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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-02-28 · N° 9. (28.2.1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 9. (28.2.1889)
Date
1889-02-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JfJL Jüdisches Litteratur-Blatt. Hir Beleicktiag aller Ji^satkia ud Ja4e■ ketreffeadea litterarieehea Cr- •fheiaaafea aaf deai Gektate der Philotopfci«, Oeerhlchte, Ethnographie, Theo- •fl«, Orientalin« Extfwe, HevlIetU. Lltargik a. PKdagoirU. Hera usg eg eben von Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. f!fOLa<}d<1{>u.ty, 28. We&twxz 1S89 Bleher dereiakchlififea Lilteratnr,weleh der BedaeUoe caaeeaadt werdea, fladea la dleseai Blatte eiageheade Beepraehoag Bel Klaaeadaa« vom swei Beeeaslea•• fixe» pUren v^gl elaaiallge karxe (•ratla-laaertlea. Dm pfJttdlsch® Litt6r4t*r-BIatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (io Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der ,Israelitischen Wocheuschritt“, die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark zahlen, erbalten das ״Jüdische Litteiatur-Blatt* gratis. — Inserate werden mit 86 Pf. ttir die gespaltene Petitzeile, Beilagen3mit 20 Hark! berechnet und sind au die Expedition dieses Blattes zu senden Buohhftndler n. Lehrer, weiche Jirect oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 V Rabatt. -- > Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Die Zeitschrift für Geschichte der Juden in Deutschland. — Ueber ״Freidanks Bescheidenheit“. Von Dr, S Gelbhaus. (Fortsetzung.) — Zur Chronologie. Von 1. Cohen in Rees a. Rh. Litteraturbericht: Recension: 0ביעור טיט ך,יק.II.Schorr’s talmudische Exegesen auf ihren wissenschaftlichen Gehalt kritisch untersucht und beleuchtet von Meüer Kohn liist ritz. Berichtigung. — Inserate.' Unbefugter Nachdruck aus diesem Blatte ist nicht gestattet. Die Zeitschrift für Geschichte der Juden in Deutschland. Das uns vorliegende 1. Heft des IV. Bandes der von Prof. Dr. L. Geiger herausgegebenen Zeitschrift, bietet Vieles aber nicht viel, eine Masse von Notizen, deren Kenntnis» nichts erhellt und nichts erklärt. Wir heben einen Aufsatz heraus, der den Titel führt: ״Die Erziehung der Juden in der Provinz Posen durch das Elementarschulwesen, nach archivalischeu Quellen von H. Warschauer“. Der Verfasser schildert in epischer Breite die Haltung der preussischen Regierung gegenüber den Juden in den früher polnischen Landestheilen besonders in Fragen des Schulunterrichts. Die erste Theilung Polens fand bekanntlich im Jahre 1772 statt, Friedrich II. war gegen seine neuen jüdischen Unterthanbn so unliebenswürdig wie gegen die alten; gegen Ende des Jahrhunderts bekundeten die Beamten hin und wieder humane Regungen, die Kultur der Juden zu heben; die Vorschläge hatten zuweilen einen komischen Beigeschmack; so wollte der Landrath von Meseritz, man solle nur den Leuteu das Heirathen erlaubeu, die Deutsch schreiben und lesen können. In der Hauptsache blieb Alles beim Alten. Erst nachdem im Jahre 1810 die lange Friedeuszeit begann, hob sich das Schulwesen unter den Juden und zwar wesentlich durch die Energie der Judeu selbst. Die Regierung hat nicht viel ausgerichtet, wo ihr der Geist der jüdischen Bevölkerung nicht zu Hilfe kam; trotz der ungeheuren Schuldenlast hat die Gemeinde Lissa eine öffentliche jüdische Schule errichtet, Pose n hatte, wie keine Gemeindesynagoge, auch keine Schule; der Verf. exemplificirt die Zustände au den Gemeinden Schwerin und Birnbaum. Es ist bedauerlich, dass er, trotzdem er seinem Thema einige und dreissig Seiten widmet, nur aus den staatlichen Archiven geschöpft hat, und nicht auch die Akten der Gemeinden und die für einen grossen Theil des vou ihm behaudelten Zeitraums noch lebendige Tradition zu Käthe gezogen bat. Der Verf. lebt ja in Posen, wo es ihm leicht war, beglaubigte Kunde über die Juden der Provinz Pose!) auch ausserhalb der Regierungs-Archive zu gewinnen. Die Gemeinde zu Schwerin war reich, ein lebhaftes kaufmännisches Treiben fluthete durch die Stadt, hunderte von Firmen, die jetzt in Berlin und Stettin blüheD, haben ihren Ursprung in Schwerin; darum ist dort ein reges Streben für allgemeine B11düng, während das Talmudstudium brach lag. Der Verf. erzählt, dass im Jahre 18dl dort drei jüdische Haus- Väter zu Schulvorstehern gewählt wurden und fügt hinzu: ״charucteristisch6r Weise war der Rabbiner nicht unter diesen“. Der Verf. will offenbar damit den Rabbiner dieses Ortes als bildungsfeindlich characterisiren. Ganz so schlimm muss freilich diese Bilduugsfeindschaft nicht gewesen sein. Denn die Söhne desselben haben sich neben den jüdischen auch allgemein wissenschaftlichen Studien gewidmet; der eine ist als Seiniuardirector iu Breslau, der andere als Rabbiner in Hirschberg gestorben und der dritte ist der Rabbiner aus Breslau, der Präsident des deutschen Rabbiuerverbandes, dem man es auch nicht auiaerkt, dass der Vater ein Feind der Elementarschuleu gewesen ist. Vielleicht ist es für den Maun eher characterist.isch, dass er aus dem talmudfreuudliehen aber schuleufeindlichen Birnbaum nach Schwerin gegangen ist. Hunderte hätten in Posen Herrn Warschauer Bescheid gegeben, wenn er sich über das innere Leben dieser Gemeinden hätte aufklären wollen. So ist, das Bild, das Herr W. eur.wirft, doch nur ein einseitiges. — Es war auch nicht immer nur böser Wille uud orthodoxe Verstocktheit, wenn die Frommen deu Schulen feindselig waren; die Schulmeister haben nicht selten die Schuleu diskreditirt, einige derselben standen iu Verdacht, die politischeu Spione der Regierung zu sein, nicht wenige waren mitten iu einer religiösen Bevölkerung radikal iu Wort und That. Es ist auch gar nicht richtig, dass vor vierzig, fünfzig Jahren das Handwerk iu diesen alten jüdischen Gemeinden weniger gepflegt worden ist, als heut zu Tage; es gab grosse Innungen der Kürschner, der Schneider, natürlich auch der Fleischer, und sehr viele ernährten sich, in den verschiedensten Berutszweigen, von ihrer Hände Arbeit. Es ist zu bezweifeln, ob trotz all der pomphaften Vereine und vieler sehr wohlgemeiuteu Stiftungen sich heute im Osten ein grösserer Procentsatz der Juden als früher dem Handwerk zu wendet. Herr Warschauer hat die Archive Üeissig ausgeschrieben und demjenigen vorgearbeitet, der auf der Basis eines reichem uud vielseitigem Materials das Tnema des Herrn Warschauer bearbeiten will.

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