Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 39. (23.9.1887)
- Date
- 1887-09-23
- Page
- Seite 154 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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D 154 — vuser vnd des ßeichs Cammer vnd den andern halben thail obbesagter Jüdiscbait zu ilanaw, vnnachlässlich zu bezahlen verfallen sein solle. Mit vrkhundt diss Brieffa, Besiglet mit vnserra anhangenden Kaiserliehen Insigl. Geben auf vnserm Königliehen Schloss zu Prag, den Fünflzehendten Tag des Monats Marty nach Christi VDsers lieben Herrn vnd Seeligmachers Geburt im Sechzehnhundert Achten, vnserer Reiche, des Römischen im Dreyvnddreissigsten, des Hungrisohen, im Sechsvnddreissigsteu vnd des Behemischen auch im Dreyvnddreissigsten Jahren. Rudolff. Confirmatio der Judenschuel zu Hauaw. Ad mandatum sacrae Caesaris Majestatis proprium G. Her teil. Litteratuvberieht. Recensionen. Kurroiu, Dr. Adolf. Rabbiner xu Bielitz. Traum und Wahrheit. Lebensbild Joseis nach der Aagada. 1887. Im Selbstverlag des Verfassers. Besprochen von I)r. Krakauer, Rabbiner in Pasewalk. (Schluss.) Von verschiedenen Einzelheiten, die hier noch zu bemerken wären, sei zunächst hei vorgehoben, dass der Herr Verfasser bei dem Nachweise der Stellen in Joseph. Antiquit. die mit der Erzählung der heil. Schrift in offenem Widerspruche stehen, es unterlassen hat, auf den Bericht (II. 7) hinzuweisen, nach welchem Jakob die Kunde, dass sein Sohn noch lebe und Herrscher in Egypten sei, ״nicht für, unglaublich hielt,“ die Schrift hingegen berichtet כי לא האמין להם j ״Er glaubte ihnen (seinen Söhnen) nicht“. Ferner i hätten wir gewünscht, dass aut Seite 45 die Dar- \ Stellung des Herrn Verfassers gelautet hätte: ״Josef, j der damals 18jährige schon der Botmässigkeit und ( dem wachsamen Auge des Vaters entrissene, wurde von Gott besonders in Schutz genommen“, j Nur bei einer solchen oder ähnlich lautenden Fassung 1 des Satzes ist auch der eigentliche und vollständige I Sinn der Midraschworte (zu dem Texte ויה, הי את יוסף) j und des im Zusammenhänge angeführten Gleichuisses j in entsprechender Weise wiedergegeben.! Bevor wir nun zum Schlüsse schreiten, möge es uns gestattet sein, einige Bemerkungen zu äussern über zwei von dem Herrn Verfasser benützte Quellen, über Josephus und über das Buch Hajaschar. Man thut, unseres Erachtens nach, dem Josephus Unrecht, wenn man glaubt, dass ail :■eine Abweichungen von dem Inhalt der heiligen Schritt, hervorgegangen sind aus dem Eifer, zu den Römern zu sprechen. Mau bedenke, dass Josephus sich zum römischen Weltmann ausgebildet hatte und dass ihm bei der lange unterbrochenen Beschäftigung mit der heiligen Schrift so Manches aus de■ Gedächtnisse entschwunden sein müsse, dass er aus diesem Grunde auch Verhältnisse mit einander verwechselt und uubewusst den unsicheren Boden der Sage beschreitet, während er selbst seine Erinnerungen noch für ganz sicher hält. Wahr ist, dass er zu den Römern sprechen und ihnen darthun will, wie der Geist der stoischen Philosophie schon seit den frübesten Zeiten im Judenthum lebendig und wirksam ge• wesen. Dieses allerdings sorgsam verschwiegene Motiv seiner Geschichtsschreibung zeigt sich bei ihm aut Schritt und Tritt so z. ß. in d-r von ihm dargestellten Rede des Juda an Josef. ״Lass dich nicht einnehmen vom Zorn, von dem kleinliche Menschen Verantwortlicher Redaeteur Pr. Rahmer, Magdeburg. Druck vo j in grösseren wie in kleineren Dingen sich so leicht j förtreissen lassen;“ kurz, die Spuren stoischer Denk- | weise treten ungemein zahlreich in Josephus Gej sichichtsdarstellung auf, aber mit Absicht ist er nie in einen Gegensatz zu dem Inhalte der heiligen Schrift getreten. Was das Buch Hajaschar anbelangt, so ist es in seiner gegenwärtigen Gestalt allerdings sehr jungen Ursprungs; doch verräth es Stimmungen die auf eine Zeit schwerer politischer Kämpfe hindeuten. Das Buch sohildert mit auffallend breiter Darstellung Belagerungskämpfe und Zweikämpfe und wir begegnen gar oft dem Gedankes, dass Vertrauen auf Gottes Hilfe und persönlicher Muth auch einer noch so kleinen Minderheit den Sieg sichern können. Esau, wird erzählt (Seite 40 u. folg. d. Prag. Ausgabe) hatte auf dem Zuge gegen seinen Bruder Jakob viermal nacheinander den visionären Anblick von Tausenden bewaffneter Reiter, die immerdar wiederholten ף,לא אנחנו עבדי יעקב עכד אלהים ומי יוכל לעמוד נגדינו. Der drohende Anblick dieser Reiterschaaren wandelte Esau’s Gemiith zum Friedeu gegeu Jakob, der während dieser Zeit, im inbrünstigen Gebete gegen Gott die Nacht durchwacht hatte. In den Kämpfen, in welche die Söhne Jakobs allmählich wegen des Raubes der Dina mit den umgebenden Völkerschaften verwickelt wurden, bildete sich schliesslich, wie das Buch Hajaschar erzählt, die Ueberzeugung aus אך הנה מלחמות העברים אשר המה נלחמים בשבעת הערים הנגש־ם אליהם ומי יוכל לעמוד לפני העברים ההם ויראו כל יושבי ערי הכנעני Juda spricht zu כי מי יובל לעמוד מפני גבורתם החזקה ... Josef, der (S. H. p. 51) sich seinen Brüdern noch nicht zu erkennen gegeben: הלא ידעת אם לא שמעת כי אברהם אבינו עם עכדו אליעזר הכו שניהם את כר מל־ כי עילם עם צבאותיהם ־ י־ ומהיום ההוא והלאה נתנה לנו גבורת אבינו לרשתה לנו ולזרענו עד עולם. ייען יוסף ויאמר אמת תדברו כזב אין בפיכם כי גם היגד לנו כי יש לעברים גבירה חל אלהיהם חפץ בם מאוד ומי יובל לעמד בפניהם• (S. H 71 b) Ob nun diese und ähnliche oft wiederkehrenden Schilderungen glänzender nationaler Erfolge und der häufige Hinweis auf die Bemühungen der Ahnen, das Land Canaan dauernd zu besitzen, der innersten Herzensstimmung der Juden im 12. oder 18. Jahrhundert entspricht, der Zeit, in welcher das Buch Hajaschar bereits in der gegenwärtigen Gestalt erscheint, ist unseres Erachtens doch sehr fraglich; eine tiefer eingehende Untersuchung würde, wie wir glauben, darlegen, dass dem Buche sehr alte Quellen zu Grunde liegen, welche jedoch mit Berichten sehr jungen Ur- Sprunges vermischt worden sind. Wenden wir nun nochmals den Blick zur Schrift des Herrn Dr. Kurrein zurück, so drängt es uns zum Schlüsse abermals hervorzuheben, dass die Idee des Buches eine reoht glückliohe zu nennen ist, die Dar- Stellung eine recht lebendige und anziehende genannt werden muss, dass es jedoch bei einer etwaigen zweiten Auflage der Schrift dringend geboten erscheint, eine sehr sorgfältige Auswahl der agadischen Elemente für den modernen Leser zu treffen, weun auch der Zweck der ״Belehrung“ in vollkommenem Maasse erreicht werden soll. Litte rar ische Notiz. TalmudUbet'setzuag. Herr Landrabbiner Dr. G 01 d s o h m i d t- Birkenfeld hat eine deutsche Ueberseizung des schwierigen Talmud-Tractats S y n h e d r i n beendet, dieselbe soll durch den Di uck — wahrscheinlich iu Lieferungen — veröffentlich* wer- , den. 1\Vir werden ira neuen Quartal einige ״Uebersetzungs- "י proben“ des talmudtüchtigen und übersetzungsgewandten Autors bringen, sowie einen Artikel über die von ihm י beobachtete Uebersetzungsmethode. lted.l D. L. Wollt, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig