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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-06-16 · N° 25. (16.6.1887) · p. Seite 98

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 25. (16.6.1887)
Date
1887-06-16
Page
Seite 98 (sequence 4)
Language
German
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— 98 — uud jüdisch-alexaudrinischen Philosophie sich in seinen theologischen Ansichten von diesem hat beeinflussen lassen, oder ob er streng auf jüdischem Boden geblieben ist, ist für uns gewiss nicht unwichtig Zwei Arbeiten wurden eingeliefert׳, die beide mit dem Preise ausgezeichnet worden sind Das diesjährige Programm des Seminars enthält das Urtheil des Lehrkörpers über die beiden Arbeiten. Da jedoch zum Schlüsse bemerkt ist, das* beide Arbeiten, falls ihre Verfasser sie zu veröffentlichen gedenken, einer gründlichen Umarbeitung bedürfen, uud wir annehmen müssen, dass die Herren Verfasser diesem Rat,he Folge geleistet haben, so können wir natürlich nicht wissen, in wie weit die beiden nunmehr uns gedruckt vorliegenden Arbeiten, die wir der Kürze halber als A und B bezeichnen wollen, mit den Originalen, auf welche sich das Urtheil bezieht, übereinstimmen, können also von diesem Urtheile gänzlich absehen. Beide Arbeiten haben, wie nicht anders zu erwarten war, die Quellen und einschlägigen Schriften mit grossem Fleisse benutzt. Manche Citate, die nur den Zweck haben, die Belesenheit des Verfassers zu zeigen, hätten weggelassen werden können. In den Ergebnissen stimmen beide Arbeiten, abgesehen von nebensächlichen Einzelheiten, überein. Von religionsphilosophischen Ansichten kann bei Josephus eigentlich nur im beschränkten Sinne gesprochen werden, es sind vielmehr religiöse Ansichten, die sich zerstreut in seinen Schriften vorfinden, denn gerade diejenigen Fragen, mit denen sich die Philosophie hauptsächlich beschäftigt, sind bei Josephus nicht aufgeworfen. Nun hat man von verschiedenen Seiten den Nachweis zu liefern gesucht׳, dass Josephus mit seinen religiösen Anschauungen den Boden des Judenthums verlassen habe. So z. B. sei, um nur Einiges zu erwähnen, seine Anschauungen pantheistisch (Gfrörer, Dähne) er nehme in der a[|1ap|1£vv; ein zweites böses Prinzip neben der Gottheit an (Gtrörer), leugne die menschliche Freiheit (Langen), bekenne sich zur phiionischen Logoslehre (Gfrörer) u. ä. a Dem gegenüber weisen beide Arbeiten nach, dass Josephus auf streng jüdischem Boden stehe, dass er aber, um sich seinen Lesern verständlich zu machen, für seine religiösen Ideen zuweilen die Ausdrücke der griechischen Philosophen benutzt habe. Namentlich seine Gottesidee ist von erhabener Reinheit, in manchen Punkten ist er jedoch nicht frei von Aberglauben gewesen. Es verlohnt kaum, nach Verschiedenheiten der in beiden Arbeiten niedergelegten Ergebnisse zu suchen. In manchen Punkten behauptet A die Rechtgläubigkeit des Josephus entschiedener als B A hat ferner auch die Messiasidee in einem eigenen Kapitel behandelt, ohne jedoch zu einem Ergebnisse kommen zu können, ferner des Jdsephus Stellung zur allegorisehen Schril'tanslegung und seine Sittenlehre. B hat das Arbeitsfeld mehr beschränkt, ist aber auf die einzelnen Fragen gründlicher eingegangen, so dass ihr der höhere wissenschaftliche Werth zuerkannt werden muss. A ist derart abgefasst, dass der Text von jedem wissenschaftlich gebildeten Manne verstanden werden kann, wählend die Anmerkungen für den Fachgelehrten bestimmt siud, eine Einrichtung, die wir mir billigen können. Bei B. ist dies nicht immer der Fall; dort finden sich wichtige Stellen im Texte, in denen auf Josephus hingewie.-en wird, uud die nicht zu verstehen sind, wenn man nicht den Text des Josephus neben sich liegen hat; das heisst doch der Gelehrsamkeit oder der Bibliothek seiner Leser zu viel Zutrauen, ln der systematischen Ordnung des Stoffes lassen beide Arbeiten noch Einiges zu wünschen übrig. A bringt den ganzen Stofl in 10 coordinirten Kapiteln, so dass das Ganze den Eindruck einer Reihe von Essays macht. So ist I ״ Die Lehre von Gott“ betitelt, enthält jedoch nebst der Darstellung von Gottes Wesen und Eigenschaften auch die Schöpfung II wird ״Ueber die Vorsehung“ und erst 2 Kapitel später über atp.ap|xevr;, die doch dasselbe sein soll, gehandelt. Iln ״Das Verhältniss Gottes zu Israel“ bespricht schon die Offenbarung, während erst V der Prophetie gewidmet ist B enthält nach einer längeren Einleitung 4 Kapitei, von denen das erste, ״Die Lehre von Gott, seinem Wesen, seinen Eigenschaften und seinem Verhältnisse zur Welt“, grösser als alle andern zusammengenommen ist, auch hier tritt die Abhandlung über die xi'ixpiiiyrj etwas verspätet auf. 2 ist der Engel- und Dämonenlehre gewidmet, 3 ״von der Welt“ bringt, wohl auch verspätet, die Schöpfung. 4 handelt von den Mensehen. Den Zweck der Gesetzgebung, wie Josephus ihn annimmt, bringt B wenigstens in einer Anmerkung. Was wir hier zu rügen hatten, thut dem wissenschaftlichen Werthe der beiden Arbeiten keinen Eintrag. Mögen die jugendlichen Gelehrten durch die Anerkennung, die ihre Leistungen gefunden haben, zu weiterer wissenschaftlicher Thätigkeit angespornt werden. Bernburg. Dr. S. Flaschner. JLitterarische Notizen. 1. Bezüglich meiner Notiz in No. 23 schreibt mir Herr Rabbiner Anschlowitz i.n Jägerndort: Es heisst in der פסיקתא וורזרתא also:שירדה אש מן השמים ואכלה מנחתו, wozu der Herausgeber, Herr Buber, gleichfalls bemerkt: 1ה ליהא לפנינו במדרש יעיין כזכור לאברהם שהעיר שק הוא כספר הישר ונם בתרגום של השבעים• Letzteres ist nicht, ganz richtig, denn die Sept. (ich habe deren 3 verschiedene Ausgaben vor mir) übers, unser 0£7.ז£־£ וישע respexit, A»[uila ä־'.x7lXf111,r) ״sich besänftigen“, Synmachus dr, ״sich ergötzen“, und der einzige Theodotion hat ev£~'jp:a£ ״liess in Feuer aulgehen“. Dagegen konnte ich aus dem Midr R. A'osohu. II. antiihren, dass bereits Adam durcli das Zusammen schlagen zweier Kiesel, die ihm Gott zugeführt, Licht (Feuer) erzeugt hat. Die Gemara (Pess 51 m stellt den Adam viel höher: Gott habe ihm göttliche Einsicht verliehen, dass er selber daraut gekommen ist. durch das Zusammenschiagen zweier Steine müsse Licht (Funken) entstellen. \\T i e ner -Oppeln. ¬צ. Das Comite der Auglo-Jewish Exhibition verüllentlicht folgende Schriften : 1. Hebräische Schetaroth der englischen Juden vom .1. 11UÖ bis 12110 von M. D. Davis bearbeitet. 2. Bibliotheca Anglo- Judaiea. Zusammengestellt von .1. Jacobs und Lucien Wolf. 3. Die Vorlesungen, die während der Ausstellung gehalten werden u. a. von Prof. G rät z, Dr. H. Adler, F. L. Cohen, Dr. Güster, A. Löwv, Dr. 0. Gross, .1. Jacobs, \V. H.ve und L. Wolf. — Am 5. Mai hielt Joseph Jacobs im West-Theater einen \ ortrag über das Londoner Judenviertel im Jahre 12110. Der \ ortragende stellte nach vorhandenen Urkunden einen Plan des Judenviertels gegen Ende des 12. Jahrhunderts her und glaubt, auch die hervorragendste Familie der damaligen Londoner Judenschaff nachgewiesen zu haben, deren Vorfahre der berühmte Tossaphist Jontob heu Isaak aus Joignv, der im Jahre 11H0 als Märtyerer starb, gewesen sein soll Wenn aber Jacobs weiter den Episcopus mit אב בית ך״ן identificiren will, so können wir dem nicht unbedingt zustiminen, weil in vielen Urkunden der Episcopus der weltliche Führer und Oberaufseher der Juden war, אב בית דל entweder iudex oder senior, Senator liiess. Am 12 Mai hielt. Lucien Wolf einen Vortrag, in dem er den Zeitraum 121)0 bis 10511, wo die Juden von Rechtswegen in England nicht wohnen dnrlten, lichtvoll behandelt. Er weist nach, dass die-e ganze Zeit hindurch trotz alledem und alledem Juden in England lebten und dass das Domus Conversorum dafür Zeugnis* abiegt. Wolf sagt hierüber : Die Juden traten in dieses Haus, um der Verbannung zu entgehen und verflossen es in der Folge, um als geheime Juden in ihrer früheren Heimath zu leben. Berichtigung.!In dem Artikel ״Jüdische Wissenschaft in christlicher Beleuchtung“!in No. 211 muss es S.!צו b. Z. 31 statt Wortaussage heissen: ״Voraussage‘. Wollt, Magdeburg. Verlag von Robert F ri es e , Leipzig. Verantwortlicher Redacteur I)r. Ha Inner, Magdeburg. Druck vouD. L

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