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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1889-01-17 · N° 3. (17.1.1889) · p. Seite 12

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
18 (1889)
Issue
N° 3. (17.1.1889)
Date
1889-01-17
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
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12 — Er ist, das kennzeichnet den Jaden, ist Alles Thätigkeit, rastlose Unrahe. Wo er za lieben be• gönnen, hatte er auch za helfen angefangen “. Das ist 80 recht jüdische Liebe. Da sollst deinen Näohsten lieben wie dich selbot; gegen ans selbst aber verschwenden wir keine zärtlichen Redensarten, sondern wir wollen schlechtweg ans helfen, wenn es ans weh ist. Nicht anders sollen wir gegen den Näohsten sein, wir schenken ans die schönen Worte and begnügen ans mit der schönen That. So hat der Autor das Wesen des bessern Juden recht erkannt. ___ (Schluss tolgt.) Recensionen. Stickel, Dr. J. G. Das Hohelied. (Schluss.) Was aber, so werden wir gewiss uns fragen, hat den Dichter veranlasst, in die zusammenhängende Dar- Stellung des ersten Liebespaares noch dieses zweite, völlig selbstständige und auch nicht die geringste Beziehung zu den Personen des Hauptstückes verrathende Liebesgeschichte des Hirtenpaares einzuflechten? Es will uns doch ein solches Verfahren dem ersten Anscheine nach nicht nar unnütz, sondern sogar störend erscheinen, dafür jedoch giebt uns der Verf. eine völlig zufriedenstellende Erklärung. ״Drei Momente“, sagt er, ״waren dazu die Beweggründe des Dichters. Erstens sollte Wechsel in die Darstellung gebracht, zweitens sollten Pausen im Verlauf der Geschichte angedeutet und ausgefüllt, drittens Gegensätze gezeigt werden“. Verf. weist diese Behauptung im Einzelnen treffend nach, verweilt aber mit besonders feiner Beobachtungsgabe am meisten bei der Darlegung der Gegensätze. Die von Dramatikern meist äusserst wirkungsvoll angewandte Antithese gelangt auch im Hoh. Liede durch die Einschiebung des Hirtenpaares zur vollen Geltung und Wirkung und ist hier wohl geeignet die wirksamsten, sittlichen und heiteren Effecte hervorzuruf. n. Dieser Gegensatz besteht, kurzgefasst, hauptsächlich in Folgendem: Hier Sulamit, ein eingefangenes, streng bewachtes, von ihrem Geliebten getrenntes Mädchen — dort eine frei uxnherschweifende Hirtin, in vertrautem Umgänge mit ihrem Hirten. Hier Abweisung äalomo’s mit seiner WerbuLg um Sulamit — dort volle Harmonie zweier Liebenden und die Aussicht auf die baldige Vereinigung von Hirte und Hirtin. Hier kommt Salomo, als König und Bräutigam geschmückt, muss aber ohne Erfolg abziehen — dort ist die Hirtin schon die Braut ihres Geliebten und dieser berauscht sich in Liebeswonne. Hier der verschmähte König, dort der glückliche Hirt; hier das üppige, von Leidenschatten durchtränkte Hof leben, dort einfache glückliehe Naturzustände. ״Zu der ängstlichen Spannung in Sulamits Prüfung ist durch das Hirtenpaar Frohsinn und Lust hinzugethan, Licht zu dem Schatten, zur Dissonanz Harmonie.“ — So sehr es nun auch aus unseren bisherigen Worten deutlich geworden ist, dass wir mit der Haupt- und Grundauschauung des Verf.’s über das H. L. einverstanden sind, so können wir ihm dennoch in seiner Auffassung von Cap. VIII, V. 8 u. 9, j nicht folgen. Eutgegen der Ansicht Ewald'«, welcher j diese frünereu Worte der Brüder ihnen nun spottend | von Sulamit vorgehalten sein lässt, behauptet Verf.,! dass diese Ver.-e jetzt von den Brüdern selbst wiederj holt würden und begründet es damit, dass es scenisch; ungleich wirksamer wäre, wenn die Personen selbst ן sprachen, als wenn ein anderer ihre Worte erzählte. Das ist richtig. Aber um dieses vermeintlich grösseren Effectes willen dürfen wir doch unmöglich, trotz aller! Verautwörtlicher Redaceur L*r. .Rahmer, Magdeburg. Druck von gerühmten Phantasie der Orientalen, eben diese Phantasie geradezu auf den Kopf stellen, Personen, die soeben an der Handlang betheiligt waren, plötzlioh körperlich um mehrere Jahre jünger aaftreten za sehen. Das Gegentheil, dass sie während der Handlang älter werden and nachher plötzlich als solohe ans entgegentreten, ist wohl in jedem Drama natürlich, aber umgekehrt ist es geradezu unnatürlich und dieses kann doch den scenisohen Effect schwerlich erhöhen. Auch der Verf. selbst scheint an dieser Stelle die Schwäche seiner Beweismittel herauszufählen und, da er trotz seiner Vertrautheit mit der schönen Litteratar der Völker, für eine solohe halsbrechende Znmathung eines Dramendichters an unsere Phantasie weder aas alter, noch aus neuer Zeit, auch nur einen einzigen Beleg*) anführen kann, so kann es für ihn nnr ״eine Manie“ des Dichters sein, wofür er als Bsweis noch eine andere Stelle des Hoh. Liedes herbeizieht, von welcher er behauptet, dass der Dichter dort ein gleiches Verfahren bekundet hätte. Doch dieses ist durohaas unzutreffend, denn erstens ist es dort, Gap. VI, V. 10 ff., noch lange nicht ausgemacht, dass es ein Citat von früher sei. Die Hoffrauen, daroh Salomo auf das Loos der Schönheit Sulamits aufmerksam gemacht (V. 9 b), spreohen diese Verse hier vielleient zum ersten Male. Ja, der Ausdruck איומה würde entschieden darauf hin weisen, dass dieses Lob an dieser Stelle Original ist, da Sulamit bei ihrer ersten Begegnung mit dem königlichen Wagentross noch gar keine Ursache hatte, ״furohtbar“ auszusehen, sondern erst in dieser entscheidenden Scene, da sie den Kampf für ihre Liebe siegreich za beenden sich anschickt. — Aber selbst wenn dieser Vers 10 — denn um diesen allein kann es sich ja bei der Vergleichung nur handeln — ein Citat wäre, so konnte es doch naturgemäss nur eia Citat Salomo’s sein, der nach seinen Worten (V. 9): ״Sie sahen die Mädchen und priesen sie, die Königinnen nnd Beifrauen und rühmten sie“ nnr eben diese Worte ihres Ruhmes und 4 Preises citirte, und, das wäre doch wiederum nur Erzählung, nicht Action. Die Charaktere hat Verf. durchgängig schön und scharf gezeichnet. In der Textkritik wirkt sein bedächtiges Vorgehen entschieden wohlthuend gegenüber dem modernen Ge bahren der Wort- und Satz verstümmelung. Die exegetischen Bemerkungen sind allerdings zuweilen etwas dürftig ausgefallen, doch thut dies dem Werthe des Buches keinen Abbruch. Den Endresultaten des Verf.’s können wir voll und ganz beitreten. Dass das Judenthum Dramen erzeugt hat, dass die Stellung der jüdischen Frau schon damals eine freiere, ohne brutalen Haremszwang gewesen, dass schon damals aueü in den Volkskreisen des israelitischen Staates eine hohe geistige Bildung zu finden war, beweist das HoUe Lied zur genüge. — Zum Schlüsse können wir es uns nicht versagen, bei der Bemerkung des Verfassers, dass der Dreizahl im H. L. eine schematische Bedeutung zukame (S. 105) au die MiJraschstelle ("־ שה״ש א' יTO) zu erinnern: שה״ש שלמה אמרה.. כשתמצא אומר כל מעשיו של אותו האיש משולשי! ה יו Ja, ohue der Priorität des Herrn Verfassers zu nahe treten zu wollen, findet sich wenigstens ein Anknüpfungspunkt für seine neue Auflassung schon in unserer alteu Litteratur (Midr. Schir haschinm 1.1) ר׳ שמעון בשם ר• הנין דציפרין אמר שיר כפול ואין כל חדש תחת השמש — Rabb Dr. L e vy-Göttiugeu. *) Das S. 83 angeführte Bespiel spricht von einer ErzÄhlung; das bedart k ines besonderen B weises, dass in einer Erzüblang eurüc יgegriffer. werden kann j 1 nat irgemis!sogar muss. 1 Hier aber hande ■ es jici um eine Handlung, um ein Auftreten lebendiger Personen zuerst a s alt und dtnn als jung. D. L. Wo Ift, Magdeburg. Verlag von Roben Priese, Leipzig.

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