Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 40-41. (2.10.1887)
- Date
- 1887-10-02
- Page
- [Seite] (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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־eundem Menscheuverstand verbanden auftritt Ge- -wiss werde ich Ihnen nicht in jedem Fülle zastimmen können, wo Sie vielleicht mit allzugrosser Zuversicht das Richtige getroffen zn naben meinen; allein das hindert mich nicht anzuerkennen, dass Ihr Buoh durch eine Fälle vortrefflicher Emendationen -eine wesentliche Bereicherung der biblisohen Litteratur ist.“ — Dies TJrtheil galt dem Psalmenkommentar und bekundet, welchen Werth ein Mann, der im Bibel- Studium grau geworden, dem Grätz’schen Werke beilegt. Gratz blickt au seinem siebzigsten Geburtstag auf Jahre der Arbeit uni des Erfolges zurück, die Arbeit hat auch ihm wohlgethan, er besitzt eine Frische, eine .Jugendlichkeit und Elastizität des Körpers und des Geistes, die ihm noch viele Jahre segensreichen Schaffens verheisst. Es schien un* der Gesinnung dieses Mannes zu entsprechen, dass wir zu seinem Jubeltage unsere freudige Theiluahme nicht durch eiuer überschwenglichen Hymnus, soudern durch diese unbefangene Würdiguug seines Wirkens bekunden. R i p p u e r. Zur Chronologie. Von L. Colien, Lehrer in Rees a. Rhein. (Fortsetzung aus No. 3t(.) Durch das freundliche Entgegenkommen des geehrten Herrn Redacteurs, welcher mir bereitwilligst die betreffenden Jahrgänge der ״Monatsschrift für <iie Geschichte und Wissenschaft des Judenthums“ zur Verfügung stellte, wofür ich demselben hierdurch meinen herzlichsten Dank abstatte, ist es mir möglich geworden, meine chronologischen Notizen zu denselben nochmals prüfen uud die in No. 23—25 des Litt.-Bl. mitgetheilteu Bemerkungen hiermit fortsetzen zu kouuen. Jahrg. I. (1851—52) S. 514 unten sagt Herr Dr. Grätz: Für unsere Quellen ist es aber ausser Zweifel, dass mau fiir’s christliche Jahr 311 abziehen und für das Jahr der Welt 3449 zuzähleu muss. (Von und zu der מגין שטרית). Es ist höchst nöthig, dass man sich darüber verständige uud einige. — Herr Dr. •Gratz wolle mir verzeihen, wenn ich hiergegen einwende, dass wir auf diese Weise nicht zum Ziele kommen. Wie sich bei meinen diesbezüglichen Unter- Buchungen zum ötteru herausgestellt, giebt es Fälle, wo nur durch das Hinzuzähieu vou 3448 das richtige Datum zu ermittelu ist. Es fehlt eben eia bestimmter Ausgaugspuukt für den Beginn der seleucidischeu Aera, und so lange dieser nicht gefunden, lässt sich eine zuverlässige Norm nicht aufstelleu. S. 516 unten: Das VTID berichtet כשנת הש״ל ורו כיוס בלע התלי את הירח ונראו כוכבים ביות■ Während dieses Naturereignisses soll R. Acha b. Raba gestorben sein und zwar im Jahre 419 am 19. des Monats Juli. Hierzu wird bemekt: Wir erfahren dadurch genauer den Todesmonat R. Acha’s, nämlioh im 19) תמח. Juli). — Dies ist ein Irrthum, denn der 19. Juli 419 fiel mit Sabbath, dem 11. 4197 אב, zusammen. סדר הדורות (Warschau, 1883) hat תש״ל לשטרות הוא ד״א קעח entsprechend der Summe von 7 30-)-3448. S. 520, Z. 9 v. u. ist die Jahreszahl 401 wohl ein Druckfehler für 411. Jahrg. II, (L853) S. 273, Z. 16: Die Synagoge zu Brüssel wurde 1834. am 4. April — שבת הגדול — eingeweiht. — Der 4. April 1834 war am Freitag, 24. Adar H — לרב פרשת החדש. — s. 364, z. 10: (1687) •בתאריך יוס אל ב׳ כ״ח לאייר תנ״ה התמ״ו — Der 28. Jjar war am Sonntag. (Was bedeuten die Worte בתאריך יום uud תנ״ה?) Recen.8ion.en. Trauerrede an der Bahre des Rabbiners Dr. P* F. Frankl von Dr. S. Maybaum. Berlin 1887. Dr. Maybaum hat in dieser Rede dem Verewigten und der Freundschaft, welche die Kollegen so innig verband, ein sohöues Denkmal gesetzt; keiner wir dazu eher geeignet, denn Maybaum hatte Frankl nicht erst als fertigen Mann kennen gelernt, sondern er hatte auch den Werdenden beobachtet, der in Breslau allen seinen Kameraden durch sein weiches, sanftes schmiegsames Wesen ein so lieber Genosse geworden ist. Die Rede Maybaum’s erträgt auch ganz gut eine völlige objective Baurtheilung nach ihrem homilelischeu and künstlerischem Werthe; aber das Lot» würde gewiss den Antor kühl lassen, wenn man ihm sagte, er habe an der Bahre des Freundes eine schöne Rede gehalten; sie ist mehr als das; sie ist der Ausdruck eines tiefen und heissen Empfindens, eines Empfindens, das angesichts der Bahre des Freundes angesichts der klagenden und beklageuswerthen Gattin am liebsten darauf verziohtet hätte, sich laut zu äussern, wenn nicht die ernste Pflicht es geboten, der allgemeinen Trauer Worte zu leihen. Es ist wohl begreiflich, dass die grosse Schaar der Hörer den Wunsch hegte, die Rede gedruckt zu sehen und als dauerndes Erinnerungszeichen zu besitzen, die gesprochen einen so tiefen Eindruck gemacht hatte. 13er Text der Rede ist das Prophetenwort, das einst nach der schönen Sage des .Vlidrasoh Gott selbst als Gedächtnisswort über Aron gesprochen ״die Lehre der Wahrheit war in seinem Muude und kein Falsch auf seinen Lippen etc “ und welch’ ein glänzen les Zeugniss ist es für den Todten, dass Dr. Maybaum überzeugend nachgewiesen hat, wie gut aut Frankl dies Prophetenwort passe.*) Von der tiefsten Wirkung sind die Stellen, wo der Redner Cicate aas der Au* trittsrede Frankls in Berlin in die Leichenpredigt bineinwebt. Die Klagerede um Frankl beweist, dass die Berliner Kanzel auch nach dem Tode dieses beredten und gelehrten Mannes nicht verwaist ist. Bei diesem Anlass sei es erlaubt eiueu letzten Wunsch des Verewigten, der auch das jüdisohe Publikum angeht, öffentlich auszusprechea. Als Refereat in deu letzten Wochen vor dem Tode Frankl’s mit diesem körperlich so mü len uud geistig so frischen und regen Manne sioh über die mannigfachsten Angelegenheiten unterhielt, kam Frankl einige Mal mit einen litterarischeu Plan zurück, .deu er im Vereiu mit seiueu Berliuer Kollegen ausfütuen wolle, nämlich eine Sammlung der Grabreden, welche diese Preliger bei dem Tode hervorragender jüdischer Mänuer im Laufe des letzten Jahrzehents gehalten haben. Es ist leicht einzusehen, dass eine solohe Sammluug einen grossen kulturhistorischen wie homiletischen Werth besitzen wird.**) Den zahlreichen Freunden Frankl’s wäre sie besonders willkommen als eine Erinnerung an ein Leben, dessen frühes Ende manche Hoffnungen zerstört hat, das aber doch auch manche schöne Leistuag aufzuweisen hat. Frau Dr. Frankl wird gewiss gern zu einem solchen Unternehmen die Hand bieten. Dr. Maybaum wird zweifellos dem Freunde dieseu letzten Dienst erweisen, ein litterarisohes Vermäohtuiss desselben möglichst sorgsam zu erfüllen.***) *) Bekanntlich stehen diese Prophetenworte auch aut des; sei. Dr Michael Sachs Leichenstein. (Red) , **) Einen kulturhistorischen Werth vermöge wir darin | weniger, als einen homiletischen zu linden; denn aas de mortuis! nil u18i bene zwingt deu Redner, Licht ohne Schatten zn g •ben. j ***) Vielleicht liesse sich damit die Herausgabe guter I Originalpredigten der Berliner Prediger verbinden. (Red.) ■׳ Verantwortlicher Uedacteur Dr. ltahmor, Magdeburg. Druck von D. L. Wolf(, Magdeburg. Vertag vou ltobjit Friese, Leip •ig