Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 29. (15.7.1887)
- Date
- 1887-07-15
- Page
- Seite 114 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 114 - Der damalige Kölner Kurfürst aber, Siegfried von Westerburg, nfthm sich der ungerecht Vertriebenen an und übertrug die Schlichtung des Streites dem Trierer Chorbischof Gerhard von Eppenstein, den Kölner Domherren Wilhelm und Johann von Rennenberg und den Andemacher Schöffen. Diese erliessen am Tage Stephani Erfindung (3. August) des Jahres 1287 einen Schiedsspruch wider die Stadt und Bürgerschaff mit nachfolgenden bemerkenswerthen Bestimmungen, welche uns über die Stellung und Freiheiten der Juden in unserer Stadt belehren.**) (Fortsetzung folgt) Litteraturbericht. Recenßionen. Lippe, K. Dr. nied. Symptome der antisemitischen Geisteskrankheit. Jassy 1887. ' Der Titel dieses Schriftchens hat nicht die geringste Berechtigung, es wird nirgends der Versuch femacht, den Antisemitismus als Geisteskrankheit inzustellen, und wir würden dies auch gar nicht billigen. Wenn auch eine geistige Strömung dadurch verächtlich gemacht wird, dass mau sie als Geisteskrankheit bezeichnet, so liegt doch in dieser Bezeichnung zugleich ein Milderungsgrund, denn der Geisteskranke ist unzurechnungsfähig. Dem Antisemitismus aber soll die volle Verantwortung seines schmaohvollen Thuns und Strebens vor Gegenwart und Geschichte nicht vermindert werden. Das Büchlein polemisirt gegen die bereits halbvergessene Schrift Hartmanns: ״Das Judenthum in Gegenwart und Zukunft“ und gegen polnische Journalartikel. Wir können, abgesehen von einzelnen wirksamen Stellen, im Ganzen und Grossen den Inhalt nicht billigen, namentlich können wir den jüdischnationalen Standpunkt des Verfassers nicht theilen. Unser Glaubensgenosse ist er nur dem Namen nach, denn sein Glaubensbekenntniss lautet (S. 14): ״Der jüdische Theil der Bibel, die Grundlage des Judenthiuns, besteht aus einem mythologischen Theil gleioh andern alten Religionen, (mit dem Unterschiede, dass der jüdische Mythus die Gesammtnatur in einer einzigen Gottheit verherrlicht, während die heidnischen hingegen jede Naturerscheinung in einer besondern Gottheit verherrlichen), und aus einem ausgebildet (sic.) gesetzlichen Theil.“ Dem Verfasser ist also der Monotheismus des Judenthums nichts weiter als ein Naturmythus, dagegen ist er fanatischer Nationaljude, ihm sind die Juden eine Nation, er wiederholt und betont dies immer wieder und zieht auch die Consequenz dieser Ansicht. Einer Nation gebührt ein besonderer Boden, wohin können die Juden also anders gehören als nach Palästina? Dem Verfasser ist es mit dieser Ansicht voller Ernst, weshalb er auch an die jüdischen Kolonien im gelobten Lande weitgehende Hoffnungen knüpft und optimistische Schilderungen derselben giebt. Wir sehen also, dass er zu demselben Resultäte wie die Antisemiten kommt, die ja gleichfalls die Juden nach Palästina wünschen. Derartigen Ansichten gegenüber muss energisoh hervorgehoben werden, dass wir, d. h. die Mehrheit der in Deutschland 16benden Juden uns nur als Re ligion 8genossenschaff und nicht als Volk fühlen. Der Verfasser sucht in seiner Schrift auch durch eine grosse Zahl **) Günther, Codex diplom. Rheno-Mosellanus II. n. 325. paradoxer Behauptungen exegetischer und historischer Natur zu glänzen, auf die es sich kaum verlohnt näher einzugehen. Endlich findet sich auch eine erkleckliche Anzahl grober Verstösse gegen Grammatik und Orthographie, und wenn wir auoh noch 80 viel auf Rechnung des Druckfehlerteufels setzen wollen, so bleibt immer noch genug zurück, was als ״Stylblüthe“ seinen Platz auf der vorletzten Seite des ״Ulk“ einnehmen könnte. Eine hervorragende Rolle wird also die vorliegende Schrift unter der grossen Fluth derjenigen, die gegen den Antisemitismus gerichtet sind, nicht spielen. Bernburg. Dr S. Flaschner. Duchircn E., Les Juis et la lägalite. Paris 1887. Verlag von L.Guerindt Cie. Preis'/, Frank. Unter diesem Titel veröffentlicht ein französischer Katholik eine kleine Broschüre, die in ihrer knappen Fassung und ihrem Taschenformat so recht geeignet wäre, ein Vademekum der Antesemiten zu sein. Obwohl der Verfasser nicht viel Neues bringt, weiss er doch das Gebotene sehr geschickt zu verwerthen. Naoh * einer kurzen Einleitung geht der Verf. auf die Haupt-] beschuldigungen die den Juden von antisemitischer Seite gemacht werden über. Er beginnt mit der Widerlegung des Vorwurfes der Geldgier und giebt die Gründe an, warum es den Juden unmöglich war, Ackerbau zu treiben. Er weist sodann naoh, dass die Juden nur durch die Christen zum Wucher gedrängt seien. Kaufleute wären sie,nicht Wucherer. Sodann zeigt er die Nichtigkeit der Behauptung, dass die Juden (er hat die französischefiZustände hauptsächlich im Auge) alles Geld de3 Landes an sich brächten. Er rechtfertigt hierauf die jüdische Speculation in überzeugender Weise und widmet dem Umstande, dass die Juden gewisse Zweige des praktischen Lebens mit Vorliebe ergriffen, eine ausführlichere Behandlung. Er macht auch auf die Verdienste der Juden um Kunst und Wissenschaft aufmerksam und widerlegt schlagend den Vorwurf, dass der Jude kein Vaterland habe. Wenn arme Schlucker auf reiche Juden schlecht zu sprechen sind, — meint der Verf., — so wäre das vielleicht verzeihlich; wenn sich aber in unserem Jahrhunderte noch gebildete Leute an die Spitze einer solchen judenfeindlichen Bewegungen stellten, so wäre das ein trauriges Zeichen der Zeit. Nachdem er den Wunsch und die Hoffnung ausgesprochen hat, dass der Antisemitismus bald von der Bildfläohe verschwinde, schliesst der Verf. seine interessante Broschüre mit folgender Anekdote, die wohl verdient hier abgedruckt zu werden: Bei einer religiösen Disputation sagte der ärgerlieh gewordene Christ, am Schlüsse seiner Beweisgründe zu seinem Gegner, der kein geringerer als Cremieux war: ״Schliesslich können sie doch nicht leugnen, dass sie unsern Gott gekreuzigt haben'.“ ״Ich bin weit entfernt, das zu leugnen,“ erwiderte Cremieux ״und ich ermächtige sie sogar, sobald sie den unsern treffen sollten, ihm das Gleiche anzuthun. Dann werden wir quitt sein“. — Das Büchlein verdient wegen seiner klaren, volksthümlichen Darstellung weiteste Verbreitung. Notiz. Bombay. Joseph Ezekiel hat ein Handbook of Hebrewt. Abbreviations in Hebrew and Engliah (Handbuch jüdischer Abkürzungen hebräisch und englisch) herausgegeben! Es ist dies eines der ersten Werke, die von den Beni-Israel heraus* gegeben wurden. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahme r, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.