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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-05-19 · N° 21. (19.5.1887) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 21. (19.5.1887)
Date
1887-05-19
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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י Jüdisches Litteratur Jahrg. XVI. Blatt. Zur Releichtuig 1)Ur Jidenthom und «Inden betreffenden litterartachen Erncheinnngen auf den Gebiete der Philosophlt« Geeehiehte, Ethnographie• Theo- 10*1« t Orient«)!*, Exegese• Homiletik, Liturgik« Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner l)r. Moritz Hahmer. 0l£cuj9>26u.t<j, 19. £>lcai 1887 Bacher derelnschlagigen Litteratur«welche der Redact.on xugesandt werden, ffndea ln dleaeni Blatte eingehende Besprechung Bei Einsendung von xwet KecensioiiN- Exemplaren erfolgt einmalige kur** ttratls-lnsertlon. Das ,«Jüdische Lltteratnr-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten und Buchhandlungen 8 Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt■* gratis. — Inserate werden mit 25 Pf. iiir die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 15 Mark, berechnet und sind an die Expedition dioscs Blattes zu senden. BUK* Buchhändler, welche direct oder durchRobert. Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25־ yi Rabatt. Inhalt: W is s enschat'tlioho Aufsätze: Harmlose Lagardeana. V011 Dr. Kr011 er. Rahh. in Brandenburg a. d. H. III. — 7.ur Erd- und Feuerbestattung in dev Bibel. Schlussartikel von Rabbiner Dr. AV iener-Oppeln.!Fortsetzung st. Schluss.! Litteraturbericht: Recensioneu: Gelbliaus, Dr. S. Rabbiner zu Nordhausen, l'eber altdeutsche Poesie. Berlin, Stuln'sche Buchhandlung. Nachdruck nur mit -voller Quellenangabe gestattet. Harmlose Lagardeana. Von Dr. Krön er, Rabb. in Brandenburg a d. II. III. Jy Das Gebot der Pietät, Todten nur Gutes nach- ׳ Zusagen, beachten gewisse starkgeistige Gelehrte weniger gern, als ibre Folgerung aus jenem Gebot, Lebenden nur Schlechtes nachzusagen. Mit Genugthuung erzählt Herr L. (S. 91), wie Rückert einmal in den bittersten Ausdrücken über Heinrich Ewald gespottet, dessen verruchtes Getlme — das sei Rüekerts Ausdruck gewesen — ihm auf das äusserste missfallen, weil er Anmassung und Scheinenwollen darin gefunden habe. S. 9(5 bemerkt Herr L. mit Befriedigung, Rückert habe über fremde Sprachen zu einer Zeit geherrscht, in welcher ״so laute Hysteriker wie Heinrich Ewald anspruchsvoll stümperten, und den Wahn, sie könnten (? K.), hervorzurufen verstanden“. Wenn Herr L. grosse Todte, wie Schleiermacher und Heinrich Ewald, in so liebe- und verehrungsvoller Weise beurtheilt — wie vermöchte er Lebende, zumal J irden, weniger rücksichtsvoll zu würdigen? W ahrlich, wir finden uns nicht veranlasst, hinsichtlich aller ihrer Leistungen mit Schleiermacher und Ewald zu sympathisiren. Aber dennoch sind wir noch ״asiatisch“ genug, um einen tiefen Ekel vor jenem ״Gethue“ zu empfinden, das im Wesentlichen einen Schleiermacher als verwachsenes Männchen, bei dem nicht alles richtig gewesen, und einen Heinrich Ewald als lauten Hysteriker, der anspruohsvoll gestümpert und den Wahn, er ״könne“, hervorgerufen habe, darstellt. Also daran ist kein wahres Wort, was hervorragende christliche Gelehrte bezeugt haben, dass Schleiermacher als Prediger und Professor bis an seinen Tod mit rüstiger Kraft — trotzdem er ein ״kleiner, verwachsener Mann“ war — und mit dem grössten Segen gewirkt, dass er einer der originellsten und begabtesten, vielseitigsten und einflussreichsten Theologen der Neuzeit gewesen, dass er auf vielen Gebieten völlig neue Bahn gebrochen, dass namentlich Schleiermacher durch seine meisterhafte Uebersetzung des Plato den grossen Philosophen des Alterthums uns nahe gebracht und damit ein tieferes Studium der altgriechischen Philosophie angebahnt. Dies und Aehnliches, das über Schleiermacher rühmend geschrieben worden, ist durchweg falsch, denn Herr L. will es so. Aber die böse Welt will es nicht so, darum ist sie eben böse. Auch darau ist kein wahres Wort, was bedeutende Forscher über Heinrich Ewald lobend bezeugt haben; jene Forscher verstehen nichts, nur Herr L. ״kann“. Etwas Gutes, und zwar nichts Geringeres als Unsterblichkeit, hat ihm indess seine Gering- Schätzung Ewalds bereitet. Hätte er Ewalds, des ״lauten; Hysterikers“, Hebr. Grammatik eines Studiums ge- 1 würdigt, so wäre er bei dem Versuch, seinen Schüler, den Herrn Techinimdoktor, zu rechtfertigen, vielleicht doch weniger hurtig gewesen, urbi et orbi seine neueste Entdeckung, allerdings etwas ״verschleiert“, mitzutheilen, dass Tehillim und Tehillot dasselbe bedeute. Wer übrigens an dem Spott über körperliehe Gebrechen und Leiden — selbst wenn dieser Spott nicht gegen hervorragende Menschen, wie Schleiermacher und Heinrich Ewald, gerichtet ist — Gefallen findet, kann in der That von manchem ״asiatischen“ und nichtasiatischen Schneidergesellen und Dienstmädchen noch gar viel lernen. In Bezug auf Rückert’s politische Gesinnung wird S. 9-1 bemerkt, es sei unbegreiflich, wie er sich überhaupt als Deutscher habe fühlen können, da er der folgerichtigste Kosmopolit war, den man sich denken mochte. Zuvörderst danken wir Herrn L. recht sehr für das Geständniss, dass sich Rückert als Deutscher gefühlt habe; denn was würden alle patriotischen Gesänge’desselben, die 1814 unter dem Titel ״Deutsche Gedichte von Freimund Raimar“ erschienen, was würde selbst deren vorzüglichstes,das die glühendsteVaterlaudsliebe atlimet, ״ Die geharnischtenSonette “,was würde sein ״Kranz der Zeit“ bedeuten, wenn Herr L. dem Dichter deutsches Empfinden abgesprochen hätte! Nichts, garnichts. Herr L. giebt also zu, dass sich Rückert bei all seinem Kosmopolitismus als Deutscher gefühlt, nur ist dies Herrn L. unbegreiflich. Uns nicht im mindesten; unbegreiflich ist uns dagegen, wie gewisse Gelehrte, die sich in einseitigen Nationalismus verrannt, begreiflich finden sollen, dass das Interess? für die Gesammtmenschheit, für Alles, was Mensch heisst, die Liebe zum Vaterlande nicht nur nicht schwäche, sondern sogar festige, erhöhe und veredle. Jeder grössere Kreis in der sittlichen Weltordnung müsste in den Augen solcher Gelehrten, wenn folgerichtiges Denken ihre Sache wäre, jeden kleinern Kreis ausschliessen, jede weitere eohtmenschliohe Beziehung in ihren Augen jede engere

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