Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 6. (7.2.1889)
- Date
- 1889-02-07
- Page
- Seite 22 (sequence 2)
- Language
- German
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— 22 in Oesterreich nehme Brant, der dooh nar im Westen Deutschlands, in Basel and Strassburg, gelebt hat, Beäug. Güdemann selbst ironisirt sioh mit der Bemerkung, es wäre das erstemal in der Geschichte, dass die Rabbiner Mode gemacht hätten. Pro! Kaufmann aus Budapest liest in Ostende zur schönen Sommerzeit diese Untersuchung in dem Giidemann’schen Buche und flugs schreibt er am :'3. Juli einen Aufsatz unter dem Titel ״Die Talismode“ and schickt ihn an die Revue des etudes juives. Die ״Zizzis“ sind gemeint mit der ״jüdischen Sitte“, wie die Zizzis von Talis, hängenMdie Fransen von den Klei• dem; dass die Deutschen damals die Synagoge häufig besuchten, folgert Kaufman aus der Redensart: es geht zu wie in der Judenschul, und er beruft sich hierbei aut Güdemann, aber erstens ist Güdemann an der angeführten Stelle der Ansicht, dass die Redensart: es geht zu wie in der Judenschul, jungen Datums ist und nicht in’s fünfzehnte Jahrhundert hinaufreicht, denn damals sei es, wie uns Brant im Narrenschiff ersählt, auch in den Kirchen toll genug hergegangen, und sodann hat schon mancher den Satz von der Jadenschul citirt, der nicht weiss, wie es drinnen aussieht. Ferner ist offenbar der Vergleichungspunkt in den den Luxus und zuvörderst den weiblichen Luxus tadelnden Versen des Brant der jüdische Laxus, nicht ein heiliger unschuldiger Brauch. Da die bisherigen Erklärungen wohl kaum ihre Urheber befriedigen, so ist der Versuch erlaubt eine neue vorzubringen. Der Satz ״der jüdische Sitt will ganz ufstan“, bezieht sich sicherlich auf die ganze vorangegangene Schilderung Brants, wo auoh von den Ringen, Ketten und Haartrachten neben den gepatzten, verbrämten Röcken, Mänteln, Schuhen, Brusttüchern etc. die Rede ist. Da wäre es nun möglich bei dem im alten Testament so testen Brant an die berühmte Schilderung des jüdischen Frauenluxus im dritten Kapitel des Jesajas zu denken. Dort erwähnt der Prophet bekanntlich die Ohrgehänge, die Ketten and die Flore, die Kopfzeuge und die Schrittkettchen, die Ringe, die Ueberwürfe, die Mäntel, die Oberkleider and die Taschen, die Hemden, die Kopfbunde und die Sohleier und noch Vieles mehr. Wem diese Erklärung zu weit hergeholt ist, dem ergiebt sich eine einfachere daraus, dass damals wie heute die jüdischen Frauen in dem gewiss unverdienten Rufe standen, dass ihnen beim Putz das Ueberladene gefällt, dass sie sich gern mit recht vielem behängen, und Fransen and Pelzverbrämung und Fältchen nicht sparen. Sollte nicht heute noch manchmal, wenn eine Frau recht auffallend und überladen gekleidet ist, von unfreundlichem Munde das Urtheil kommen: die trägt sich wie eine Jüdin, und offenbar hat sich unser Geschmack durch das Einleben in die moderne Kultur verfeinert; die jüdischen Frauen von heute kleiden sich, wenn auch 80 reich, so doch nicht so reichlich wie vor Zeiten. Damals aber war gewiss unter unsern Glaubensgenossinnen der orientalische Geschmaok, der in Farben und Falten nicht sparsam ist, der massgebende und so ergäbe sich das Verständnis des Verses am leichtesten; die Neigung, meint Brant, der Jüdinnen überall Falten und Zierrat anzubringen will allgemein werden, und wenn diese Art der Verjudung gemeint ist, 80 ist kaum anzunehmen, dass eindringliche Verse etwas dagegen geholfen hätten. Uebeihaupt finden wir in vieler Hinsicht Wechselbeziehungen zwischen der jüdisohen und ohristliohen Bevölkerung, nicht nur solohe, die sich auf Weohsel beziehen. (Fortsetzung folgt.) Ueber ״Freidank’s Bescheidenheit“. Von Dr. S. Gelbhaus, Rabbiner za Nordhausen. (Fortsetzung.) In Grimm’s erster Ausgabe steht (von Seite 12, 13 bis S. 13, '2) ein Abschnitt, der sich nur in den Handschriften N O findet. Grimm hat ihn in der zweiten Edition weggelassen, indem er die Echtheit desselben deshalb bezweifelte, weil er in ihm Freidanks Geist und gedrängten Ausdruck vermisste. Bezzenberger hegt ebenfalls Zweifel, weil es auffailen muss, warum dieses Capital in den andern Hand- Schriften fehlt, da doch die Schreiber derselben keinen Grund hatten, es wegzulassen, wenn es sioh in ihrer Vorlage fand. Er und Sandvoss haben es aber dennoch in ihre Ausgaben mitaafgenommen. Uns erscheint die Echtheit desselben deshalb unsicher, weil in ihm keine Ankläuge an die biblische Litteratur vorhanden sind, welche sonst bei Freidank fast überall sich finden, ein Umstaud, der bei der Quellenforschung der Bescheidenheit zu beachten ist. — 34. 13, 23—14, 1. Ich weiz wol daz diu goteheit 30 hoch ist, tief, laue unde breit daz gedanc noch mundes wort mac gahten siner wunder ort. Eine Verwandtschaft mit diesem Gedankengauge zeigen folgende Sätze in Schir ha jiohud 3. אמנם ״ דעתי כי אתה אלוה יעקב כל יצרת.Wohl weiss ich, dass du, o Gott Jacobs, alles erschaffen hast. * למרחוק מי ישא דעו ללא תחלה :ולא סוף להגיע אגודים אהודים תוך וסוף וראש פה ולב אכלום מדרוש ומחרוש גבה ועומק ״ נעוצים כסובב חכם לב ונכון לא ילבב.Wererhebt seinen Sinn nach der Ferne, um das Anfang- und Endlose zu erreichen. Gewunden und verwickelt ist die Mitte, der Ausgang und der Beginn, Mund und Herz will ich verschliessen nicht zu. forschen und zu grübeln. Höhe und Tiefe greifen wie in einem Kreisel in einander; kein Kluger und Verständiger kann das je begreifen. ״Man vergleiche auch Kether Malohuth. .״ אתה נמצא ולא ישינוך שמע אוזן ולא ראות עין כרDu bist vorhanden, und dich erreicht nicht das Hören des Ohres und das Sehen des Auges.“ אתה נ0צא וסודך ״ נעלם ומי ישיגנו עמוק עמוק מי ימצאנו.Du bist vorhanden aber dein Geheimniss ist verborgen, wer kann es ergründen? So tiefj 80 tie£ wer kann es finden.“ Bezzenberger wei6t auf Hiob 11, 8.9 hin. 3&. 14, 2—3. Der suimen schiu ist harte wit: ir liht si allen dingen git; desn hat si deste minre mht daz al diu werlt von ir gesiht dem wurm ist si gemeine unt blibet si doch reine diu sunne schint den tiuvel an unt scheidet si doch reine dan. Einen ähnlichen Gedanken enthalten die Worte in Kether Maichuth: אתה אור ועיני כל נפש זכה יראוך ״ וענני עננים מעיניה יעלימוך.Du bist das Licht und die Augen jeder lauteren Seele sehen dich, und nur die Wolken der Sünden verhüllen dich ihren Blicken.“ .״ ולא יחסר כבודך בנלל עובדי בלעדיךUnd nicht weniger wird deine Herrlichkeit durch die, die Andern dienen.“ Hierher gehört auch folgende talmudische Erzählung: שאלו פלוסופין את הזקנים ברומי אם אלהיכם אין רצונו בע״א מפני מה אינו מבטלה אמרו להם. אלו לדבר שאין מולם צורך לו היו עובדין הרי הוא מבטלה. הרי ת עובדין לחמה וללבנה ולכוכבים ולמזלות יאבד עולמו מפני השוטים. ״Es fragen die Philosophen die Gelehrten in Rom: Wenn euer Gott an der Verehrung der Götzen keinen Gefallen findet, warum zerstört •r dieselben nicht? Darauf erwiderten sie: Würde man etwas abgöttisch | verehren, welches die Weit nicht׳ nöthig hätte, so l würde er es zerstören: da man aber die Sonne, den j Mond, die Sterne und die Planeten verehrt, 8011 Gott