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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-12-02 · N° 49. (2.12.1887) · p. Seite 198

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 49. (2.12.1887)
Date
1887-12-02
Page
Seite 198 (sequence 4)
Language
German
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— 198 Das ganze Leviratsgesetz will entschieden nicht 1)108 das Andenken des Verstorbenen erhalten,( sondern auch die Zukunft der Wittwe sicherstellen (Abravanel: חמלה על התת ו5ל אשתי)) und ganz im Sinne der Thora ist es, ■wenn der Talmud bei Behandlung dieses Gesetzes auf ״die Wege der Anmuth“, Spr 3,17 hinweist. (Jewam. 87b.) Deshalb wird unsere Sympathie sich zur m ilderen Ansicht hinneigen, zu welchen, wenn sie auch nicht den Beifall der Deeisoren gefunden hat, sich nicht minder glänzende Autoritäten bekennen. Wir unterscheiden hierbei zwei Gruppen. Die eine (R. Jehudai Gaon*) und R. Chanoch) geht von der im Talmud vertretenen Ansicht aus, dass die Jibum- und Chalizapflicht der Levire und der Wittwe schon im Momente der Eheschliessung eingetreten ist, während die andere der gegnerischen Ansicht im Talmud (Jewam. 13a) huldigt, dass diese Pflicht erst mit dem Tode des Kinderlosen beginnt. Beide Gruppen stimmen darin überein, dass der Apostat jede Verbindung mit seiner Confession gelöst hat, also auch keine Leviratspflicht. mehr übernehmen ksnii und, hatte er sie vorher als Bekenner des Judenthums übernommen, sich dieser wie jeder andern religiösen Pflicht durch seine Apostasie enthebt. Die erste Gruppe verlangt jedoch, dass Chaliza stattfindet, falls die Apostasie nach der Eheschliessung des verstorbenen Bruders erfolgt ist, nicht des Apostaten wegen, dessen Leviratspflicht in Folge seines Uebertrittes zu einer andern (Konfession ganz erloschen ist (אתעקרא לה דקא דנישואין דאח־ו לבסוף מניה), sondern um die Wiitwo zu entlasten, deren Verpflichtungen ihrem Levir gegenüber durch dessen Abfall nicht tangirt wurden, da sie ja diese an ihrem Hochzeitstage übernommen, also auf diese Eventualität hin sich verheirathet hat, als ihr Levir noch Jude war. Das ist offenbar der Sinn eiues leider verstümmelt auf uns gekommenen und jüngst von Dr. Joel Müller**) veröffentlichten liesponsum von E. Chanoch (Beth-Talmud, Jahrg. V. S. 10-1). Darin heisst es ausdrücklich: ״Der Apostat ist seinem Bruder ganz entfremdet, weit er aus dem Bereich des Gottesgesetzes geschieden ist, und es ruht keinerlei religiöse Pflicht auf ihm. Ohne dies liesponsum zu kennen, ist der sei. Joseph Schani Nathansohn zu demselben Resultat gekommen: באמת זה וראי המומר 1 שי ימס איני בר מציה שיהיה מקיים מצות התורה,!u und in der vorlieg. Abh. No. 4צ) Ebenso erklärt ein gaonäisehes Gutachten, das uns Elia Misraehi (in seinen Resp. No. ü7) auibaiKahrt hat, dass der Apostat eigentlich keine rituelle Scheidungsfähigkeit besitzt, da auch hierbei biblische Gebote zu erfüllen sind, dass jedoch die Weisen seine Scheidung für zulässig und gütig eiklärt haben, um seiner dem Judenthum treu gebliebenen ל'rau die Wiederverheiratbung zu ermöglichen. (Schluss folgt.) *) Die (Sache wird bald im Namen des surunisclicn tlaon .Jehudai, Lald im Namen der Jeschiwn von Matha-Meclmsiu tradirt, was natürlich dasselbe ist, da .M. Mechusia auch Sun» hiess. Demnach ist S. tili zu berichtigen. **1 Der verehrte Herausgeber erklärt das. in einer Anmerkung, dass sicli R. ('hanocli im Gegensatz zu R. Jehudai (iuon befindet. Allein aus der klaren Auseinandersetzung des zweiten Falles folgt, wie der erste gelautet haben muss. Audi die Kmeudation מתירת אח Wird wollt nicht richtig sein, denn duun müsste es •ונפה und nicht משום דנפר heissen. Das.Uesp wird etwa iolgendermassen zu ergänzen sein: IC הד יודע דצל ה*כא לאשת אחוא קודם שנשא, מבדר בדיל מניח משום דנפק ליה מתורתו (ירד) ולא רמי מצוד, עליה(ועלה נמי לא חיילה זיקא ומשת־ייא בלא חליצה. ובל ד,יבא דאשתמד אהד שנשא, משום דנשק ליה מתורתו ית לא רמי שום מצוד, עלידס ואיתעקדה לה זיקא דנשואין דאחיו לבפורי מניה ואית עלה מיהא זיקא דאוריית־ מר Scliöufeld, Ad., Cantor in Posen, Des Kindes Chanu k k a h, für zwei Singstimmen oomponirt. — — ״Bundeslied (Ps. 133) für Solo, Chor unisono und Piano und Orchester (Violine I. und II., Viola, Bass, Clarinette, Hörner, Flöte und Pauke), Andante, F-dur, 6/s- Wieder eine Gabe für den Chanukkah-Tisch unserer Kleinen bringt das Erstere. Wie im vergangenen Jahre (auch in dies. Bl. besprochen), hat der Componist auch her.er wieder unserer jüdischen Schuljugend gedacht und ihnen zwei schöne Liedlein zum Singen am Chanukkah- Fest geschrieben. Das erste Lied ״Chanukkah in allen Strassen, wo. nur Juda’s Söhne wohnen“ pp. giebt in heiterer Weise im kindlieben C-dur, Andante 4/4, der Freude über das Fest Ausdruck. Zum Mittelsatz in F-dur ist zum Text ״Auf und ab im Zimmer schreitet“ etc. unsere bekannte Chanukkah-Hymne verwendet. Es schliesst mit der Melodie des ersten Theiles. — Diesem Liede ziehe ich aber ohne Bedenken das zweite, ״Lichtleiu batmit seiner Flamme“ etc., vor, und zwar der herzinnigen Melodie (D-inoll) wegen. Mit dem Inhalte des Textes von A. Kulke aber bin ich nicht ganz einverstanden. In demselben wird Israel mit dem Schammesch verglichen. Wie das Lichtlein, wohl leuchtend und andere Lichter anbrennend und doch abgesondert steht, so hat auch Israel den Geist der Völker erhellt und ״dafür muss es Diener jener Völker sein“ Etwas mehr Selbstachtung! Haben wir denn umsonst seit Mendelssohn für Gleich- Stellung gekämjift? Ich weiss nicht, ob in den rabbinischen Schrifteu dieses Gleichniss angewendet wird. Heute ist gegen dasselbe Opposition zu machen. Schade die wunderbar schöne Melodie dazu! — Zu coriigiren ist ein Druckfehler: Auf dem vorletzten System, erster Tact, letzte Note im Alt muss cis '/’* ■ statt 1 4 notirt sein. Eine ebenso schöne Composition ist das ״Bundeslied;1 Nach einer ltitaetigen Einleitung des Orchesters (oder des Claviers) beginnt die ersten Taete im Solo und in der audern Hälfte der Chor nnisouo confcrin der Einleitung. Iti Taete weiter lässt sich wieder der Solist hören, dem dann der Chor ebenso lang in der ersteren Weise folgt.. Nach einem wiederholten Solo, Moderato 4/4 schliesst es im Finale largo 6/״ mit Solo und Chor ab. Diese Composition ist auch mit einfacher Pianofortebegleitmig gedruckt und besonders 1 geeignet für jede gesellige Vereinigung. Aut dieses : Lied: ״Wie schön und lieblieh ist es, wenn Brüder 1 in Eintracht“ etc. seien namentlich die Mitglieder des Ordens ״B’ue Berith“ bei ihren geselligen Zusammen- , künften und Festen aufmerksam gemacht. Es ist , sehr leicht und sanglich und wie Alles, was Schönj fehl schreibt, melodifenreich. Heide Compositionen; werden die sangeslustigen Freunds desselben ver- | mehren. Siegfried G r a f-Essen. I ('I11־<n1(11«j;isf lies. Herrn S. S p i r. 11 <1 ׳-Taniow verdanke I ich die Mittheilung. dass der von 1״ir in No. 47 des ״Litt.-Bl.“ i erwähnte Irrthum in Ihn Esra’s אגרת ״שבת eich auch aus I dem Eingunge genannter Schritt nach weisen und auf unvollständige Wiedergabe des Datums Seitens des Herrn Referenten zurückführen lasse. Die betr. Stelle heisst: בשנתל‘ אלפים ותש״ מאות ותשע עשרה שנה בחצי ה.לילה בליל השבת ויהי בארבעה עשר לחדש סבת ובו׳• weiter erzählt 11m Es״», dass er gleich nach dem stattgehabten Traume angelobt habe, gleich nach Sabbathausgang einen langen Brief zu sein eiben. Da der Sabbath aui 14. Tebet war, gehörte natärlich der מוצא' שבת schon zum 15. Monatstage. Die Weglassung der in dem vorstehenden Datum gesperrten Wörter hat das Falsum vei anlasst. Beim Copirec von Daten ist grösste Vor sicht Bedingung, wenn nicht Irrtliümer entstehen sollen. Cohen -Rees a. R11. \ crantwortliclier Redacteur Dr. Rah me r, Magdeburg. Druck von D. L. Wol f f, Magdeburg. Verlag von Robert F r ie s e, Leipzig

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