Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 44. (28.10.1887)
- Date
- 1887-10-28
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/6492408-5990847-5991236--1301-5368517- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
J* 4*•- Jüdisches titteratur ■Blatt. Zir BilwAtuf Hlltr JiIiiUbii •«4 kttrcffeili■ IlttorariRefceB 1ז• «ehfliiign nf 4«m Seblit« dar Phil«• Mpkte, fluehiebt«. Xthiogripkie, Tkw• lorie, OritRUlU, btgMt, HoBlletih. Utuyik, PKUgoglk• Herausgegeben ▼on Rabbiner l>r. Moritz Ralimer. 28. ökto&ti 1887, Bien er «irret■•« 11!Affigem UtUr«t«r,welehe der Kedmet.un ngeuadt werde«, fUd•» |N dleeew Rletteetafelieade BMpreokvip Hei Eletendaeg von xwei ReeeaHlon•- KxeapUre■ erfelgt •tiaillg« Bars« tlretU'lnsertto*.. Das Mische Litteratmr-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhendlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 6 Hark. Abonnenten der ,Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei a len Postanstalten and Bachhandlungen 8 Hark kostet) erbalten das ״Jüdische Litteratar-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 26 Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 16 Hark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. |W Bnohh&ndler, welche direct oder durchRobert. Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25־ )( Rabatt. Inhalt: Zum siebzigsten Geburtstag des Prof. Dr. H. Graetz. Wissenschaftliche Aufsätze: Zum siebzigsten Gebartstag des Prof. H. Graetz. Nachtrag. — Die Uebersetzang des Talmud. Von Dr. Goldschmidt-Birkenfeld. Litteraturbericht: Becension: Darlacher, E. Joseph etees frkree. Litterarische Notizen. Nachdruck nur mit •voller Quellenangabe gestattet. |־ieb;igfirn ffirbarfatng Des |Jr0f. $r♦ $. 2)1» Ijaft, 0 ®leifter, uns ben 2$urm erridjtft, ®on bem ber Slitf in ferne 3eit uns füljrt; 2>u Ijaft, bon (Sott 41t frommem ä&ert gefürt, 2)en i)0i)en ®au uns J>rä$tig anfgef<fji$tet Unb jeben ®tein ^aft forgfattt 2>u geftdjtet; 2>u Ijaft ben (Seift belehrt, baS £crj gerührt, $n bift ber tJJetfter, bem ber ®reis gebührt: @anj SSrael füljlt fitb btr tief berf)flirtet. SBaS 2>u in ernfter ftorftyimg Mar ergrünbet, f>aft 2)tt mit Ijeifeer Seele bann bnrdjglübt, Söie ein tyroptytt mandj f)0t)c5 Sßort oerfünbet 2)00 tief nnS bringt in’S innrrftc (Sern&tl}; (Senie nnb Cif er finb in 2ir berbünM; Cin bauernb Söcrl ift aus bem ®unb erblüht. * Znm siebzigsten Geburtstage des Prof. H. Grätz. Nachtrag. Von einem ehrwürdigen Greise erhalten wir über Grätz’ Jugend noch folgende interessante Notizen: ״Ungefähr im Monat September 1830 brachte seine Mutter, Vaugel, den kanm 14jährigen Knaben Hirsch nach ihrer Vaterstadt Wo Hst ein, woselbst sie noch zwei Schwestern wohnen hatte, nach Art und Weise ven Channa, die ihren Sohn Samuel zu Eli gebracht. Ich weiss mich der Mutter noch reeht lebhaft zu erinnern, eine kräftige Mittelstatur, mit leuchtenden grauen. Augen, aus welchen Geist und Gemüth strahlten; ich kann mir noch lebhaft vergegenwärtigen, wie sie halb bekümmert und fast rathlos dastand wegen Beschaffung des Unterhalts für ihren Sohn. Ihre Schwestern nährten sich kümmerlioh; trotzdem nahm die eine den Jüngling bei sich auf, es war die jüngste, Esther mit Namen. Und so wurde Gr. ein eifriger und lernbegieriger Schüler des Ortsrabbinen Samuel Sanwil Munk. — Schreiben and Lesen war gerade nicht alles, was Gr. aus der Heimath Zerkow nach W. mitbrachte ־, auch ein, ich möchte sagen, angeborener Hang und Drang nach Wissen brannte wie eine beständige Lampe in seinem Innern and trieb ihn an. denselben zu befriedigen. Gr. war sein eigener Lehrer. Er fing mit dem alten, dickleibigen Meidinger an, sich im Französischen zu unter* richten und musste diese Grammatik vom Anfang bis Ende sich einpauken. Keiner seiner Bekannten vermochte ihm rathend und helfend an die Hand zu gehen, dabei vernachlässigte er das Talmadstudium nicht, war vielmehr einer der besten Schüler, so dass sein Lehrer Munk sich zum Oefteru dahin geäussert bat: Hirsch sei ein ״choschewer Bocher“. Dabei las Gr. nicht bloss fleissig Tenach und deutsche Klassiker, sondern auch wissenschaftliche Werke, mit Vorliebe die der Geschichte, Naturgeschichte, selbst der Physik und Astronomie und mit besonderer Vorliebe die der Botanik. Auf letzterem Gebiete hatte er es zu jener Zeit ziemlieh weit gebracht. Wir gingen mitunter aufs Feld hinaus und wusste er fast jede Pflanze mit ihren Merkmalen zu nennen, und Abends war er wie der Nehardeaer Samuel am Himmel zu Hause — allerdings erst nach