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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-12-16 · N° 51. (16.12.1887) · p. Seite 206

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 51. (16.12.1887)
Date
1887-12-16
Page
Seite 206 (sequence 5)
Language
German
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handeln! Welchen Erfolg würde er da erreichen and wie weit würde er da mit seinen Schülern kommen? Und der Religionsunterricht ist doch zweifellos eine Disoiplin, die nicht, blos ethis oh wirken, sondern auch positives Wissen erzielen 8011. Wohl ist es möglich,ja sogarwünschenswerth, mit vor geschrittenen Schülern, die nur noch ein oder zwei Jahre eine höhere Unterrichtsanstalt zu besuchen und während ihrer Studienzeit einen systematischen Unterricht in Religion mit Erfolg genossen haben, die Bibel — im Urtext oder in der Uebersetzang — zu lesen. Niemals aber wird man, wenn man ernstlich den in der Bibel und in den nachbiblischen Schriften vorgetragenen Religiongsstoff Schülern beibringen soll, den Gedanken theoretisch rechtfertigen and praktisch verwerthen können, dass man unter Religionsunterricht, wie er in unserer Zeit Schülern sowohl höherer Lehranstalten als auch von Volksschulen geboten werden muss, Bibellectüre mit Erklärungen versteht. Es kann ja von Niemandem bezweifelt werden, dass ״wir nur ein einziges, allgemein anerkanntes und approbirtes Lehrbuch, unsere heilige Schrift, besitzen“ und dass jeder Religionsunterricht durch die Bezugnahme auf den! historischen und religiösen Inhalt der Bibel den biblischen Geist, ja sogar oft wortgetreu, reflectiren muss. Das ist ״die Concentration des Unterrichts“ die auf dem Gebiete des Unterrichts in Religion, unserer Meinung nach, einzig und allein denkbar und von Werth ist. Die Concentration des Unterrichts darf nirgends Selbstzweck sein, sondern nur Mittel um allgemeine Bildung zu erstreben. Gerade bei der auf allen Schulen nur knapp zugemessenen Unterriohtszeit für Religion ist es ja am meistengeboten, an der Hand eines Leitfadens, der in systematischer Aufeinanderfolge die Religiouslehren, Gebote, Ceremonieen etc. etc. vorträgt, den Religionsun[,erricht zu ertheilen. Da kann der Lehrer auch in kurzer Zeit j durch Aufgeben, Wiederholen, Ergänzen, Erklären I etc. zunächst positives Wissen bei den Schülern erlangen und dann in den letzten Studienjahren die Quellen kennen lehren, aus denen der Religionsstoff zu schöpfen ist. Man missverstehe mich nicht! Nicht als ob durch den Gebrauch eines Handbuches der Schüler ״mit Definitionen, Auseinaudersutzungen sein Gedächtniss zu bes! hweren habe“, ein solches Auswendiglernen religiöser Lehren oder Begriffe, wie sie die sogenannten Katechismen verlaugeu, wird wohl! von allen verständigen jüdischen ßeligionslehrern perhorreszirt — soudern grade durch die vom Lehrer nothwendigerweise zu ertheilenden Erklärungen zu den in einem kurzen Handbucne vorhandenen Andeutungen oder biblischen Hinweisungen wird der Schüler bei der Wiederholung, ja sogar schon beim Lernen auf seine eigene Denkthätigkeit hingewiesen. — Ceterum censos: Wer mit den bestehenden Verhältnissen rechnet, d. h. wer die Art, wie in den anderen Gegenständen des Unterrichts unsere Schüler vorgebildet werden, berücksichtigt und den wissenschaftlichen Standpunkt, den die Knaben der verschiedenen, höheren Lehranstalten einnehmen, festhält, wird, zumal mit Rücksicht auf die geringe Minderzahl ohne Handbuch, welches systematisch die Religionslehren enthält, kaum das Verständniss des Judenthums, seines Ceremonials und seiner Liturgie durch den Unterrioht erzielen. — Gehen wir nun nach dieser Auseinandersetzung der Art, wie am praktischsten in der Religionsstunde zu verfahren ist, näher auf den Inhalt des oben genannten Werkes des Herrn Rabbiners Dr. Kurrein ein. (Schluss folgt.) X.Elsnunn^JüdischeZasfcänö iu Russland. IL Heft. Emigration8frage. ^Jerusalem 347. (Hebr. 60 S.) Als am Anfänge dieses Jajrzehnt die rassischen Judenverfolgungen ihren Höhefunkt erreicht hatten und der Strom der jüdischen ,uswanderer über die Grenzen Russlands siob ergo», trat in Petersburg eine Versammlung jüdischer Ntabeln zusammen, um über die Mittel und Wege zu brathen, wie derNoth der Juden abgeholfen werden önne. Diese Vers, sah die Sachlage ein wenig vom optimistischen Standpunkte an, hielt Verfolgung ud Auswanderung für schnell vorübergehende Erscheiungen und schlug vor, bei der Regierung um Schuf gegen die Angriffe, Schadenersatz und Erweiterur) der Rechte nachzusuchen. Der Verfasser bekänjft mit aller Energie die nach seiner Meinung leiehiertige Art and Weise, mit welcher die jüdischen Gsssen in Russland in diesem Falle sowie im AUge!einen sich über das Schicksal ihrer Glaubengenoss« hinwegsetzen. Während bei den Christen nur Hts der Armuth gegen die Besitzenden vorhanden 8ei,teselle sich hierzu bei den Juden (doch wohl nur iifßussland!) der Hass der Unwissenden gegen die Itjdligenz. Die Schuld trifft nach dem Verfasser die tztere, die nicht wie in früheren Jahrhunderten alleBchicksale des Volkes theile. Doch vermag der Veri&ser keineswegs überzeugend nachzuweism, dass di oben erwähnte Ver- Sammlung im Unrechte gewesemei, und seine Drohungen für die Zukunft sind dar« nicht verständlich. Noch weniger glücklich sind sine Ausflüge in das Gebiet der hohem Politik. Wr aber w1ss9u will, wie in einem solchen Kopfe sit die Welt abspiegelt, möge immerhin das Büchlein »r Hand nehmen. Die Emigrationstrage selbst wird ,ur oberflächlich gestreift, wenigstens weiss auch Br Verfasser nur zu kritisiren, uicht aber etwas Poitives vorzuschlagen. Dr. S. Fl iichner - Bernburg. Litterarisclie Notizen. < ד 1. Mozart und die Juden. Wii&.’Wolf iu .seinem AVerke ״Juüeutaufen iu Oesterreich“ mitthlt, hat Mozart schon in seiner Kindheit aut die Jndengesetz'uubewusst einen tatalen Einfluss ausgeübt. Vur Zeit Maria [heresia’s wurden nämlich sehr häufig Judenkinder ihren Eltenbntrissen, mit Gewalt getauft und nachher angegeben: die '1 Ue wäre auf Verlangen der Kinder vollzogen worden, Dio El rn beklagten sich, indem.' sie die Willensäusserung unmündig( Kinder tür ungültig erklärt haben wollten. Als der Königii lie vielen Klagen zu uubequem wurden, dekrotirte sio als Gesz : ״Vom 7. Jahre an sei das Kind mündig und selbständig, de! in diesem Alter haben — -2 Kinder aus Salzburg bereits sostständige Compositionen auf mehreren europäischen Theatern;orgetragen. Die beiden Kinder sind Wolfgang Amadej Mozart und seine Schwester. — Dies Gesetz bestand vo 1705 bis 1782, in welchem das 18• Jahr als das Alter selbstatäm;er Willensäusserung angesetzt wurde. 2. Stilistisches. Der Stil ist der eusch! Briefschreiher haben beim Niederschroiben ihrer G anken auch auf die conventionellen Formen (hauptsächlich 1 der Anrede) ihr besouderes Augenmerk zu richten. In den benden Sprachen si,t1d die diesbezüglichen Formen grösstenthaii stereotyp und bieten für den mit denselben Vertrauten keine ‘ rwierigkeit. Anders ist• es mit den Curialien, wenn wir uns 0׳ hebräischen Sprache bedienen. Da tritt ott an den Schi benden die Frage 'heran: Welcher Auredetorm soll ich mich eil n Höherstehenden ';egenüber bedienen? Soll ibh üin iu der 1 oder 3. Person sing!, oder iu der 3. Person plur. anreden? Alle ieso Formen sind iu Gebrauch. Wir schreiben ohne Wahl: מלתבך הנחמד הגיע und יקרת מכתבו בא ליףי• Einer der gasten Gelehrten der Jetztzeit schreibt a!;1 den Uebersender oes Buches: ÜV13 שלא ועשיתם ששלחתם לי הקונטרס ובו• u 8sisch ist natürlich nur die erste Sohreibweise, deren si» auch die Bibel bedient. Da solche tür un3ern G e braue h niat als Norm acceptirt Fs, - wäre es wünschenswerth, von comp^nter Seite eine Einigung ln Betreff dieses Punktes anzustrebenlenn richtig kann nur das sein, was aus unserer klassishen Litteratur sich als richtig erweisen ljisst. Cohen-Kees a. Rhein. Verantwortlicher Redaoteur Dr. Rahm er, Magdeburg. Druck von D. L Wo lff, Magdeburg. Veriag voiRobert F riese, Leipzig

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