Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 18 (1889)
- Issue
- N° 1. (4.1.1889)
- Date
- 1889-01-04
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 Recensionen. Zurkermandel, Dr. M. 8. Sprachbuoh, enthaltend biblische Spräche aas dem Gebetbuche, geordnet nach den Eraählangen der bibL Geschichte, nebst einem Anhänge zum Zwecke des elementaren Religionsanterricht8 in israeL Schalen. I. Corsas. Preis 80 Pf. Frankfurt a. U. 1889. J. Kauffmann. Der geehrte Herr Verfasser vorliegenden Sprachbaches bat bereits 1884 in der vom D. L G. B. einberatenen DelegirtenVersammlung von Schalmännern in seinem Beferat über den Rehgionsanterricht, das er 80 ireandlioh war ״für die Lehrer* separat abdrucken za lassen and dem Sprachbach beizalegen, darauf hiagewiesen, dass eine Concentration des Unterriohtsstoffes erzielt werde, wenn bibl Spräche za den einzelnen bibl. Geschichten dem Gebetbache entnommen and so bibl. Geschichte, Religion and hebräische8 Gebet miteinander harmonisch vereinigt wärden. Es ist dies in der That ein pädagogischer Kerngedanke, obgleich wir vor der grossen Anzahl von Sprächen, wie sie das Sprachbach bietet, zurückschrecken. Wir kennen wohl die Forderung verschiedener Pädagogen, den religiösen Gehalt jeder Geschichte in der Form eines Bibelspruches festzuhalten, doch glauben wir, dass gerade beim Religionsanterricht, der vorwiegend das Gemüth des Kindes beschäftigen soll, der Memorir stoff soviel als möglich eingeschränkt werden muss. Wird das Gedächtniss durch religiösen Memorirstoff überladen, wie das zur Zeit der Regulative, berüchtigten Angedenkens, der Fall war, so wird der empfängliche Sinn für die erhabenen Lehren der Religion abgestampft and wir erzielen statt wahrer Frömmigkeit — Muckerei. Vor allen Dingen aber stellen wir als conditio sine qaa non eines Sprache* die Forderung auf, dass derselbe eine Religionswahrheit in gewissermassen poetischer, äusserlioh abgerundeter Form anschaalich zar Darstellung bringe. Wir können uns mit Sprüchen befreunden, wie: ״Der Herr hat es gegeben etc.“, aber nicht mit einem Sprache, wie S. 17: ,Der geschlagen zahlreiche Völker und getödtet mächtige Könige, den Sichon, König des Emori und all die Königreiche Kanaans Er gab ihr Land zum Besitze Israel seinem Volke“, oder S. 29 bei der Geschichte von Jehojachin auswendig zu lernende Sprach: ,Und wegen unserer Sunden sind wir ausgewandert aus unserem Lande.“ Bei einzelnen Geschichten hat der Verf. Sprüche angeführt, die nur ganz allgemein den Inhalt berühren, so S. 5, ,Josef legt dem Mandschenk den Traum aus“, 2 Sprüche über Gottvertrauen. Manche Ueberschriften von Sprüchen scheinen nicht ganz correct zu sein, wie S. 8 ,Moses Flucht und Leiden in Egypten“, für die Ueberschrift ,Lustgräber4 S. 15, wäre wohl besser, ,Gräber der Lüsternheit“. Der Verl hat bei seinem Spruchbuch die ,Tefilla“ in der (schlechten) Mainzer und Rödelheimer Ausgabe zu Grunde gelegt; in der Uebersetzung lehnt er sich — manchmal zu ängstlich — an Sachs an. Das Buch weist leider viele Druckfehler auf, die zum Theil schon auf der letzten Seite eine Berichtigung erfahren. Bei dieser Gelegenheit bemerkt der Verf.: ,In den folgenden Auflagen s. G. w. werden dieselben beseitigt oder doch vermindert werden; wir wollen hoffen, dass sie alle ausgemerzt werden. Auch möchten wir dem Herrn Verf. den Rath geben, bei einer neuen Auflage die neue Orthographie anzawenden. In dem Anhang des nützlichen Büchleins sind die Festu. Fast- י tage and religiöse Vorschriften zusammengestellt. M. Sp. Weissmann, Arthur S. Ernste Antworten auf ,Ernste Fragen“ von Franz Delitzsch. Wien 1888. Ch. D. Lippe, Praterstr. Weissmann hat mit seiner historisch-kritischen Psalmen-Exegese sich auch im Leserkreise dieses Bl. vortheühaft bekannt gemacht, and seine exegetischen Studien haben ihm auch in dieser Schrift gegen den grossen Bibel-Exegeten Delitzsoh vorzügliche Dienste geleistet. Weissmann hat nach den 5 Seiten hin, nach welchen er Delitzsoh entgegentritt, eine Fülle von Anregungen geboten und manches neue Liebt, namentlich exegetischer Natur verbreitet. So ist die vorliegende Schrift eine sehr werthvolle Gabe auch für den, der mit den Resultaten im Einzelnen nicht ganz einverstanden ist, und ein solcher, es sei offen gestanden, bin auch ich. — In der ersten Controverse tritt W der in der That verblüffenden Insinuation Delitzsch’s entgegen, dass auch die Jaden eine Art von Dreieinigkeit glauben: Gott, Schechina und heiliger Geist. W. zeigt die Genesis der ,Sehechina “-Formel, die die Constatirang einer zweiten Einheit in Gott durch dieselbe ausschliesst. Er geht aber weiter und will die Genesis des christlichen Dogma’s von der Dreieinigkeit aus einem Missverständnisse des taimadischen אין שכינה פחות כד בני אדם (Aboda zara 21) historisch dedaziren, und da muss ich sagen: es ist ein guter Witz, der nach meiner unmassgebliohen Meinung den ,ernsten Antworten“ besser fern geblieben sein dürfte. — Delitzsch formulirt die christL Dreieinigkeit mit einer' gewissen Zuvorkommenheit gegen das Judenthum folgendermassen: Das Wesen Gottes ist Eines, aber ,dreifach ist seines Wesens Offenbarung“. Weissmann polemisirt gegen diese Formel: ,Da gehen die Kabbalisten schon eiuen Schritt weiter, sie sagen auch, dass das Wesen Gottes ,Eines“ sei, aber zehny faoh seines Wesens Offenbarung“ (S. 10). Ich glaub« nicht, dass diese Polemik eine glückliche ist- Diq ,Kabbala“ ist doch eine Fraoht am Baume des Judenr thums und sie hatte Jünger and Meister, die zu den Koryphäen der jüd. Geschieht« zählen. Isak ben Schescheth (ר״יב״ש), den W. antührt, hat gegen die Kabbalisten polemisirt, indem er deren Monotheismus dem des Christenthums gleichstellte — uid das war in der That eine glückliche Polemik. Aqer dieses Schwert gegen die Kabbalisten ist eine Stütze für Delitzsch’s These: Judenthum und Christenthum hätten im Grunde dieselben Anschauungen bezüglich der Gotteseinheit. Gegen Delitzsch muss hier im Gegentheil gezeigt werden, wie aus Isaak b. Schoscheth’s Polemik noch lange nicht folge, dass der relative Monotheismus des Christenthums nicht weiter entfernt sei von dem absoluten des Judenthums, als der der Kabbalisten. Und das ist auch wahr: Die 10 Ernanationen der Kabbalisten begründen noch lange keine der christlichen ,Dreieinigkeit“ gleiche ,Zehn-Einigkeit“, wenn auch Ribasch schon die Analogie als Waffe gegen die Kabbala gebraucht. W. geht sogar soweit zu bemerken: ״Uebrigens könnten die Beiden das Auskunftsmittel von der Vergötterung seines Wesens Offenbarung“ sich zu Nutze machen and erklären : ,Das Wesen Gottes ist Eins, aber myriadenfach seines Wesens Offenbarung eto.“. Nun, wenn die Heiden das erklärten, so würden sie ganz entschieden dem Monotheismus einen Riesenschritt sich nähern. (Fortsetzung folgt) Berich tigung. Im Litt-BL No. 52, Titels. Sp. 2, Z 2t v. o. ist ״ab e r“ zu streichen und vor ״dennoch“ in Z. 22 zu setzen. Verantwortlicher Bedacteur Dr. Bahmor, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.