Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 42. (14.10.1887)
- Date
- 1887-10-14
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/6492408-5990847-5991234--1294-5368512- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
— 164 Recensionen. Jerusalem. Jahrbuch zur Beförderung einer wissenschaftlich genauen Kenntniss des jetzigen und des alten Palästina. Herausgegeben unter Mitwirkung von Fachmännern im heil. Lande und ausserhalb desselben von A. M. Luncz. II. Jahrgang. Jerusalem 1887. Fünf Jahre?ind verflossen, seitdem der erste Jahrgang dieses Jahrbuches das Licht der Welt erblickt hat, gewiss kein Beweis grosser Theilnahme für das Unternehmen. Diese Gleichgiltigkeit gegen ein so verdienstvolles Unternehmen ist zwar ungerechtfertigt aber erklärlich. Zum Verständnisse dieser Zeitschrift gehört Kenntniss der hebr. Sprache und Interesse für das heil. Land. Die erstere ist nicht sehr verbreitet, und wo sie vorhanden ist, da feslt meist das nöthige Geld zum Abonnement, und das Interesse für Palästina wird anderseitig, namentlich durch die Chaluka, in Anspruch genommen. Ueberdies werden Spezialzeit- Schriften immer nur auf einen kleinen Leserkreis rechnen dürfen, daran werden unsere besten Wünsche für das Gedeihen des ״Jerusalem“ nichts ändern; wenigstens glaubt der Herausgeber, nachdem die Abonnentenzahl nunmehr nahe an 500 beträgt, das regelmässige Erscheinen des Jahrbuches in Aussicht stellen zu können. — Das vorliegende Buch besteht, wie das vorhergehende, aus einem deutschen und einem hebräischen Theile. Der erstere ist der bei weitem kleinere und scheint überhaupt nur den Zweck zu haben, den Abonnenten, welche des Hebr. nicht genügend mächtig sind, um den Haupttheil zu verstehen, doch auch etwas zu bieten. Er enthält mehrere kleinere Abhandlungen verschiedenen Inhaltes und Werthes. Den Anfang macht ein Aufsatz ״Chaifa und Karmel“ von Lawrence Oliphant, welcher hauptsächlich den jetzigen Zustand der Gegend im Vergleiche zu dem frühem schildert. Dergleichen Aufsätze haben ein aktuelles Interesse. Mau kann von der Colonisation Palästina’s halten was man will, so wird man doch zugestehen müssen, dass, wenn sie sohon versucht wird, sie nur an günstigen Orten und unter günstigen Bedingungen versucht werden darf, was bekanntlich nicht immer geschehen ist. — ״Gilgal“ von Baurath G. Schick, Das Wort Gilgal bedeutet nach dem ן Verf. einen Steinkreis, wie er an verschiedenen Orten I als heilige Opferstätte errichtet wurde. Es gab mehrere \ Gilgais und noch heute kommen Orte mit Namen Dschildschilia wiederholt vor. Das Gilgal Josua’s ist an der Stelle des heutigen Dorfes Richa zwischen Jordan und Jericho zu suchen. — ״Die Vögel Palästina’8“ von Sela Merill, Consul der V. St. Der Naturfreund wird aus dem kurzenf allgemein gehaltenen Bericht nicht viel Belehrung scköpfen. — — ״Moab“ von C. Schick, eine Geschichte Moabs auf Grund der biblischen Erzählungen ohne historische Kritik. — ״Neue Entdeckungen inJerusalem“ von Sela Merill, eine Untersuchung über die zweite Mauer in Jerusalem und über die Gräber am Damaskusthor, interessante Beiträge zur Topographie Jerusalems. — ״Beiträge zur Typographie“ von Dr. A. Berliner, zählt die Bücher aut, die in Saphed gedruckt wurden. Bemerkenswerth ist, dass das erste Werk, dort im Jahre 1563, in demselben Jahre gedruckt wurde, in welchem auch die Portugiesen das erste Buch in Goa gedruokt haben. — ״Die sanitären Verhältnisse Jerusalems“ von Dr. Schwarz. Der Arzt des Rothschildschen Hospitals entwirft ein trauriges Bild von dem Gesundheitszustände der heil. Stadt. Da zuweilen Lungenkranke von ihren Aerzten nach Jeius&lem geschickt werden, sieht er sich veranlasst, davor zu warnen, da der häufig vorkommende Staub der Lunge nioh|t dienlich ist Viele Krankheiten Verantwortlicher Bedacteur Dr. Bahmer, Magdeburg. Druck v. schreibt er der herrschenden Unreinlichkeit zu. Im vergangenen Jahre standen imRothschild’sohenKrankenhause 538 Personen in Behandlung; am häufigsten kam febri8 intermittens und zwar in 167 Fällen vor. — Den Schluss des deutschen Theiles bilden statistische , Angaben über die Schulen in Jerusalem und den 1ך Handelsverkehr im gelobten Lande. Der hebr. Theil beginnt mit einer Arbeit des Herausgebers: ״Die Juden in Palästina.“ Sie soll eine Geschichte der jüd. Ansiedelung in Palästina, namentlich in Jerusalem enthalten. Der vorliegende 1. Theil umfasst den Zeitraum von der Ankunft des Nacbmanides bis zur Ankunft des R. Obadia aus Bertinoro inJerusalem (1267—1442): der zweite Theil soll die Fortsetzung bis zur Vertreibung der Juden aus Spanien bringen. Die Darstellung ist fesselnd, dabei gründlich und wird gewiss von jedem Leser mit Dank aufgenommen werden. —״Die Grenzen Palästina’8 und Syriens“ von M. Friedman. Der unermüdliche Verfasser giebt auch durch diese Arbeit einen Beweis seiner Gelehrsamkeit. Die Arbeit, die auch räumlich die bedeutendste im ganzen Buche ist, ist weniger historischen als vielmehr ezegetisohen Charakters, denn es werden unter Zuhilfenahme des Talmuds, denNj alten Uebersetzer und der Midraschim die Grenzen'" des gelobten Landes, wie sie im 4. Buohe Mos. Cap. 34, im 5. Buche Mos. C. 39 und Ezech. Cap. 47 angegeben sind, erklärt. Nicht ohne Widerspruch dürfte die Ansicht des Verfassers bleiben, das allenthalben in der Bibel unter ארם נהרים nicht Mesopotamien, das Land zwischen Euphrat und Tigris, sondern das Land zwischen Euphrat und Orontes zu verstehen sei. Die Beweise, die der Herr Verf. beibringt, sind nioht so überzeugend, wie sie es bei einer Behauptung sein müssten, die altbefestigte Ansichten umstossen soll. Unter dem Titel ״Moses in Jerusalem“ schildert der Herausgeber die sieben Reisen des sei. Montefiojre, nach Jerusalem und desseD Thätigkeit daselbst t^ad setzt dem verewigten Wohlthäter des heil, Landes ein ehrendes Denkmal. — Hierauf werden einige Briefe veröffentlicht, und zwar 3 von einem gewissen Simson Bach, 1 Bann und 3 Bettelbriefe. Wir müssen zu unserer Schande gestehen, dass wir nioht gut begreifen, weshalb diese Briefe für würdig befunden wurden, der wohlverdienten Vergessenheit entrissen zu werden. — ״Erläuterung einiger biblischen und rabbinisohenStellen“ von J. M. Pines. Der Verf. geht mitReeht von der Ansicht aus, dass manche Ausdrücke in Bibel und Talmud nur dann richtig erklärt werden können, wenn man die Dinge selbst an Ort und Stelle in Augenschein genommen habe. Am interessantesten dürfte die Erläuterung von גולל und pBH sein, die nach denn h Verf. nicht den Zweck hatten, die Gräber, sondern die Grabhöhlen zu verschliessen. — Zum Schlüsse giebt der Herausgeber einen Rückblick über die letzten fünf Jahre. Dieser Zeitraum ist insofern für die Geschichte Palästina’s von Wichtigkeit, als die Verhältnisse in Rnssland und Rumänien den Anstoss zu einer Masseneinwanderung der Juden gegeben hat. Das Ueberstürzte dieser Einwanderung hat natürlich sohlimme Folgen gehabt, zu beklagen ist hauptsächlieh, dass der ganze Strom der Einwanderer nach Jerusalem sich wandte, wo die Erwerbs Verhältnisse die denkbar schlechtesten sind, während z. B. in Jaffa doch eher Gelegenheit zur Ernährung geboten ist. — Man sieht, dass das Jahrbuoh Vieles bringt, hoffen wir, dass es auch Jedem etwas und dem Herausgeber am meisten bringen wird. Flaschner-Bernbur#. Zu berichtigen ist in vor. No. S. 156b Z. 7 v. u. nicht st׳ auoh; das. Z. 9 v. u. der st. das; S. 157a Z. 22 v. o. verschafft st. verschaffen; S. 158a Z. 3 ▼. 0. auf richten st. anstreichen: Z. 36 v u. einer lieber st. eine Arbeit; Sp. b Z. 24 v. o. ein Mittel st. eine Maske. 8.169b Z. 26 v. u. gefestet st. gefasst. D. L Wolff, Magdeburg. Verlag von Bobert Fries•, Leipzig,