Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 35. (26.8.1887)
- Date
- 1887-08-26
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 83% known words query
- IRI
…/6492408-5990847-5991226--1257-5368481- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Jüdisches •Ja-g x?‘; Litteratur-Blatt. &»r Beleiehtii! Ulv Jadntki■ ud Jade■ betrefftidei Httmrlteke* Kr* 1ek«l1u|eB aaf de■ Gebiete der Philo- «ophle» Getehlehte» EthROgraphie, Tkeo• 10*16, OrlMtalU, Exegeee• HeaMetlk, Lltarglk, Pidagoglk. Herausgegeben ▼on Rabbiner l)r. Moritz Rahnier. 91to^3^6wtxj, 26. €luyu*t 1887, Bicher der ela Hk!1*1 re• Utteratar.weleke der Bedaetloa rageeudt werde•, fladea 1• dlteea Blatte •Ingeheide Beeprechaag Bel Elaeeadaug to• awel Becenelea•• Zzeaiplarea erfolgt elanallge karae Grelle •laiertlon. Das ״JBdlsche Litteratur-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 6 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich be. allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark kostet) erbalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt•* gratis. — Inserate werden mii 25 Pf. Ihr die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 15 Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu sendent IV* Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten '25 yi Rabatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: Johannes Pauli und seine l Stellungznm Judenthum. VonSpanier-Hamburg.(Schluss.) — Zur Geschichte der Juden in Andernach. (Schluss.) Litteraturbericht: Recensionen: Sanders, Daniel füfs deutsche Haus. - נעים זמירות שמואל מאת שמואל חיים ולמן• — Dil 616gies häbraiques öcrites ä la mort prematuröe. — שירי אהל יעקב, Gottesdienstliche Gesänge für Israeliten von Rosenhanpb L itte rarischo Notizen. Nachdruck nur mit ■voller Quellenangabe gestattet. Johannes Pauli und seine Stellung zum Judenthum. Von Spanier-Hamburg. /f. (Schluss.) Pauli bemüht sich nämlich, in gehässigster Weise die Juden zu beschimpfen, das Judenthum zu verunglimpfen und — Mission zu machen, eine Renegateneigenthümlichkeit, deren psychologische Entstehungs- Ursache von selbst einleuchtend ist. Eine Text- und Gesinuungsprobe gebe ich mit folgender Geschichte, die uus zwar nicht die Kindschaft Gottes und die unbedeckte Empfängniss Maria, — aber den boshaften Charakter Paulis ofienbart: Von dem glauben. Vou־ ernst das cliiii. Vf ein mal kam ein cristen vnd ein jud zusamen wie sich die red begab, das der iud sprach. Ich möcht wol vfl glauben, das ir cristen in euweriu glauben haben, vsz genumen, das ir glauben das got der her in Maria sei gewesen, das kan ich nit glauben. Da sprach der crist warum!!, es ist leicht zu glauben, glaubestu nit, das got an allen orten ist. Der iud sprach, ia ich glaub es. Der Christen sprach, ist got in dem stein. Der iud sprach, ia. Der cristen sprach ist got in der katlachen. Da spraoh der iud, ia. Da sprach der cristen, verüucht seiestu, glaubestu das got in der katlachen sei, vnd nit in der reinen iunohfrawen Maria, vnd nam in bei dem hals vnd ward in in die katlachen vnd sprach, gang vnd such got in der katlachen. ln demselben liebenswürdigen Tone und mit viel Behagen erzählt Pauli eine Geschichte (Hist. 389), -r wie ein Jude am Sabbath in die Kotgrube (ohne Kot gehts nun einmal nicht) eines Christen fällt und an diesem Tage nicht von den Juden, am Sonntag aber nicht von den Christen herausgezogen wird. ״Da sprach der cristen, nit, nit ir armen iuden, hüt ist vnser Feiertag, es sol nit sein, gestert was es euwer Sabat vnd euwer feiertag, hüt ist es vnser Sontag vnd vnser feiertag. Also must der iud zwen tag in dem dreck vnd in dem gestanok ston * Recht charakteristisch und interessant ist die dieser Erzählung angehängte Moral:41) ״Es ist den oristen ein sohand, das die iuden ir gesatz bass halten, dan die oristen ir gesatz, und besunder den feiertag halten, was wir nit an dem wercktag mögen thun, das richten wir an dem feiertag vess die gantzen woohen sitzen wir vnd wercken au dem Sontag spilt man vnd sufft, und laufft den h . . . . nach, vnd in die dörfter vnd heischen schuld, vnd man fürt ipit dem karren vnd mit den wägen als wol an dem feiertag als an dem wercktag, vnd so das die iuden vnd heiden sehen so werden sie geergert, vnd werden nit cristen. Wan wir mit Worten vnsern glauben loben vnd riemen, wie gut und wie gerecht er sei, vnd erfüllen in aber nit mit den wercken.“ Dass die Juden ״ihr Gesatz bass halten“, hätte Pauli auch bemerken können, wenn er predigt (Hist. 253): ״(lessgleichen ob dem tisch betten und got danken umb die speiss, die er unss beschert hat(!), und nit davon lauffeu eben als ein saw, die nur lugt wa die eichleu sein, uud hat nimer kein aug uff, das sie den bäum au sehe, der ir die eichlen gibt.“ Die widerwärtigen Lügen über die Hostien- Schändung der Juden erzäht er mit aller Ausführlichkeit (Hist: 556, 507) und schliesst recht stimmungsvoll (Hist. 556): ״Und der König von Frankreich liess die schuldigen Juden alle töten und gebot den andern allen, dass sie au« seinem Königreich sollten ziehen. Pas geschah.“ Das einzige Mittel aus einem Hund (d. h. aus einem Juden) einen Menschen zu *) In den Gesta (229, app. 33) finde ich die Geschichte in folgender Fassung. Man vergleiche! Legitur de quod&m judaeo quod cecidit in cloacam die sabhati et voluit die sequenti extrahi, hoc est die dominico; sed rex terre illius ipsuin etraht non permisit dicens: lieri servavit sabbatum suum, hodii custoaiet meum. Per judicem quilibet peecator qui non vule exire in die vite sue presentis ioveam viciorum in quam sentinam et immundiciam cecidit cum peocatum commisit, et liic in di■ י luture non permittitur exire de peccatis si in eis mort uus fuerit, et tune a rege celesti condempnabitur. S. (Sehr austührlich handelt über diese schmutzige Geschichte Güdemann, zur Geschichte der Juden in Magdeburg: p. 11 u. 12: Hiernach soll der Unfall i. J. 1266 oder 67 unter dem Magdegischen Erzbischof Conrad v. Sternberg einem Juden, Namens Salomon, passirt sein. G. widmet der Afiaire eine eingehende Untersuchung im Anhang S. 20—31, woselbst er auch auf eine jüdische Quelle (Emek habacha, übers, von Wiener S. 44) verweist. Nach einer andern von ihm angeführten Version soll die Begebenheit 200 Jahre später unter dom Erzbischot Ernst (1476—1513) stattgefunden haben. Nach Einigen 8011 der ,,hineingefallene“ Jude sich selbst geweigert haben, am Sabbath llilfe von Juden anzunehmen: dazu passt allerdings das Spottdistichon (in Schudt’s Merkwürdigkeiten II, 264): Sabbata sancta colo, de stercore surgere n o 1 o, Sabbata nostra quidem Salomon celebrabis ibidem! Red.)