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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-09-16 · N° 38. (16.9.1887) · p. Seite 150

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 38. (16.9.1887)
Date
1887-09-16
Page
Seite 150 (sequence 6)
Language
German
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150 * die belehrende Bedeutung seines Lebensbildes würde dann als eine fragliche und zweifelhafte erscheinen können, insbesondere, da seine Lebensschicksale that• sächlich ungewöhnlicher Natur sind; vielmehr tritt uns Josef, so zu sagen, menschlich näher durch die Schilderung von Schwächen und Fehlern, für deren Glaubwürdigkeit die Erzählungen der heiligen Schrift einige Anhaltspunkte bieten könnten. Aber Anschuldigungen, die den dunkelsten Schatten gleich, das sonst so hell strahlende Lebensbild Josefs gänzlich verdüstern und nur als die Erzeugnisse einer ungezügelten Einbildungkraft gelten können, müssen ganzlieh vermieden werden. Selbst, wenn der Herr Verfasser nur in wissenschaftlichem Interesse eine urkund liehe Darstellung der gesammten sagenhaften Elemente in dem Leben Josefs zur Aufgabe sich gesetzt, hätte, so durfte er unseres Erachtens nach, keineswegs die oben citirten Stellen aus dem Buche Hajaschar ohne jedwede begleitende Bemerkung dem geistigen Auge des Lesers vorführen, da der Inhalt dieser Sagen ein in hohem Grade befremdlicher ist', und schon den Geist jener Zeiten athmet, in welchen die Bethätigung feindlicher Absichten gegen die ״ tJngläubigen“ als das höchste Verdienst des Lebens erachtet wurde. Dagegen entspricht es der logischen Entwicklung der Thatsachen und widerstreitet keineswegs dem Geiste jener Erzählung, welche uns die heilige Schrift über die Lebensführung Josefs darstellt, wenn der Herr Verfasser, im engen Anschluss an die Agada, auf die wiedererwachende Eitelkeit des Josef hinweist, die sich von Neuem hervordrängte, nachdem er seine Lage als gebessert ansehen konnte und die jedenfalls auch als eine Quelle der später entstehenden Widerwärtigkeiten in dem Hause des Potiphar, betrachtet werden könnte; oder wenn uns erzählt wird, wie Josef in der Fremde schliesslich den Wechsel seines Geschickes, seine Abwesenheit vom Vaterhause als ein von Gott gesandtes Glück betrachtete, Schilderungen, die übrigens auch von der grossen Erzählungsgabe, die dem Herrn Verfasser eigen ist, ein neues beredtes Zeugniss ablegen. **) Obschon der Herr Verfasser, wie wir bereits rühmend hervorgehoben haben, ein sehr eingehendes Quellenstudium unternommen hat, vermissen wir dennoch zwei, auch in exegetische! Beziehung, nicht unwichtige agadische Elemente. Jedenfalls hätte volle Aufnahme verdient, was Josephus erzählt (Alterthüm. II. 7), dass Josef den Vater langsam nach-׳ ziehen liess, mit fünf Brüdern aber zum Könige eilte, um ihn von der Ankunft seines ganzen väterliehen Hauses zu benachrichtigen. Wir gestehen, dass **) Als ein Muster der überaus lebendigen und anschauliehen Darstelluugsweise, die der Herr Verfasser besitzt, möchten wir folgende Schilderung der in Jakobs Hause stattfindenden Aufregung (nachdem Josef entfernt war), hersetzen : ,.Die Söhne, welche nun das Leid des Vaters sahen, bereuten ernstlich ihre unbedachte böse That und weinten heftig. Juda versuchte den Vater von der Erde autzurichten. er blieb aber starr, wie ohne Leben, was die Angst der Brüder nur um so höher steigerte, dass alle Söhne, deren Frauen und Kinder und alle Hausleute Jakob umringten und versuchten, ihn zum Leben zu bringen und einem Tröste zugänglich zu machen. Jakob blieb taub gegen jeden Zuspruch. Nun veranstalteten alle Fatnilienangehörigen .Jakobs eine grosse Trauer um Josef und über das Unglück Jakobs. Auch zu Isak, dem Sohne Abrahams, gelangte die Trauerkunde und er und sein ganzes Haus beweinten ebenfalls den Tod Josefs. Allesannut brachen sie auf von Hebron, ihrem Wohnsitze, und begaben sich zu Jakob, um ihm einen Trauerbesuch abzustatten und ihn zu ^trösten, Jakob wollte aber keinen Trost aunehmen.“ Solche Stellen, voll anscliaulicher Schilderung und einer oft berückenden Anmuth der Sprache, finden sich in der Schrift des Herrn Kurrein rocht zahlreich. Josephus diefSchwierigkeit löst, die uns immer beschättigt hat, aus welchem Grunde denn J0s9f zunächst seine Brüder und dann erst den greisen Vater dem Könige vorstellt, während man doch das Gegentheil zu erwarten berechtigt war Auch erklärt uns Josephus Bericht, in einer zum Mindesten zulässigen Weise, den tieferen Zusammenhang in den von Jakob an den König Pharao gerichteten Worten: ״Die Tage meiner Pilgerjahre sind hundert und dreissig Jahre; wenig und trübe waren die Tage meiner Lebensjahre und reichen nicht an die Tage der Lebensjahre meiner Väter in der Zeit ihrer Pilgerschaft.״ Nach Josephus soli nämlich (der König) Pharao den Jakojb wegen seines hohen Alters bewundert haben ״worauf Jakob bemerkte, dass er das Alter seiner Vorväter noch nicht erreicht habe“. Dieser Bericht des Josephus lässt aaoh auf einen noch freundlicheren Ton schliessen, in welchem Pharao zu Jakob geredet bat, als man dem ersten Anblicke nach aus den Worten der Schrift entnehmen könnte. (Schl, folgt.) Litterarische Notizen. Zu einem Schlusswort betr. Erklärung der Tossphoth (Taanith 1*1) gestatte ich mir nochmals, das Wort zu nehmen, r1 nicht für nach, sondern für-meinen Vater in Ungarn, der zu den Füssen des bekannten Rabbi Salman Charit in Makau gesessen. Mein Vater kanzelt mich, nach alter Jeschibaweise, recht derb ab. Er schreibt: ״Entweder könnt Ihr leider nicht lernen, oder wollt Ihr Euch nicht mehr mit der Gemoro ״so weh thun“, wie man das früher gethan hat.“ Für meine Person fürchte ich, dass dies ״entweder — oder“ mit einigem Rechte auch in ein ״sowohl — als auch“ umzuwandeln wäre. — Doch zur Hauptsache. In einer längeren, eingehenden Anseinandersetzung über das Verhältniss der Raschizur Tosaphoth-Erklärung der ganzen dortigen Stelle, die ich hier nicht ganz reproduciren will, gibt mein Vater folgende ohne Zweitel richtige, weil höchst einfache Erklärung aut unsere zwei Einwürfe gegen Tosaphoth, und zwar in der Art von חדא מתורצ‘ בב׳. Die Frage war: 1. Sollte wirklich ein so massenhafter Verbrauch von Menschenasche stattgefunden haben? 2. Was bedeutet in den תום׳ בד־ה אפר מקל die Worte . אותו עפר הוה פרבר הנשרף מעצמית ארם warum nicht einfach 7<. הוה מעצמות אדם — Nichts einiacher als dies. Eben weil an keinen so massenhaften Verbrauch von Menschenasche zu denken ist, sagten die Tosaphoth nicht, die Asche rühre her von Menschenknochen, sondern von Brennmaterial, welches an Menschenknochen entzündet wurde, דבר הנשרף מעצמות. Es handelt sich nur um וברק העקדה und zu זכר לדבר genügte das Feueranmachen mit עצמות. — Was für עצמות von Menschen aber bei der Akeda waren? Dazu verweist mein Vater auf Raschi zu Genesis 22,13: ,An Stelle seines Sohnes“ — wozu diaser Zusatz? Darum, weil er bei jedem Theile der Opferung betete: Möge es angesehen werden, als sei es an meinem Sohne vollzogen, als sei mein Sohn geschlachtet, als sei dessen Blut verspritzt, als sei er der Haut entledigt., als sei er in Rauch aufgegangen und zu Asche geworden, “ ד.כאלו היא נקטר ונעשה דשן — Dr. Gold Schmidt-Birkenfeld. In der Mischna Baba kamma 1,1 ist das Wörtchen הרי in dem Satze לא הרי השור כהר, ה0בעה grammatisch und logisch nicht gerechtfertigt, wenn wir הרי wie אר,י Daniel 7,2 gleich dem hebräischen ,הלה deuten wollten. Weder Raschi noch die Tossaphot, weder Bertinoro noch R. Lipman Heller erklären es. Das Richtige hat Aruch (Ed. Lemberg 1883 8. 23. Ed. Basel 169“ hat das Wort gar nicht). Er sagt nämlich ההי ist das griechische aprj ״Verderben“ (cfr. Homer Odysse H 59 Jliad. 24,483). — Nach Levy Ohald. Wörterbuch s. v. הר bedeutet diese Wurzel auch im Aramäischen ״beschädigen“, wie im Midr. wajikra cap^17: ״ לא הרהרתים בדזלייםich beschädigte sie ment durch Krankheiten.“ u״ jn fj (Man veigl. jedoch Ko hut im ״Aruch completum“, der diese Ableitung aus triftigen Gründen verwirft und das Wortchen aus dem Arabischen herleitet, wo es so viel wie ,,anwendbar passend“ bedeutet; oft steht dafür auch ראי. Red.) *) In diesem Sinne, dass der Wille Abrahams als L'liat — angesehen wird, wird die ״Akodnh“ in der ganzen Midrasch.‘1'־ Littoratur und Liturgie aufgefasst und vorn ״Aschenhaufen IsakV gesprochen; in seiner zweiten Entgegnung, die wir ihres Umtangs wegen nicht aufnebmen konnten, hat auch Herr Dr. Richter -Fileline dies angedeutet,. (Red.) Verantwortlicher Kedacteur Dr. Rah me r, Magdeburg. Druck von D. L. V\ oltf, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig,

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