau Moses, weche nach seinem Tode sich wieder verheirathet hatte; von dem Bittgebete selbst, welches auf die Verfolgung vom Jahre 1648 hinweist, trägt die erste Hälfte, welche im Akrostischon den Namen des Verfassers enthält, sprachlich mehr biblisches Gepräge, die zweite mehr talmudisohes. Von dem Commentar zu der בקשה, den Mose Narol selbst verfasst hat, giebt der Herausgeber am Ende des Heftes einige Stellen. No 2 beginnt mit einigen biographischen Notizen über Scheftel Hurwitz, den Sohn des bekannten Verfassers der שני דוחות הברית und bringt seine Grabschrift. Das darauf folgende Bussgebet weist im Akrostischon den vollen Namen des Verfassers auf: שבתי בן מהרר ישעיה רלוי הורויץ und giebt der Trauer über die Verfolgung Cbmielnicki’s Ausdruck. Der Stil ist ziemlich massvoll gehalten. No. 3 enthält ein Seelengebet von demselben Verfasser für die Märtyrer von 1648 in Nemirow, Polen und Lemberg. Mit weniger Geschick handhabt R. Mordechai ben Naftali Hirsch aus Kremsier unsere heilige Sprache in der in No. 3 enthaltenen קינה über die Märtyrer des verhängnissvollen Jahres ת״ח und auch sein Commentar dazu scheint nicht von grosser Bedeutung zu sein. Allerdings dürfte die Handschrift, welche der Herausgeber benutzt hat, nicht von correcter Beschaffenheit gewesen sein. In einer Anmerkung lesen wir einiges Wissenswerthe über das Leben des Verfassers. — Die interessanteste Parthie des ganzen Heftes bietet die 5. Nummer. Mit Recht hebt der Herausgeber in der Vorbemerkung hervor, dass wir so wenig über die Verfolgung von 1768 unterrichtet sind und die Gründe, die er dafür angiebt, sind wohl anzunehmen. Es wird deshalb der Brief eines Zeitgenossen, welcher die Juden bittet, ihren durch die schwere Verfolgung verarmten und arg decimirten Brüdern in der Ukraine zu helfen, in um so höherem Masse unsere Aufmerksamkeit auf sich lenken, als er von einem Manne offenbar aus dem Volke geschrieben, ohne überschwengliehen Stil all die Gräuel jenes Unglücksjahres in schlichten Worten schildert. Besonders interessant ist die darin mitgetheilte Nachricht, dass ein alter Gelehrter beim Ausbruch der Verfolgung auf das Unglück vor 120 Jahren hinwies und die Leute ermahnte, ihr ganzes Vermögen fliehend zurückzulassen, da dieses durch Bedrückung und Aussaugung der Kosaken bis vor 120 Jahren erworben wäre. Gott hätte, um sie zu prüfen, wie bei der Sinttiut 120 Jahre gewartet, jetzt aber werde sein gerechter Zorn alle vertilgen, die an jenem unredlich erworbenen Gute noch festhielten. — Diese Nachricht erscheint mir auch nach der damaligen Zeitströmung nicht unbegründet zu sein und es fehlen nur andere Quellen, um ihre Glaubwürdigkeit unwiderleglich darzuthun; vielleicht glückt es dem rührigen Herausgeber dieser Hefte, uns solche zu erschliessen. — Iiu Uebrigen habe ich zu diesem Hefte nur noch Folgendes zu bemerken: Auf S. 15 ist die Textverbesserung von שינים in פונים überflüssig geworden durch die Bemerkung darüber im Nachtrage. Aber selbst im andern Falle brauchte der Herausgeber die Form פונים nicht durch den Reim zu entschuldigen (s. Anm,), denn als Subject dafür kann ganz gut das vorangehende "א. als Object aber נינו"‘ gelten. — Ferner ist wohl auf der folgenden Seite (drittletzte Reihe) anstatt למטרה', im Anschluss au das talmudische שקל וטרי, besser ולמטרי zu lesen, auf Seite 26 (Zeile 6) statt תעלזי dem Inhalte entsprechend יעלזו, und auf derselben Seite unten statt des unverstündlichen ונהענו nichts Anderes als:ונתהימנו —) ונק^סנו vergl. die Form ונכ6ר>• — Zum Schluss können wir dem Herausgeber unsere Anerkennung für diese Veröffentlichungen nioht versagen und nur den Wunsch aussprechen, recht bald wieder ein Erzeugniss seines Schaffens zu Gesicht zu bekommen. Rabb. Dr. L oevy-Göttingen. Gebete für Israeliten von Prof. Dr. A. A. Wolff in Kopenhagen. Dritte verbesserte Auflage. Frankfurt a. M. J. Kaufmann. 1889. 151 S. Die meisten jüdischen Erbauungsbücher sind nicht von denen geschrieben, die durch Kraft und Klarheit des Geistes und Tiefe des Gemüthes dazu berufen sind, sondern es ist die rein geschäftsmässige Arbeit unberufener Männer und Frauen, die um mit Platen zu sprechen, die Bücher geschmiert haben, wie man Stiefel schmiert. Für die Erbauung aber, wo die heilige Weihe des Gotteshauses, die Gemeinsamkeit der Andacht mit vielen Gleichgestimmten fehlt, um uns aus dem Bann der Alltäglichkeit zu reissen, müssten gerade die Tüchtigsten schreiben, dass durch Tiefe und Fülle des Gehalts das Gebet die erlösende Wirkung erziele, zu der im Tempel der Gesaug, die Gemeinschaft der Gläubigen, die Heiligkeit des Ortes soviel beiträgt. Solch einer der Tüchtigsten redet in dem oben angezeigten Buche zum ״Hause Israel“, zu den Frauen. Prof. Wolff, hochbegnadet von Gott durch hohes Alter, durch das reichste Familieuglück und segensvolle Berufsarbeit, hat seine glänzende Begabung, Religion in warmen, innigen Worten zu künden, in den Dienst der häusliehen Andacht gestellt; es ist die edelste Huldigung, die er den jüdischen Frauen widmet. Mögen diese die schöne Gabe freundlich aufnehmen uud möge dies Buch für Viele zum Segen werden! Einen Wunsch hätten wir hierbei auszusprechen, der aber mehr dem Verleger, als dem Verfasser gilt; dieser besteht darin, eine Ausgabe — mit Hinweglassung der Gebete S. 82—89 — für Ju ngfrauen zu veranstalten; es wäre dann das passendste Geschenk für Contirmanden. Antisemitischer Katechismus und Antisemitischer Kalender. — Diese Bücher können einen Juden recht stolz machen; was wären wir Juden für ein gewaltiges Volk, wenn wirklich das öffentliche Leben sich überall um die Frage drehen möchte: Bist du für oder gegen die Juden. Dabei gehören die Herren Judenfresser genau genommen zu den Wiederkäuern, denn sie wiederholen allüberall dieselben Sprüchlein, die einige bedeutende uud sehr viele unbedeutende Schriftsteller gegen die Juden gelegentlich vorgebracht haben; oft sind dieStellen auch aus dem Zusammenhang gerissen. Wir notiren die Existenz derartiger Unternehmungen, um zu zeigen, wie rührig unsere Gegner sind; jedem Unternehmen, das nicht dem Antisemitismus sich verschreibt, wird etwas angeliängt; der deutsche ״Schulvereiu“ wird, weil er die Juden nicht ausschliesst, zum deutschen ״Schrnulverein." Die Büchlein machen den Eiudruck kompletten Wahnsinns; leider werden diese Tollhäusler trotz ihrer Gemeingefährlichkeit nicht eiugesperrt. MJhlhausea. (Eisass.) Jlerr Rabbiner l)r. Eriedländer beabsichtigt, die ״Tosofta" mit einem Commentar herauszugeben. Er ist im Besitze eines alten Pergament.inauuscripts über dieses Werk und über 86 verschiedene Partien des ״Alfasi“, in welchem die ״Tosetta“ mit Anmerkungen spanischer Rabbiner enthalten ist. Die erste Abtheilung wird bald die i Presse verlassen. -- Herr Rabbiner Dr. Schwarz, in Carlsruho ist mit einem ähnlichen Unternehmen beschättigt