Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 30. (22.7.1887)
- Date
- 1887-07-22
- Page
- Seite 118 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/6492408-5990847-5991221--1231-5368460- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Litteraturbericht. Recensionen. Ley, Prof. Dr. Julias. Leitfaden der Metrik der hebräisohen Poesie nebst dem ersten Buche der P8&1men naoh rythmischer Vers- und Strophenabtheilung mit metrischer Analyse. Halle a. S. Verlag der Buchhandlung des Waisenhauses. 1887. In der Vorrede bezeichnet der Verfasser den Leitfaden als einen Auszug aus seinem grösseren Werke: ״Grundzüge des Rhytmus, des Vers- und Strophenbaues, Halle 1875*‘ und theil weise als eine Verbesserung desselben. Für eine solche erklärt er die aufgegebene Annahme von Kompensationen und Substitutionen, an deren Stelle die Annahme von Grund- und Schlussbasen tritt, ferner die Widerlegung von der Annahme einer Silbenzählung, sowie die Anfuhrung verschiedener Emendationen und die mannigfachen Abweichungen von der masoretischen Versabtheilung. Der Leitfaden besteht aus 6 Abschnitten: 1. Der Rhythmus, 2. Vom Versbau, 3. Von don Versarten, 4. Vom Strophenbau, 5. Die Strophenarten, und im 6. Abschnitt bietet er ein Verzeichniss der Strophenarten in den Psalmen, Beispiele, eine metrische Analyse der Psalmen 1—41,Nachträge und den hebr. Text der Psalmen 1—41. Als Leitfaden zeichnet sich das Buch im Allgemeinen durch eine klare, gedrängte Sprache, seine Einfachheit in der Feststellung der Hegeln und der Anführung passender Beispiele aus. Nicht recht ersichtlich ist es, warum aus den Beispielen, in welchen einsilbige Wörter ihren Ton wegen eines darauffolgenden mit Tonsilben beginnenden Wortes verlieren, zwei Regeln gemacht sind, bei deren einer von einer Elision des Tones gesprechen wird, während bei der anderen angegeben wird, dass beide Wörter mit einer Tonsilbe gelesen werden. Siehe Regel 8a und 9. Noch weniger ist zu verstehen, wozu aus den Beispielen von Tonelision bei den Worten בני איש und בני אדם gleich eine Regel gebildet wird, dass einsilbige betonte Wörter, welche vokalisoh auslauten, vor einem mit Aleph oder He anfangenden Worte, dessen erste oder zweite Silbe Tonsilbe ist, den Ton verlieren. Dazu kommt, dass in den angeführten Beispielen ein mit He anfangendes Wort gar nicht zu finden ist. Warum wird die hier eintretende Elision nicht auf die weit festerstehende Regel 10 über die Ton-Elision beim Status constractus begründet? Oder warum wird sie nicht auf Regel 8 a zurückgeführt? Nun giebt der Verfasser fast ebensoviele Beispiele für Elision des Tones bei בני איש oder בני אדם, wie für Nichtelision; man erkennt dabei keinen Grund für das eine wie für das andere Und doch wäre wie nach der Regel 7 über 2 tonlose Partikeln auch hier die Niohtelision zu erklären möglieh. Die in No. 11 gewählte Bezeichnung ״bedeutungslose Partikeln“ ist nicht recht verständlich. Ist in dem als Beispiel gewählten Verse Psalm 16,9. אף בשלי des אף bedeutungslos? Die Regelbildung erscheint gerade auf dem Gebiete der rhythmischen Accentuation noch als eine nicht genügend scharf begrenzte. Es ist allerdings auch schwer bei dem so ungemein wechselnden Rhytarmus der Psalmendiohtungen Regeln genau festzusetzen, weil der Gedanke und die Empfindung des Dichters sich nicht gut in Regeln fesseln lassen, und doch waren sie es, die den Rhytmus beeinflussten. Sehr Recht hat der Verfasser, die Silbenzählung als metrisches Moment zu verwerfen; auch die Wortzählung bildet es nicht. Vielmehr war es die Zahl der wichtigen Begriffe, welche den Gedanken bilden, wobei die Begriffe, welche nur die Quantität oder Qualität oder Relation oder Modalität bestimme, als nebensächlichere nicht metrischen Werth hatten. Daraus erklärt sich die Tonelision oder Tonlosigkeit in vielen Fällen Die Emendation9n, welche der Verfasser macht, sind darum meistens nicht begründet, weil sie die Subjectivität des Dichters unbedingt an das Metrum der Töne binden wollen, ferner aber weil die rythmischen Tongesetze des Verfassers nicht immer zutreffen, besonders aber, weil er die Masora zu schnell verwirft. Z. B. bei Ps. 25. Verfasser zählt in V. 5 des masoretischen Textes 9 Hochtöne in V. 6 6 Hoohtöne, in V. 7 aber 10 Hoohtöne. Naoh seiner Annahme ist aber der Psalm im Hexameter abgefasst. Das stimmt nicht, wenn der Vers bald 9 bald 10 Hochtöne hat. Desshalb vollzieht er, allerdings auf Hupfeid hinweisend, eine Amputation und zieht die drei letzten Worte der Vers 7 zu V. 5, das giebt 9+3—12 also 2 Hexameter. V. 6 hat 6 Hochtöne, der bleibt unbehelligt. V. 7 hätte aber noch 7 Hoohtöne. Da er nur Hochtöne haben darf, so wird ופשעי als überflüssig eingeklammert, wahrscheinlich weil es eine Glosse sein soll. Wie gewaltsam eine solche Textbehandlung ist, springt in die Augen. Hätte der Verfasser aber die masoretisohe Auffassung mehr beachtet, so hätte er seine Hexameter auch ohne diese Operation gefunden. Denn die Masora macht aus זכר לי" אתה“ eine Ton Verbindung, die Verfasser nach, seiner Regel 8 b gut heissen müsste. Dadurch hätte,׳ er statt 10 nur 9 Hochtöne in No. 7 gehabt und hätte'״ ופשעי nicht zu umklammern nöthig gehabt. Hätte er ferner sein Verfahren in II. Sam. 1, 22 und 23 auch hier angewendet, so wäre alles in Ordnung gekommen •t nämlich: הדריכ׳ני באמת׳ך ולמדני, כי־־־אתד, אלהי ישע׳י, זכיר רחמיך א׳ וחסדיך, כי מעולם ה׳מה, אות׳ך קוי׳תי כידה,ירם- חטאות נעורי ופשעי אל־תזכר, כחסדך זכר־לי־אתה, למק טובך ה׳- Im Ganzen ist es aber dem Verfasser wohl gelungen, auch dem Schüler durch die Analyse von 41 Psalmen deutlich zu zeigen, dass der Psalmenrhythmus Vers- und Strophenbau in verschiedenen Formen aufweist. Notiz. Die Bemerkung der verehrl. Redaction, dass, wenn Tosafoth Taanith 15 b עצמות statt עצמות zu lesen wäre, es ,היתד ־! T ־ statt ,היד heissen müsste, veranlasst mich auf unzählige Stellen hinzuweisen, wo Talmud und Tossafotli es mit dem Unterschied zwischen ,ד,יך und היתה nicht gar genau nehmen. Im Talmud (Baba Mezia 87 a ebenso Synhearin 107) heisst es: ע1" אברהם לא היה זקנה und bei den Tosafoth Aboda Zarah 44 a אבן שואבת היה בה• — Correct musste es an beiden Stellen ,היתד heissen. K 0 h n - Inowrazlaw. 1 הגע בעצמך — rufen wir Herrn Rohn zu, wenn die Tossapnot in dieser Beziehung es nicht genau nehmen — wir führen diese Ungenauigkeit auf die der Grammatik unkundigen Setzer und Drucker zurück, die die Abbreviatur ‘הי bald in היה bald in ,היתד auflösten — dann darf aus demselben Grunde auch nicht das היה (st.היו) urgirt, und;daraus ein Beweis für eine so unhaltbare L.-A. wie עצמות erbracht werden, wie es Herrn K. beliebte, umsoweniger, als bei vorangehendem Verb auch in der Bibel der Numerus oft nicht berücksichtigt wird. Red. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolf f, Magdeburg. Verlag von Robert Fr iese, Leipzig.