Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 24. (9.6.1887)
- Date
- 1887-06-09
- Page
- Seite 94 (sequence 4)
- Language
- German
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taunica wieder. Der Herr Verfasser hat seiu Werk* eben eine Skizze genannt, und mehr ist es auch nicht; mitRenaus ״Histoire generale des langues semitiques“ lässt es sich nicht vergleichen. Dieses Werk, das seiner Zeit sehr bedeutend gewirkt hat, ist durch die Forschungen und Entdeckungen der letzten Jahrzehnte veraltet. Ein Buch, das das für den jetzigen Stand der Wissenschaft leistet, was Renan für seine Zeit leisten wollte, giebt es leid-1־ nicht. Wer sich eingehend mit dem Studium der orientalischen Sprachen beschäftigt, wird aus dem vorliegenden 04 Seiten umfassendes Werkchen kaum etwa Neues erfahren, der Gebildete jedoch, der über Wesen und Charakter der semitischen Sprachen sich belehren will, wird in ihm weit mehr als in einem gewöhnlichen Conversationslexicon finden. Dass eine Schrift von Nöldeke den neuesten Standpunkt der Wissenschaft einnimmt, braucht ebensowenig hervorgehobeu zu werden, als dass sie in einem Stile abgefasst ist, der es unmöglieh erscheinen lässt, in wenigeren Worten mehr zu sagen, wenn auch natürlich nicht alles Wissenswerthe gesagt werden konnte. In dem einleitenden allgemeinen Theile gelaugt die vorsichtige Weise des Gelehrten meist zu negativen Ergebnissen. Das höhere Alter der arabischen Sprache giebt er nur in beschränktem Masse zu, eine Veiwaudtschaft der semitischen Sprachen mit den indogermanischen leugnet er, dagegen weist er auf eine üebereinstimmuug mit gewissen Sprachen Nordafrika’s hin. Doch ist hier noch sehr Vieles räthselbaft und mag auf Entlehnung beruhen. Ueber den Ursitz der Semiten lässt sich gleichfalls nichts Bestimmtes sagen, und ist dies einer von den vielen Fällen, in denen die Methode der neueren Wissen- Schaft dahin führt, ihr Nichtwissen eiuzugestehen, wo man eine feste Ansicht haben zu können glaubte. Die semitischen Sprachen werden nur in zwei Theile, in nord- und südsemitische, eingetheilt, zu den ersteren gehört die hebräisch-phönicische ebenso wie die aramäische uud assyrische Sprache. Den Ergebnissen der Keilschriften steht der Verfasser skeptisch gegenüber. Bernburg. Dr. S. Flaschner. Marx, I)r. Hebr. Elementar-Uuterricht. 1. Stufe. (Gleiwitz, Paul Raschdorlf 188(5.) Vorliegendes Büchlein hat vor andern hebr. Lesefibeln unstreitig einen Vorzug; es befolgt in strengster Consequenz das Princip, es werde kein hebr. Wort von dem Kinde gelesen, dessen Bedeutung es nicht gleichzeitig erfasst habe. Wer je Gelegenheit batte, in den unteren Klassen den heur. Leseunterricht zu er; heilen und in denselben 0 bis 8 Monate hindurch nur Unverstandenes lesen zu lassen, wird den Vorzug eines solchen Unternehmens, das einem oft ernpfüudenen Uebelstande abhelfen will, zu würdigen wissen. Eine Lesefibel nach der Normalwörtermethode, an die wenigen den Kindern bekannten hebr. Wörter anschliessend, uud dabei das gleiche Princip, wie vorliegendes Büchlein vertolgeud, würden wir darum mit Freuden begriissen, nicht aber darf ein solches auf die Principien läug>t abgethaner pädagogischer Schwärmer und Abentheurer zurückgreifen. Verf. glaubt seiu Werk in einem Inserate damit empfehlen zu können, es sei nach Jacotoi’scher Methode verfasst — eine mindestens sehr zweifelhafte Empfehlung, denn in der pädagogischen Welt ist doch Jaootot und seine Methode!äugst abgethau. Das gauze Büchlein macht einen eigenartigen Eindruck, ich sehe ab von einzelnen Unkorrektheiten, wie z. ß. No. 8, wo ich den Unterschied in der Uebersetzung ״ מוציאder hervor bringt“ ״ המוציאder hervorbriDgt“ nicht recht ein- Zusehen vermag, oder No. 11, wo Verf. uns zumuthet, die Kinder u. a. Laute, wie א ה ח aussprechen zu lassen und dergl. mehr; die ganze fremdartige Anordnung des Stoffes macht das Büchlein, meines Erachtens zum Gebrauche unmöglich, wenigstens dürfte es der jüngern Lehrerwelt nicht erklärlich sein, wie man es ermöglicht, das Kind, das noch keinen Buchstaben kennt, inLekt. 2, 12 vollständige Wörter lesen zu lassen — die echt Jacotot’sche Dressur-Methode — und danu erst am Schlüsse der betreffenden Uebuug dass Kind einige Laute kennen zu lehren. Ich komme zu einem zweiten Punkte, dem Materiale, das das Büchlein bietet. Verf. bemerkt nicht, ob das Büchlein für die Dauer einer oder zweier Schuljahre bestimmt ist; ich bin daher zu der Annahme berechtigt, dass es wie jede andere Fibel nur das erste Schuljahr im Auge hat. In diesem Zeitraum sollen die Kinder fast sämmtliche והיה אם שמוע, שמע, ברכות שמונה עשרה,,Tischgebet, Nachtgebet,eine Anzahl anderer Vokabeln, diverse kleinere Gebetstücke, 2 Abschnitte aus dem Pentateuch, geläufig lesen, übersetzen, ja zum grossen Theile auswendig können, und dazu auch die ganze Flexion des Substantivs, sowie die Conjugation des Verbums im Kal capiert haben. Verf. rühmt iu der Vorrede die Erfolge, die er an der Hand des Büchleins erzielt, habe, dieselben sind mir räthselhaft. Allerdings geht er von der schönen Voraus- Setzung aus, dass mau für diesen Unterrichtsgegenstand G Stunden wöchentlich zur Disposition habe. Unsere Religionsschuleu, die durchschnittlich hierfür nur über 2, höchstens 3 Stunden verfügen können, werden natürlich solche Leistungen nicht zustande bringen. So freudig wir eine gesunde Reform im hebr. Unterrichtsvertahren begrüssen würden, so entschieden müssen wir aber auch gegen abenteuerliche Experimente auf diesem Gebiete Stellung nehmen, und e'J' wäre nur zn wünschen, dass dergleichen unpädagogisehe Hülfsbücher unserem Religionsunterrichte schliesslieh ferne blieben. Magdeburg. M. S tei n 11 a r d t. ״Jacob segnet Kinder und Enkel aut dem Sterbebette.“ — Lichtdruck von A. Adolph, zugleich als Jahrzeitgedenkblatt herausgegebeu von S. Neubauer iu Zittau. Schon im Jahre 1871), als dieses Bild zuerst im Farbendruck erschienen war, nahmen wir Veranlassung, au dieser Stelle es empfehlend zu erwähnen. Die erste Auflage hat inzwischen in Europa, Amerika und Australien Verbreitung gefunden und der Herausgeber hat dieses Bdd nun, auf die Hälfte verkleinert, iu Lichtdruck vervielfältigen lassen. Wenn die ,er Rqproduetion der Schmelz der Farben abgehi, so hat sie dafür die die Photographie auszeichnende Schärte gewonuen und der Gedanke, der Segen wirkt beglückend auf Kinder und Kindeskinder, welchen das Bild ausdrückt, tritt um so deutlicher! hervor. , Nächst den Bildern hat Hr. N. seinen Jahrzeit-; tabellen eine praktischere Form gegeben und sie auf ' 50 Jahre completirt 1 Da der Preis der neuen Bilder ein sehr massiger ist, uud Herr N. den sich um deren Verbreitung U mühenden besondere Vortheile gewährt, werden diese wohl bald in jedem jüdischen Hause, iu welchem der Verlust eines Dahingeschiedeneii beklagt wird, den ihnen gebühreudeu Platz einnehmeu. r. Verantwortlicher Kec.11u.rou1׳ l)r. Kahiner, .Magdeburg. Druck von D. L. Wollt, Magdeburg. Verlag von Robert, F ries e , Leipzig