Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 2. (10.1.1889)
- Date
- 1889-01-10
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Mt. Jüdisehes itteratur Jahrg.XVm Blatt. Emr Hmklu( ■UciiMkn «■I Jmim lllnlW■ ItttarariMhMi tr• kW■■■!■ ar Mm Mlita 4*r Pfcll•- MpU«, tnckMU, ■tfcMfnphl•, Tkm- •Zte, Otlnlalb, biKH, iMlItUl. utu*a ■. pu^nik. H6r ansgegeben ▼on Rabbiner Dr. Horiti Rahmer. ffllaydt&ituf, 10. Sannau 1889. M«lw 4cT«lMCkMgl«m LllUratar.walch te MmIw n|M1M * *«4m, I*4m 1■ 41«mm BlaU« «l*(1kM41 Barnek•■! Bai Bmh4u| *0■ *«•I Etat■ «ia■!• RxwiplirM «lkl|t •!■«•11«• karsa Sratli-Iaaertla*. Du ^JMlsche LIttcntir-BltttM erscheint wöchentlich in einem halben Bosen Preis bei eilen Buohhendlangen (in Leipaig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Bark. Abonnenten der .Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljlhrliah bei allen Postanstalten and Buchhandlungen 1 Hark kostet) erbalten du ״Jüdische Li ttei stur-Blatt gratis. — Inserate werden mit U Ff. tttr die geepaltene Petitzeile, Beilagen mit 20 Hark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes sa senden BaohhAndler a. Lehrer, welche direct oder durch Robert Friese Inserate einsenden, erhalten 25 X Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Ueber ״Freidanks Bescheidenheit“. Von Dr. S Gelbhaus, Rabbiner in Nordhausen. (Fortsetzung.) — Ein judenfreandlicher Roman. (Forts.) Litteraturbericht: Recensionen: Stickel, Dr. Joh. Gast. Du Hohelied iu seiner Einheit and dramatischen Ghederang mit Uebersetsung und Beigaben. Insera• 6. * Unbefugter Nachdruck aus diesm Blatte ist nicht gestattet. Ueber ״Freidank’s Bescheidenheit“. Von Dr. S. Gelbhaus, Rabbiner za Nordhausen. (Fortsetzung.)*) a Bezzenbergor bat bei manchen Stellen, die in dem alten Testament Vorkommen, aaoh auf Parallelen in lateinischen, griechischen nnd mittelhochdeutschen Dichtern, sowie auf Sätze in der neatestamentliohen liittoratar hingewiesen. Da aber sonst in der Besoheidenheit Satze sich finden, die ausschliesslich dem alttestamentlichen and rabbinisohen Sohriftthame angehören, so kann in zweifelhaften Fällen (vielleicht mit Ausnahme der neatestamentliohen Sätze, die doch Freidank als Christ näher gekannt haben würde) die Priorität dem letzteren mit Recht zngewiesen werden. "W. Grimm, dem Bezzenberger folgt, geht von der An .'icht. aas, dass die Vulgata es war, aas der die biblUchen Stellen geschöpft wurden. Aas einer näheren Betrachtang folgender Verse ergiebt sich aber, dass bei den alttestamentlichen Sätzen dieses nicht der Fall war, sondern dass der hebräische Urtext za Grande gelegt wurde. In der Bescheidenheit S. 128 Zeile 6 heisst es: De* wien vluc, des schiffen vluz, des slsngen sluf) des donres schuz. wie ger&ten 8üln diu jungen kint, י der str&ze uns alle vremde sink £8 ist dieses eine Reminiszenz an die Verse 18,19 im 30. Capital der Spräche Salomons: שלקזה המד, נפלאו ממני וארבל לא ידעתים דדך־ ועשר בשמים דרך נחש עלי צור דרך אדה ביב ים ודרך נבר בעלסר» Die Strophe: wie geraten säln dia jungen kint ent- •pncht genau dem: ־־ מלמהIM “prTl. Die Vulgata aber übersetzt: et viam viri in adolosoeutia. Sie scheint, anstatt ,בעלמות, מלמד» d. i. ״ die in der Jagend “ gelesen za haben. — 8• 41, Z 16. Swer wiatuom, $re, gröz riuheit niftrt, der mört sin arebeit *) In vor. No. fi. 1, Sp. 2, Z. 16 v. o. 8*. ״LeihbiMiotheken“ ist sa lesen ״Bib liotheken“; 8.2,8p. 2,Z 40v.o. st ״fahrener“ *u L ״fahrender“; Z. 2 v. u. za 1 ״Ecclesiasticus“; Z. 20 v.i .״Lehren“ st Lehrern; 8. 3, Spl, Z.4v. 0 st Entbehrungen zu 1. ״Entlehnungen“. Es ist dieses Prediger 0.1, Vers 18: 3י ברב הבטה רב ״;מסדוסיףדעת יוסיף נ־כאוב.arebeit“ entaprioht dem מכאוב, denn arebeitjan heisst aaf mittelhoobdea(׳soh plagen, anstrengen. (VergL Schade Altdeatsohee Wörterbuch S. 17.) Die Vulgata aber übersetzt: Qai addit soientiam addit et laborem. S. 72, Z. 1. Luit ant liate girret sint swk der künek ist ein kint ant sich die värsten vlizent du si vruo enbizenk Es ist dieses eine Wiedergabe von Prediger C. 10, Vera 16: אי־־לך ארץ שמלכך נער ושריך בבוקר יאכלו enbizent deckt sioh vollkommen mit יאכלו da en-bizen aaf mittelhoohdeat80h essen, speisen heisst. (Siehe Lexer, Mittelhoohdeatsohes Wörterbaoh S. 42.) Die Vulgata aber äbersetst: Vae tibi terra oajas rex E . . . nicht der lateinische Text den in der Bescheidenheit vorkommenden alttestamentlichen Stellen za Grande gelegt warde. Es soll damit nicht behauptet werden, dass Freidank durchaus hebräisoh verstanden haben musste, sondern dass er die Sentenzen aas dem Munde Solcher erhalten hat, denen der Urtext verständlich war. Aas dem Umstande aber, dass er dieselbe vielleicht nar vom hören hatte and dass sie seinem Gedäohtniss entfallen sein konnten, erklärt es sioh aaoh, warum man zuweilen bei ihm eine genaae. Wiedergabe der jüdischen Lehren vermisst, 80 dass sie manchmal nur als Reminiszenzen erscheinen. Nach diesen einleitenden Worten wollen wir Sätae aas der Bescheidenheit mit biblischen uni rabbinisohen Aassprächen vergleichen. Wir legen dieser Untersaohaiig den Text der ersten Ausgabe Grimms za Grande, da dieselbe bis jetzt allgemein oitirt wurde: 1. 1, 5.6. Gote dienen äne wanc deist aller wiaheit anevanc. Das Reimpaar ist eine freie Uebertragang von Sprüche Salomons C. 1.7 and Psalm 111,10: ראשית חכמה יראת ד. יראת ד* ראשית דעת. Gottesfurcht ist der Anfang; der Erkenntnis», Der Anfang der Weisheit ut Gottesfurcht — 2. 1, 7—9. Swer ambe dise kurze zlt die öwigen vröade git der hkt sich selben gar betrogen. Es erinnern diese Worte an die Bemerkung im Talmud: (Sabbat 10) מדחין דדי מלם ועוסקין □עי שעה 8ie vernachlässigen das ewige Leben and beschäftigen sioh mit dem vergänglichen Genuss der Stande. — 3. 2, 4.5 Got hoehet alle güete unt nideret höcb:;emüete. Dieser Gedanke ist in der Bibel and im rabbimachen Sohriftthum weit verbreitet Man betraohte