Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 52. (23.12.1887)
- Date
- 1887-12-23
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Alle zehn UM Nr. 38 oitirten Stellen gehören bis auf die letztere dt^r strengen Halacha an, alle besagen sie, dass der Tojdte jn den Augen dar jüdischen Tradition eine*®Jirwürdige Persönlichkeit“ ist, der das höchste Maass von Ehrfurcht und Ehrerbietung gebührt׳ deren Ehre in irgend einer Weise durch Wort oderjThat zu verletzen, wir uns in Acht nehmen und wohlj hüten müssen, ja, die Ehrerbietung vor dem Todten ׳ma88 unser ganzes Wesen so erfüllen, dass für etwa8 Anderes — und sei es auch Hohes und Heili^.eg — kein Baum übrig bleibt, und desshalb smd w-;r während der Zeit, wo wir diese Ehrerbietung den. Todten bezeigen müssen, von allen Geboten der Thor!r dispensirt. Du brauchst keine Teüllin zur lagen! ktiJBÄ|l-^5JLe.K, tain. Sohohu! anr Hand zu nehmen, sagt die Halaohah, widme Dich ausschlisslioh ״der Ehre des Todten“! Wir fragen nun, verträgt sich mit solchen Begriffen von Ehrfurcht und Ehrerbietung der Begriff des Verbrennens und Vernich tens? Können, dürfen wir eine uns ehrwürdige Personlichkeit ins Feuer werten, sie vertilgen und vernichten, ohne uns der gröbstfen Missachtunng, Geingschätzung, Ehrverletzung gegen den ehrwürdigen Todten schuldig Jamaoht zu haben? Auf dem ganzen Gebiete des jijjdischen Sobriftthums gilt das Wort Verbrenneu ajß der höohäie Ausdruck der Missachtung und VeraWituDg, der Verurtheilung und Verdammung, als der hcfchste Ausdruck der Schmach und Schande, der Erniedrigung und Entwürdigung alles dessen, was verbrennt, d. L vertilgt und vernichtet werden soll. Sodom und Amorah werden vernichtet durch Schwefel und Feuer, ״und siene, es stieg ein Dampf aus der Erde wie Dampf eines Brennofens* 0- B. M. 19—28), Das goldene Kalb verbrennt Mos« im Feuer und zermahlt es bis zu Staub. ״Ihre Altäre reisset nieder, und ihre Götzenbilder verbrennet im Feuer“ (5. B. H. 7.4) Und ihre Haine verbrennet durch Feuer a. s. w. und vertilget ihre! Namen von selbigem Orte* (Ibid. 12:3). ״Und er v e r b r a n n t e die Höhen (Jerobeams), zermalmte sie zu Staube und verbrannte die Ascherah“ (2. König, 23.15). ״Und die Tochter eines Priesters, soJsm der Unzuoht, sich preisgiebt, sie entweiht^ ihren Vater, im Feuer werde sie verbrannt“ (3. B. M. 21.9.) Aus diesen wenigen Versen, die wir beliebig vermehren könnten, ersieht jeder, dass nur das grösste Laster und das schwerste Verbreohen durch Feuer gesühnt, dass nur Personen und Gegenstände, die der Menschheit zum Verderben, zur Sohande gereichen, durch Feuer vertilgt und bis auf den Namen vernichtet werden sollen; und wir sollten unseren Vater, unsere Mutter, ufid ihrem Andenken das Sohand• mal einer sohimpfliohenVerniohtung aufdrüoken, wie es nur dem Verbrechen und der Schande zu Theil wird? Herr Dr. Wiener beschwört zu wiederholten Malen den Geist der Sadducäer herauf welche das ״sie 8011 verbrannt werden“ (bei der Priestertooher) buchstäblich nehmen, sie 8011 zu Asche verbrannt werden, und nicht wie die Pharisäer meinen, ״mau solle heisses Blei in den Bache der Sünderin giessen“, and will daraus den Beweis für die Feuerbestattung erbringen. Nun angenommen — aber nicht zugegeben — die Sadducäer hätten Recht; ist davon, dass die Thora selbst diese schimpfliche Todesart nur einer s 0 himp f 1 io he n ehrlosen Person angedeihen lässt, nicht klar bewiesen, dass mau jeden anständigen Menschen vor solch’ entehr end er Verniohtungsart behüten und bewahren muss? Beweis8t die Braudmarkung Achan’s, Tbamar’8 durch’8 Feuer nicht das Gegentheil von dem, was die Anhänger der Cremation Jbeweisen wollen? Wenn das Gottesgesetz befiehlt, diese ehrlosen Sünder und Verbrecher sollt ihr mit Schimpf und Schande durohs Feuer vernichten, dürfen wir Mensohen ohne Noth — aus Egoismus — diesen Sohimpf und diese Schande unserem Vater, unserer Mutter, unserem Nebeumensohen, dem Ebenbilde Gottes, antbun? Wie human und Weise ist dagegen die Tradition der Pharisäer gegenüber dem Barbarismus der Sadducäer! Auoh die entehrte, zuohtlose Priestertoohter, sagen die Pharisäer, ist und bleibt eia ״Ebenbild Gottes“, und wenn sie sich noch so sohwer vergangen, darf sie üuroh Mensoheulyiud (durch Feuer) nicht vertilgt und aus der Welt ge- 8chafft werden. Todten, heisses Blei in den.Baohen giessen, ja! — aber verbrennen, vertilgen und vernichten, nimmermehr! In d'eser Tradition ist die schärfste Verdammung und V rartheilung der Cre-