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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-02-28 · N° 9. (28.2.1889) · p. Seite 35

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 9. (28.2.1889)
Date
1889-02-28
Page
Seite 35 (sequence 3)
Language
German
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complicirten chronologischen Problems heranzutreten, wenn nicht diese Lösung der eigentliche Haupt* zweck seiner Arbeit ist und er durch das "Vertrauen auf die Zuverlässigkeit seiner Autorität sich dieser Mühe überhohen glaubt? Wie aber in der Regel auch der fertigste Rechenschüler eine Gewissheit über die Richtigkeit des von ihm selbst gefundenen Resultats erst durch Vergleich mit dem Facitbüchlein erhält, so controlirt ein chronologisches Fachbuch das Ergebniss des chronologischen Theils der Schrii'tstellerarbeit und sollte ein solches daher anf dem Arbeitstische eines Gelehrten niemals fehlen. Wie unzuverlässig aber oft die Zeitangaben in Handschriften sich erweisen, möge folgendes Beispiel illustriren: Vor mir hegt ein in klassischem Hebräisch geschriebener Kaufakt über eine!ספר תורד, welcher in ausgeschriebenen Worten folgendes Datum enthält: בע ני בשבת שמנה ימים לחרש אדר שני שנת חמשת אלפים וארבע מאות ועשרים ושבע לב־־ע. Um mich von der Riehtigkeit des Datums resp. von der Uebereinstimmung des Wochentages mit dem Monatsdatum zu überzeugen, verglich ich dasselbe mit meinem 1000jährigen מפתח לקבוע עתים (Mauuscript) und fand sofort, dass das Jahr 5427 keinen Adar II. hatte und der 8. Adar dieses Jahres auf einen Freitag fiel. Da mir die Nachkommen der einen der contrahirenden Parteien, welche in Crefeld (Rgbz. Düsseldorf) wohnen und von deren einer der letzte Enkel vor 4 Jahren starb, bekannt waren, schien mir beim ersten Ueberblicke das Datum des Schriftstücks um mehr als 100 Jahre zu alt. Und richtig! Bei näherer Vergleichuug überzeugte ich mich sofort von der Richtigkeit meiner Vermuthung. Mein מפתח ergab, dass 100 Jahre später, also im Jahre 5527 m. d. F. הש״ג der 8. Adar II. auf einen Montag fiel. (Dieses Ergebniss war aber das Resultat einer Arbeit, die höchstens 1/4 Minute Zeit in Anspruch nahm.) Das Jahr 5527 musste also nothwendig das richtige sein, wenn ich nicht auch in die Richtigkeit der Zehner und Einer der Jahreszahl Zweifel setzen wollte. Der Schreiber des Contractes, der allem Anscheine nach ein Gelehrter gewesen sein muss, hatte sich nur um die Kleinigkeit von 100 Jahren verschrieben. Um nun aber ganz sicher zu sein, dass der Irrthum auch nur in der Verwechselung der Zahlen וארבע mit וחמש und nicht in einem andern Bestandtheil des Datums seinen Grund hatte, erkundigte ich mich nachträglich noch bei dem nächsten Verwandten der Verstorbenen in Crefeld, einem Greise von über 80 Jahren und erfuhr zu meiner Freude, dass der Act nach den Famihenregistern der beiden Parteien nicht früher als gegen das Jahr 5527 ausgefertigt worden sein konnte. — Was würde aber die Folge gewesen sein, wenn etwa über früh oder spät ein dereinstiger Schreiber der ״Geschichte der Juden in Crefeld“ auf Grund dieses Schriftstückes bei Anführung der Namen einer der hervorragendsten jüdischen Familien sich auf ein Datum berufen haben würde, אשר לא היה ולא נברא? Es ist nämlich ungewiss, ob die betreffenden Familien nicht erst lange nach 5427 nach Crefeld gekommen sind. Auf diese Weise wachsen chronologische Schnitzer aus den Handschriften heraus. Receasionezx. 0 ביעור מים הזיז. H. Schorr’s talmudisohe Exegesen auf ihren wissenschaftlichen Gehalt kritisch untersucht und beleuchtet von Mayer Kohn Bistritz. Pressbnrg 1888. Verlag des Verfassers. XXXII. 240 S. Besprochen von Distriktsrabbiner Dr, Cohn-Burgkunstadt. Dem Kenner der grieohisohen Sprache ist es niemals zweifelhaft gewesen, dass SohorPs Heranziehung und Verwerthung des Griechischen zar Erklärang von Aussprüchen unserer Weisen in Talmud and Midrasch zum grössten Theile werthlos, ja geradeza lächerlich ist. Eine eingehende Ch&rakterisirung seiner Leistungen auf diesem Gebiete, eine Widerlegung seiner sonderbaren Einfalle, dafür war kein dringendes Bedürfniss vorhanden, und wenn der als gewandter Hebraist bekannte Verfasser trotzdem aus wissenschaftlichem Antrieb und aus Mitleid für diejenigen, welche sich durch Schorr’s Leistungen bethören liessen oder lassen könnten, diese polemische Arbeit unternommen hat, so war er sich vollkommen dessen bewusst, dass er eine sehr unsaubere Arbeit in die Hand genommen, und treffend nennt er sie ״ein Hinwegräumen griechischen Schmatzes.“ Für die Leser seines Buches wäre es jedoch ein sehr anerquickliches und langweiliges Schauspiel gewesen, wenn er bei jeder der 450 Stellen, die hier besprochen sind, die Unzulässigkeit und Verkehrtheit der Schonsehen Deutungsmanier umständlich rachgewiesen hätte. Glücklicherweise ist aber der Verfasser, wie er S. 4 Anm. aufrichtig gesteht, ebensowenig wie Sohorr ein gründlicher Kenner des Griechischen und geht daher mehr positiv als negativ za Werke. Er konnte schon aas Mangel an den erforderliohen Sprachkenntnissen nicht im vollen Umfange das leisten, was uns der oben angeführte deutsche Titel der Schrift verheisst. Er begnügt sich einfach damit, Schorr’s Erklärungen aggadischer Stellen auf Grand der von ihm in den Bibelversen gefundenen Anklänge an griechisohe Wörter unverkürzt aus dessen He-chaluz wieder abzadrnoken und unmittelbar daran — seinem Prinoip zufolge, dass wir nur in den seltensten Fällen es nöthig haben, za dem griechischen Lexikon unsere Zaflnoht za nehmen — seine eigene Ansicht über die betreffenden Stellen za schliessen, wie sie sich ihm durch Vertiefung in den Geist der hebräischen Sprache, der h. Schrift und der Aggada ergeben hat. Und diese Methode des Verfassers, die Aussprüohe unserer Weisen im jüdisohen Geiste (ברוח היהודית) za erklären, ist gewiss unanfechtbar; denn fast überall, wo eine Aggada aas der lautlichen Uebereinstimmang des biblischen Textwortes mit einem griechischen Worte geflossen ist, haben sie das ausdrücklich bemerkt: לשק ימי הוא זה oder שכן בכרכי הים קורק. _ Trotz der richtigen Methode ist es jedooh dem Verf. keineswegs gelangen, überall die richtige Erklärang zu geben. Da es sich zumeist am herrliohe Midraschworte handelt, denen sicherlich alle Leser des ״Litteraturblatte8“ ein lebhaftes Interesse entgegenbringen, so möge es mir gestattet sein, einmal die einer Reoension gezogenen Grenzen za überschreiten and eine Anzahl jener Stellen za erläutern, die auch der Verf missverstanden hat. Dass sie von Commentatoren und tüchtigen Midraschkennern missverstanden wurden, beweist ja zar Genüge, dass meine Arbeit keine überflüssige ist. 1. Die letzte Mischna in Sota cap. V. tradiert, dass R Jochanan b. Saccai der Ansicht war, Job’s Frömmigkeit sei nicht das Erzeugniss der Gottesliebe und der kindlichen Hingebung gewesen, sondern er habe aus Furcht vor Strafe Gott gedient; denn so heisst es Job. 1,1: er fürchtete Gott und (darum) hielt er sich von Bösem fern. Dagegen behauptet R. Josua b. Hyrkanos, dass er aas inniger Liebe za Gott fromm war; denn so sagt er selbst: Selbst wenn mir das Schlimmste widerführe, selbst ״wenn Er mich tödten wollte, würde ich Ihm vertrauen“ (13,15). Wenn also die härteste Züchtigung seine Gottestreue nicht erschüttern konnte, so konnte nioht Furcht vor jener die Ursache dieser sein. Allein der Beweis aus diesem

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