Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 26. (23.6.1887)
- Date
- 1887-06-23
- Page
- Seite 102 (sequence 4)
- Language
- German
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— 102 — Ein Geleitsbrief. luitrag zur Geschichte der Joden in Westfalen. ״Von wegen der Durchlauchtigst regierenden Herren Fürsten zu Salm-Salm, wie auch von wegen der Durchlauchtigst Fürstlich-Salm Wyrzburgischen Vormundschaft. Wir zu Höchstdero gemeinschaftlichen Regierung gnädigst verordnete Director-, Hof- und Regierungsräihe urkunden und bekennen anmit, dass wir auf unterthäniges Ansuchen des Juden Mendel Calmon gebürtig zu Hulgerort bey Neuss, und eingelangtem Bericht des Vorstehers und Receptoren der Judenschaft auch beigebrachten Wohlverhaltens und Vermögens-Attestaten demselben den Schutz und Vergeleistung nacher Borcken Amts Ahaus ertheilet haben — es geschiehet auch solches kraft dieses also und dergestalten, dass er Mendel Calmon gegen Bezahlung des gewöhnlichen Tributs und Abtragung sonstiger Schuldigkeiten sich in der Stadt Borcken häusslich niederlassen — daselbst Handel und Wandel soweit selbiger denen Juden nach denen Reichssatzungen und nach Anleitung deren herrschaftlichen Verordnungen zugelassen — aufrichtig treiben, keineweges aber ungebührlichen Gewinn suchen, weniger der Annahm oder Einhandlung gestohlener Sachen noch verbottenen Wuchers — bey Vermeidung derer hiergegen angesetzten Strafen — unterfangen — sondern sich mit denen Seinigen, für deren Handlungen er ebenfalls verantwortlich bleibt, nach dem Buchstäblichen Inhalt des unterm 11. Merz 17115 der Judenschaft gnädigst ertheilten — und diesseits provisorisch angenommenen Haupt-Geleits also verhalten, und nachleben solle, wie es einem rechtschaffenen Schutzjuden eignet und gebühret. Solchen nach bestehlen (sic!) Wir dem Beamten des Amts Ahaus, obgemeldeten nunmehro vergeleiteten und in Schutz aufgenommenen Mendel Calmon gegen Abtragung der gewöhnlichen Praestandorum in der Stadt Borcken nicht allein frey und ohugehindert wohnen zu lassen, sondern auch denselben gegen jedermänniglichen Eintracht — Gewalt-An- und Ueberfall kräftig zu schützen und zu baudhabeu. Urkundlich gewöhnlichen Regierungs-Unterschrift und beygedruektem Insiegel. So geschehen zu Bocholt den 12. Februar 1805. Fürstliek-Salmisck-gemeiusckaftlicke Regierung dahier, v. Embdeu. Bouati.“ (Nach einer beiliegenden Kostenrechnung waren für diesen Geleitsbrief zu bezahlen 50 Reichsthaler und an Auslertigungs- und Zustellungskosten im Ganzen 11 Reichsthaler. Cohen-Rees) Recensionen. Frankl, I)r. I*. F. Beiträge zur Litteraturgeschichte der Karäer!Aus dem 5. Berichte über die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judeuthums in Berlin. 187א p. 1.201 in 1.״ ״Wer im Bereiche der Wissenschaft für Grosses Vertrauen gewinnen will, der muss zuvor im Kleinen sich bewährt haben“, so schliesst Frank! sein Vorwort zur oben angezeigten Schrift. Schon im Jahre 1S72 veröffentlichte der Verf. eine Schrift: ״Ein mutazilitischer Kaläm“ und hat seither mit ehrlichem Fleisse der Litteratur der Karäer sein Augenmerk zugewendet. Aber es will mich bedünken, dass, wie man einerseits mit den ״Rettungen“ ivon Lessing angefangen) zu zahlreich sich bemüht, es andererseits mit den ״Fälschungen“ nicht so weit her ist. Wer sich die Mühe i nicht verdriessen lässt, Chwolson’s Corpus inscriptionum hebraicorum genau und gründlich durohzugehen, gewinnt zweifelsohne die unerschütterliche Ueberzeugung, dass den Worten Harkavy’s und Strack’s durchaus nicht unbedingt zu trauen ist, — man vgl. beispielsweise Chwolson p. 125 Anm. 2, p. 172 bis 175 u. v a. —, sondern dass dieselben mit sehr grosser Vorsicht und nach eingehender selbstständiger Prüfung erst anzunehmen oder zu verwerfen sind. Was nun Frankl’s Arbeit betrifft, so ist sie mit der bei ihm bekannten Gründlichkeit in lichtvoller Klarheit abgefasst. Das arabische Original Josef al Basir’s ״Muhtawi“ zeigt, dass der karäische Uebersetzer Tobija Hamaatik ein genauer Kenner des Hebräischen war und nur die Differenz, die trotz der Stammverwandtschaft zwischen dem Arabischen und Hebräischen besteht und die nicht ausgebildete philosophische Terminologie die Schuld davon tragen, wenn die Uebersetzung keine klassisohe ist. Mit Recht hebt daher Frankl hervor, dass Tobija ben Mose aus Constantinopel mindestens ein halbes Jahrhundert vor den Tibboniden als Uebersetzer thätig gewesen. Frankl giebt im 1. Cap. Nachricht über das arabische v Original des Muhtawi Josef al Basir’s, characterisirt j dann im 2. Capitel den karäischen Uebersetzer dieses י Werkes in’s Hebräische, und giebt zum Schlüsse als Anhang eine Uebersicht der Capitel in der hebr. Uebersetzung nach Cod. Werner 11 und im arabischen I Original nach der HS. Kaufmann, denen er die deutsche; Uebersetzung hinzufügt. Hoffentlich ist diese Arbeit nur der Vorläufer einer vollständigen Ausgabe des Muhtawi in arabischer; Sprache und deutscher Uebersetzung, zu der niemand berufener ist, als Dr. Frankl in Berlin.*) JuDgbunzlau. Dr. M. Grünwald. Jacobsohii, Rimmonim, Früchte aus dem Garten jiid. Litteratur und Geschichte alter und neuer Zei.׳־ (Preis broch. 2 M, Breslau Jacobsohn & Co.) Infolge des Artikels ״Unsere Jugendschrift-Litteratur“ in No. 15—17!1. gesch. Blattes wurden wie von der Verlagsbuchhandlung auf das Werk ״Rimmouim“ aufmerksam gemacht. Dasselbe enthält eine Fülle belehrenden und religiös anregenden Stoffes aus unserer Geschichte und Litteratur, theilweise in Prosa, und theils in poetischer Form. Unter den wenigen Jugendschöffen, die wir besitzen, gebührt ihm sicherlieh neben Sachs’ ״Stimmen“ und Frankel’s ״Nach Jerusalem“ u. a. einer der ersten Plätze. Auch der Preis ist im Verhältnis» zu seinem Umfange (100 Seiten) nur ein geringer. Wir empfehlen es allen Lehrern und Eltern als zu Prämien, Bar-Mizwah-Geschenken etc. sehr geeignet. *) Wir Wims!■ heu ihm von Herzen die dazu vor Allem J1>!tliijjje (Gesundheit und Kraft. Midie er der jüd. Wissenschaft noch lange erhalten bleihen. (Ued.) Beacht nngswerth für Gelehrte, Dozenten, Candida teu, Forscher der liehrälschen Litteratur und Verleger hebräischer Werke. ,800 Zur sauberen und gesclnnackvollen Herstellung ItebrüiNcher Werke zubilligsten Preisen empliehlt sicli die Jtucli- und Kunst-Druckerei von G. Zahn ft H. Baendel, Kirchluün N.-L. IV!J Berichtigung: 8. 07a muss I es heissen : Forts, aus Nu. 21. — jj 8. 07 b Z. 2b >1. 27 muss es, falls!״ das Mouatsdatum in dem Briete PfWessely's zu dem Wochentage! stimmen soll, statt der von mir In irrthümlich angegebenen Jahren i!l תקנב und 17112!!eissen: תקגח J und 17118, denn erst in diesem II] Jahre liel der lb, Elul aut 1.' ien- ™Stag, was seit 1778 nicht melfc. jy der Fall war. (Vgl. m. nr©£ .(לקבוע עתי□[" Cohen-Kees a K11. von Robert Friese, Leipzig , Verantwortlicher Kedacteur l>r. Kahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wo 1 tt, Magdeburg. Verlag