Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-02-07 · N° 6. (7.2.1889) · p. Seite 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 6. (7.2.1889)
Date
1889-02-07
Page
Seite 23 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/6492408-5990870-5991255--1643-5368587
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

etwfc seine Welt der Thoren halber zerstören?“ (Aboda sara 54.) S. 15 fügen JBeszenberger and S&ndvoss zwischen 26 und 27 folgenden Spruch ein: 3g Gotes wort sint sae'eclich; der 8i treit in einem buterich den buterich sul man eren baz, d&n ein edel guldin vaz. Diese Verse finden sich nur in den Handschriften G H. Bezzenberg bemerkt hierzu: ״Könne nicht als echt betrachtet werden, eine nicht schöne Variante und Erweiterung des vorigen Spruchs“. Unserer Ansicht nach drückt dieser Spruch ganz was anderes als der vorige (Wir sollen den Priestern Ehre erweisen. Wir können die Hilfe der Pfaffen nicht entbehren, sowie wir die Himmrsspeise begehren) aus. In ihm lehrt der Dichter die Weisheit hochzuhalten, auch wenn sie in einem gemeinen Gefässe dargereicht wird, denn das unschöne Geräth ist für die Lehre ein besserer Behälter als ein goldenes kostbares Gefass. Dieser Gedanke erinnert aber an folgende talmodische Erzählung:אמרה לי־ ברתיה דקיסר־ לד־ יהושע חנניה» אי חכמה מפוארה בכלי מכוער. אמר לה אביך p רמי חמרא במאני דפחרא אמרה ליה אלא במאי נרמי אמד לה אתה דחשביתו רמי במאני דהבא וכספא אזלא ואמרה ״ ליה לאבוה רמייא לחמרא במגי דהבא וכספא ותקיף.Es sprach die Tochter des {Kaisers za R. Josua ben Chananja: Welch׳ herrliche Weisheit, in einen 8010h hässlichen Gefässe! (eine Andeutung auf seine anschöne Körpergestalt.) Darauf erwiderte er: ״Dein Vater bewahrt doch den Wein in irdenen Gefässen. Worin 8011 man ihn denn aufbewahren?“ lautete die Gegenfrage: ״Ihr, die ihr doch so hochgestellt seid, könntet ihn doch in goldene und silberne Geräthe thun. Darauf ging die Kaisertochter hin und sagte es ihrem Vater. Man that den Wein in goldene und silberne Gefässe und er wurde sauer. (Taanit p. 7.) In dieser Auffassung erschienen uns die obigen Strophen ganz Freidanks würdig und es ist kein Grund vorhanden, an der Echtheit derselben zu zweifeln. — 37. 16, 12. 13. Si suln ein ander bi gestän ze rehte, daz ist wol getän. Auch im Talmud wird (Sabbat 34) es als löblich hingestellt, dass die Lehrer der Religion einander beistehen sollen: זונות מפרכסות זו את זו תלמיד־ חכמים לא כל שק. »Wenn niedrige Personen das thun, um wie viel mehr sind die Jünger der Weisen einander zu helfen verpflichtet.“ 38. 16,24—17,1 Got der schephet alle zit niuwe sei, dier giuzet nnde git in menschen, da si wirt verlom. Die mystische Vorstellung vom Entstehen der Seele, die Gott erschafft und in die Leiber der Mensehen thut, findet sich ebenfalls im Talmud (Chagigal2) ערבות שבו נשמתן של צדיקים ורוחות ונשמות שעת ידלהבראות ״In den Arabot, da sind die Seelen der Gerechten und die Geister und Seelen, die Gott einst erschaffen wird. — 39. 1/, 13—20. Si jehent ez 8i der sele leit swa si derl 1p ze Bänden treit waer diu sele an schulde si verlür uiht gotes hulde diu sele ist zallen stunden zem libe 85 gebunden daz si müezen haben püiht swas gnots und übles in geschiht. Der in diesen Strophen ausgedrüokte Gedankengang erinnert an die folgende talmndisohe Behandlung desselben Themas: ״Es sprach Antoninus zu Rabbi. Der Körper und die Seele könnten beim Gericht ungestraft ausgehen. Der Körper könnte sagen, die Seele habe gesündigt, denn seit dem sie von mir schied, liege ich da wie ein Steinklumpen. Die Seele könnte sagen, der Körper habe gesündigt, denn seit- I dem ioh von ihm sohied, da fliege ieh in der Luft | wie ein Vogel umher. Darauf erwiderte Rabbi: loh | will dir ein Beispiel geben: Ein irdischer König hatte einen schönen Garten, in welohem herrliche Feigen auf den Bäumen wuchsen. Da setzte er in den Garten zwei Hüter, einen Lahmen und einen Blinden. Da spraoh der Lahme zum Blinden: ich bemerke herrliche Feigen im Garten, komm und hebe mich auf dich, wir wollen dieselben holen und essen. Da stieg der Lahme auf den Blinden und sie holten sie und assen sie. Naoh einiger Zeit kam der Garten- J besitzer und sprach zu ihnen, wohin sind denn die 1 schönen Feigen gerathen? Da sagte der Lahme : habe ich denn Füsse um gehen zu können, und der Blinde spraoh: habe ioh denn Augen um sehen zu können? Was that der Gartenbesitzer? Er lieas den Lahmen auf den Blinden steigen und beurtheilte beide als eine Person. So nimmt Gott die Seele, wirft sie in den Körper und benrtheilt beide als eine Person.“ (Synhedrin 81 b.) (Fortsetzung folgt.) Bemerkungen zu Giidemann’s Geschichte j des Erziehungswesens. Bd• III. Von Rabb. Dr. Caro-Pilsen. Der gelehrte Verfasser bietet in seinem jüngsten Werke eine erschöpfende Darstellung der Gultur und des socialen Lebens des Juden in Deutschland während des Mittelalters und ist in seinen Forschungen so gründlich zu Werke gegangen, dass nur wenige Aehren auf dem Felde seines Schaffens zurückgeblieben sind. Sie aufzulesen ist der Zweck nachfolgender Bemerkungen, die in bunter Reihe während der Lektüre des fesselnden Buches gemacht worden sind. 1. S. 13 wird mit Bezog auf Weil (Dinim 65) von einem ״Minhag Erfurt“ gesprochen. Von der Erwähnung des Gebrauches geflochtener Wachskerzen als Uhanukkalichter ist man nicht berechtigt, auf einen Minhag Erfurt zu schliessen, das ist höchstens ein Minhag in Erfurt. Vielmehr bestätigt Weü, dass Erfurt dem ״Minhag Sachsen“ angehört, der von Menachem Merseburg testgesetzt war. Hingegen hat Erfurt einen besonderen Fasttag am Rosch-Modesch Nissan. (Weil, Dinim 41.) 2. S. 18. Bei der Erwähnung der Söhne des Jacob Möllin hat Verf. das Rechtsgutachten Weils No. 47—51 übersehen. Dasselbe ist an einen מהררי מולין gerichtet, den Weil No. 51 ausdrücklich als den Sohn seines grossen Lehrers bezeichnet: שמעתי ממורי בר ישראל אביי־ מהרי נ״ע (Ed. Hanau), es muss also dieser Sohn Isak, Juda, Josef oder Israel geheissen haben und der Zuname Möllin allen Kindern gemeinsam gewesen sein. Dass Möllin aber auch ein Vorname ist beweist Weil R. G. No. 97 wo ein Schächter ר* מולק heisst. 3. S. 109. Die geistreiche Erklärung der im Jargon gebräuchlichen Anhängesilben ״leben“, mag historisch richtig sein, im Volksbewusstsein aber entstammen sie der Euphemie שיחיה! die jedem Namen hinzugefügt wurde. Im Osten spricht man zum Vater ״Vaterleben“ und vom Väter: der Vater soll leben. 4. S. 108. Familiennamen, die nicht vom Geburtsort oder Wohnort herrühren, kommen allein bei Weil vor: Braune, Mona, Schrank, Weul, Sak, Zehner, Gans, Frank, Buzel, Juta, Börfen. 5. S. 18. Im Jahre 1418 war Maharil noch Rabbiner in Mainz. Der in Weil B. G. 140 abgedruckte Scheidebrief ist unter Maharils Vorsitz in Mainz ertheilt worden. So sagt Weil 23: וכן יש ביד־ טופס של גט שנתז הנאק מורי מהרר־י מולק דל וכתב בו שנס כינוי א־־אכי המגרש ודל אנא עקב המכונה עקל בן שמואל המכונה בישוף!vergleiche das erwähnt* Schema des Scheidebrietes.) 6. S. 120. In Polen wird am Sabbat vor einer Hochzeit im Hause der Braut oder des Bräutigams nach dem Gottesdienste ein Mahl abgehalten, welches man ״das Vorspiel“ nennt. Wir haben diese Bezeichnung immer als Vorspiel vor der eigentliehen Hochzeit aut gefasst. 7. s. 216. ״ ואל תסמוך הקערה בפתstütze die Schüssel nicht mit Brod“, so verstehe ich, sagt der Verf. Es ist aber auch gar nicht anders zu ▼erstehen, da diese Anstandsregel bereits in Masechet Derech Erez rabba Cap. IX gegeben ist. Bei dieser Gelegenheit sei auf eine Stelle in Derech Eres suta Cap. VI aufmerksam gemacht, die nur nach einer Emendation

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.