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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-07-29 · N° 31. (29.7.1887) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 31. (29.7.1887)
Date
1887-07-29
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Litteratur Jahrg. XYI• Blatt. Znr BelearhtBDg aller Jndfathait ind Juden betreffenden litterarlerhen Er• eehelnnngen nnf dem Gebiete der Philo• Sophie» Geschichte» Ethnorrnphle« Theo• togie» Orient*](*» Exegese» HomMetU, Lltnrglk, PidagoprJk. Herausgegeben von Rabbiner I)r. Moritz Rahnier. SlCa^deöutC),, 29. eJuIi 1SÖ7. Rieh er der einschlaf Ixen l.ltterstur, »reich® der Kedset-on sugesandt werden» Raden in diesem Blatte eingehende Besprechung Bei Einsendung ron sw et Kecenslons• Exemplaren erfolgt einmalige kurxe Gratls*lnsertton. Das ״Jüdische Lltteratur-Blitt*‘ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 6 Mark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Hark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt׳‘ gratis. — Inserate werden mit 25 PL für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 15 Hark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhändler, welche direct oder durchRobert Friese in Leipzig Inserate einseuden, erhalten 25 a/. Rabatt. 1 n 11 alt: Wis s ensch aft liehe Aufsät z e: Harmlose Lagardeana. Von Dr. Krouer, Rabbiner in Brandenburg a. d. H. VIII. — Das Andemacher Judenbad. (Schluss.) — Zur Chronologie. Von L. Cohpn, Lehrer in Rees am Rhein. (Fortsetzung.) Litte raturhericht: Russland, der Träger des ״Menschheits"־ tledankeiis. L itte rarisclie Notizen. Nachdruck nur mit veiler Quellenangabe gestattet. Harmlose Lagardeana. Von Dr. Krön er, Rabl), in Brandenburg a. d. II. VIII.*) Herr L. richtet S. 15t> ein letztes Wort an die Juden. Wohlgemerkt, an ״die“ Juden, an alle Juden; oder ist der ״geehrte Kollege“, Herr Prof Gustav Cohn, der ״wackere“ L. Dukes und noch andere ״geehrte und wackere“ Juden von der Apostrophe ausgeschlossen? Im Hinblick auf die Ausdrucksweise des Herrn Prof. L. müssten wir eigentlich die Frage verneinen. Doch wer weiss, ob nicht sein gutes, altchristlich frommes Herz den ״geehrten und wackeren Asiaten“ dennoch Gnade zuwendet, ob er nicht auch hier anders denkt, als er schreibt. Betrachten wir Einiges aus dem letzten Wort. Gewiss ist die Judenfrage, meint der Herr Professor, auch eine Rassenfrage, aber kein ideal gesinnter Mensch werde je leugnen, dass der Geist auch die Rasse überwinden kann und soll. Die sogen. Juden- und die sogen. Rassenfrage und manche andere sogen. Frage, meinen wir dagegen, existirt lediglich in Köpfen und Herzen, die all’ und jeder Idealität bar sind. Wir stehen mit dieser Ansicht, mit dieser Erfahrung nicht allein; von Legionen Gleichdenkender nennen wir dem Herrn Professor nur einen Mann, aber einen solchen, dem er sich trotz allem und allem doch wohl nicht gleichzustellen wagt — den hochgelehrten und hochgeschätzten Theologen und Kirchenhistoriker Bunsen, dessen treffliches Wort besonders durch die Haltung des Arbeiterstandes — welcher im Grossen und Ganzen während der modernen Hetzära mehr Einsicht und Gefühl bekundete, als viele Staatsmänner und sogen. Gebildete und Gelehrte, ja als viele sogen. Liberale — exemplificirt ward: ״Im Volke ist nichts davon (von Religions-, Rassen- und Klassenhass); was so scheint, ist künstlich erregt vou Pfarrern und Laienpfaffen.“ (Zeichen der Zeit. II. S 24) Diesen *) In Nr. 2!>, S. 112a, Z. 10 v. o. bitten wir zu lesen: naraenjüdische (statt Namen jüdischer) Schwindler. Kr. Pfarrern und Laienpfaffen schliessen sich jedoch, auch — les extremes se touchent — Atheisten an, sowohl solche, die ihre Richtung ohne Hehl darthun, als auch jene Sorte, welche Frömmigkeit heuchelt, um ihre Selbstsucht, namentlich ihren Grössenwahu zu befriedigen oder um andere beillose Zwecke zu erreichen, und welche über ihre B-ü.hörung der Gläubigen und ihre Untergrabung der Religion ins Fäustchen lacht. — Nebenbei bemerken wir Herrn L. bezüglich seiner Judenrassen-Frage : dass kein Geringerer als Re uchlin in Uebereinstimmung mit dem N. T. die Juden Christi nächste Verwandte nennt, dass also die Juden derselben Rasse angehören wie Christus und dessen Apostel, welch’ letztere ihm vielleicht doch mindestens so hoch steheD, wie er selbst sich stellt; dass die aus dem Geburtslande Christi und der Apostel ״zugereisten“ Juden ebenso, wie die aus andern T heilen Asiens iu Europa eingewauderteu Germaueu der kaukasischen Rasse angehören, wie kein unbefangener Forscher jetzt mehr bestreitet; dass viele von den Voreltern der Juden früher in Deutschland wohnten, als die Ahnen zahlreicher deutscher Judäivoren. wie geschiehtlich feststeht, und dass die germanische, die slavische, die romanische oder eine andere sogen. Rasse nirgends ungemischt vorhanden ist, wie jeder vollsinuige Mensch zugeben wird. Ja, dürfte Herr L. schwören,, dass er nicht von Juden — vielleicht gar in gerader Linie von den Blutsverwandten des von ihm so geringgeschätzten Christus — abstamme? Hätte nicht einen solchen Eid bezüglich seiner Kinder noch vor kurzem der österr. Antisemit von Schönerer geleistet, als er höhnend bebauptete, dass Kinder jüdischer Abstammung auch getauft Juden bleiben? Gewiss; und jetzt? Jetzt wird sich Herr v. Schönerer doch wohl vor einem solchen Schwur hüten, nachdem jüngst der jüdische Ursprung seiner erlauchten Gattin konstatirt worden ist. In welch’ hochgradige Wallung diese Thatsache das blaue Blut, der Herren v. Schönerer und v. Lagarde gebracht haben mag! Sie können uns beide leid thun. Herr L. wird es uns also schon zu gute halten müssen, wenn wir die Nothwendigkeit einer Kassen- Überwindung der Juden nur in seiner Phantasie und in Köpfen von hervorragender Beschränktheit erblicken und ihn nicht schon deshalb für einen ideal gesinnten Menschen halten, weil er eiuige Juden gnädig seiner ״Freundschaft“ gewürdigt haben will —, vor der uns übrigens der Himmel gnädig bewahren wolle. Zu welchem sündhaften Dünkel führt doch der Rassen- Schwindel! Was sagen nur die Millionen Christen dazu, die sich ehrlich zur Religion Christi und seiner — gleich ihm jüdischen — Jünger bekennen.

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