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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-01-31 · N° 5. (31.1.1889) · p. Seite 20

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 5. (31.1.1889)
Date
1889-01-31
Page
Seite 20 (sequence 4)
Language
German
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— 20 rissen, sich fern vom Ghetto in glänzenderen Lebens- Verhältnissen wiederfinden und wieder lieben, ob sie auoh darüber einem anderen Glüok, zn dem sie einander gefunden zu haben wähnen, entsagen müssen, eine Erzählung, die gewiss ein dankbares Lesepublicum finden wird. Da ist ferner ״Sulamith“ fast möchte ich sagen: ein Kabinetstück jüdischer Dichtung. Wie ergreifend und lebenswahr weiss unsere Verfasserin den Conflict der Lebensanschauungen des Ghetto’s mit dem freieren Zag üer Zeit in den beiden Figuren dieser Erzählung, dem Vater und der Grossmutter des Ghettomädchens, zu schildern. Wie fahlen wir das Zittern der Seele nach, wenn die Grossmutter ihr Enkelkind beim Scheiden beschwört, rein zu bleiben, denn ״bist du, spricht sie, rein geblieben, so bleibt dir die Heimath.“ Und wie weis3 sie lebendig den farohtbaren Kampf zu malen, den Sulamit, die gefeierte Sängerin der Residenz, die hohe Priesterin der Kunst — denn das ist das Ghetto-Mädohen geworden — kämpft zwischen Liebe und Pflicht, der Liebe zu dem verehrten Manne, von dem jedoch Geburt und Religion sie trennen, und der Treae gegen die götthohe Lehre, ihre erste Liebe. Verfasserin lässt die Religion als Siegerin aus diesem schwersten der Kämpfe hervorgehen, aber mir fehlt bei dieser Entsagung doch nicht der poetische Schimmer, indem die Dichterin die Gottestreue und die Liebe des Weibes eine wunderbare Verschmelzung eingehen lässt. Die Heldin stirbt; sie hat ihre Pflicht als echte Tochter Juda’s gethan, sie hat aber auch dem Manne, dem sie als Weib nicht angehören darf, liebende Erinnerung bis zum letzten Athemzuge bewahrt. Man muss das bei der Verfasserin selber lesen, um deu bestrickenden Zauber der ganzen Schilderung eines starken Mädchenherzens auf sich einwirken zu lassen. Und wie schön ist nioht auch, was sie über die Bedeutung einzelner Stücke der Liturgie sagt, wie z. B. über das Soh’ma (Seite 48): wie überzeugend, begeistert, erschollen von den jugendlichen Lippen jene Worte, die sich wie ein vother Faden durch alle Gebete ziehen, die die feste Säule, der Grundstein der Religion der Väter sind. S. 48. ״Höre Israel, loh, der Herr, dein Gott, bin ein einig einziger Gott." Wie gewinnt das alles Leben, indem die Heldin es an 8ioh durchlebt vor unsern Augen bis zu dem Augenblicke schmerzvollseliger Entsagung um dieses Wortes willen. Das ist ja auch das besondere und mehr als belletristische Interesse, das wir an solchen Erzählungen nehmen. Es darf darum dem Bache der J. O. wohl weite Verbreitung gewünscht werden. Bei dem hübschen Er- Zählertalent der jugendlichen Verfasserin, darf sich die jüdische Belletristik wohl nooh manch sinnige Gabe von ihr versprechen, und doppelt dankens werth wird es sein, wenn sie dieses Talent, wie in den beiden Erzählungen ,Erreicht“ und ״Was der Mond erzählt“, angefangen, in den Dienst unserer Jugendschrifton-Litteratur stellt, für welche, wie Jahrgang XVI d. Litt.-Bl. unter dieser Ueberscnrift dargethan, nooh so Vieles und Schönes za schreiben bleibt. T r e i t e 1 - Karlsruhe. Litterarische Notizen. London. Ein hebräischer Commentar zam T&rgnm über Jesajah von Herrn H. S. Lewis erscheint in den nächsten Tagen im ״Teabner’scheu“ Verlag. Derselbe erstreckt sich zunächst über die 5 ersten Capitel. London. Rev. Isidore Harris machte der ״Academie“ Mittheilung über den Hil lei 'sehen Codex, wechen man für verloren gehalten hatte. Er meint, dass ein Theil desselben, welcher eine Abschrift der ״ Hagiographen“ enthält, noch in der ״Tschufut-Kalö-Collection1־ za St. Petersburg sich befinden müsse. Diese soll im Jahre 994 von einem Moses, Sohn Hillel’s, geschrieben sein Dieses stimmt, abgesehen von der Jahreszahl, mit einer Angabe Z acuto’s 1m ״Juchasin“ überein Zacuto behauptet daselbst, dass er den Hillel’schen Codex gesehen, und dass derielbe diesen Namen habe, weil er von Moses, dem Sohne Hilleis, im Jahre 60J geschrieben wurde. Während Herr Harris dieses Datum als zu früh verwirft, hält er dafür. da*s Zacuto’s Meinung derjenigen vorzuziehen sei, welche den Namen von einer Stadt Hi 11a in der Nähe der Ruinen des alten Babylons ableiten und schlägt vor die Tschutut-Kalö-Hagiographen mit den bekannten Varianten des Hillelsehen Codex zu vergleichen, um die Identität der beiden Codices entweder teststellen oder mit Gründen widerlegen zu können. Litter&ische Anzeigen. fAngebote und Gesuche antiquarischer Bücher der jüdischen Litteratur von Rabbinern, Lehrern und Cultusbeamten werden zu ermässigtem Preise (die *gesp. Zeile ä 10 Pf. baar) aufgenommen. Wir heften« empfohlen: {tltM) Irr hiblifi^rn non Dr. M. Devin, Rabbiner in *Berlin. )weite nermeljrte u. oerbefferte Äuf $reiS ©H. 1.60. ittutaiü irr jübifdim $rf4i1t)tr nnb {ittniti non Dr. M. Devin, Rabbiner in Söerlin. )weite nermeljrte u. nerbefferte 9tu| jßreiS SR. « »0. [71 Bet ianttwrp tapel non Ukebiger Dr. L lm'örfer. s Weben. — ©reie ©ff. 1. SJerlag n. C. Beysen, Hamburg. Soeben erschien: Kafteiflog XIV. enthaltend 2700 No. werthroller Hrbraica und eine Anzahl seltener Jlannscripte. Interessenten steht derselbe gratis und franco za Diensten. Frankfurt a. M. J. KautTmann. Soeben erschien': [659 Ernste Antworten auf Prof. Delitz8ch’s ernste Frasren. Von S A Welssmann 9Jrri*75«f. Gh. Lippe’scheBuchhdlg. in Wien. 3n mtintm *Berlage etfdütn foebe n: <&ptud!ibnd) cntijaltenb btbltfdje Sprühe aud btm Äebrtbudie, georbuet nach *nt St* jäblungen ber bibliftfjen (iJefcfjicbte nebft einem 8lnbange von Dr. M. S. Zuckermandel 1 üuiius SfsreUl geb. 00 *Bf Slefjuf« Si jübrung ftetjen 9h1fii)t3־ Sjemplare gern ju 3>ienftcn. granffnrt a •©I [667 J. Kauftmann. 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Ute ®!pEöltton ö. #L 3 •*י־n jpartljien für ernten bebeutenbe Srmäßi gung (für 15: 1 9», für 50: 3 9»., für 100: 5 9».) כתבות (?eatsifö unb 1«ufW) * 25 ©f. (5 ©tücf für 1 9» ) [839 Verantwortlicher Redacteür Dr. Eahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig

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