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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-05-05 · N° 19. (5.5.1887) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 19. (5.5.1887)
Date
1887-05-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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a Jüdisches Litteratur Jahrg. XVI. 1 I 151att. Zar Belencfetang aller Jndentham and Jaden betreffende■ litterniisehea Er• odMipangen aaf dev Gebiete der Philo• ■opfcf«, Geschichte» Ethnograph!«, Theo• logi«, Orientalin, Exegese, Hoariletik• Lftairfk, Pidagoglk. Heraasgegeben von Rabbiner Dr. Moritz Rabiner. STtcKjSctnvKj-, 5. 91tai 1S87. Bir ier derelnttchliglgen L|tter«t«r,welche der ttedact u••!agessnitt werden, Anden fn diesem Blatte eingehende Besprechung Bel Einsendung von sw ei Uecension«• Exemplaren erfolgt einmalig• karse Gratis-Insertlon. Du »Jldische Utteritu-Blatt“ erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buohhandlungen in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. 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Gustav Karpeles, der ehemalige Mitredacteur Spielhagens, — oder, wie Herr K. das Yerhältuiss bezeichnet: ״wir zogen zusammen das J och der״ Westermann- ,sehen Monatshefte“ — unterzieht den neuesten in der ,^Gartenlaube“ er-chienenen Roman Spielhagens: ״Was will das werden?“ in der Wiener ״Presse“ (v. 22. März) einer eingehenden glanzvollen Besprechung, aus der wir mit Erlaubniss des gesch. Recensenten einen Passus, der unsere Leser besonders interessiren dürfte, hier wiedergebeu. Karpeles schreibt gegen Eude seiner in Briefform gekleideten Recension wie folgt: ״ ... Dochicbmussschliessen. Ichhabelhneu meinen Dank abgestattet, ich habe von der Tendenz und der Objectivität Ihres Werkes, von dem tiefen Eindruck, den dasselbe auf jeden modernen Deutschen hervorbringen muss, gesprochen; ich habe den jetzt so seltenen Muth gezeigt, aus vollem Herzen zu loben — werden Sie oder die Leser dieses Briefes mir übelnehmen, wenn ich auf etwaigen Tadel, auf abweichende Bemerkungen und endlich auf die gewöhnlich recht alberne Wiedererzählung der weit ausgesponnenen Fabel Ihres Romans freudig verzichte? Nur eine einzige kleine Bemerkung müssen Sie mir zu guterletzt aber doch noch verstauen, gerade weil ich Ihre reine Objectivität so voll und warm hervorgehoben habe. Es ist ja möglich, dass ich mich irre, dass mein persönliches Empfinden gerade in dieser Sache nicht das richtige sein kann, aber ich habe so meine leisen Bedenken, als ob Sie — . mir selbst in Ihrem Roman nicht ganz gerecht gerecht geworden seien! Sie werden errathen, was ich meine. Sie wissen, dass ich ein Deutscher mit Leib und Seele bin, der es an nationaler Gesinnung mit jedem Andern aufnehmen möchte, zugleich aber auch ein ebenso überzeugter Jude, dem sein Glaube und die grossen historischen Traditionen seines Stammes gar sehr am Herzen liegen. Und da meine ich, dass Sie den vielen Tausenden deutscher Juden, die gleich mir denken, insofern nicht ganz gerecht geworden sind, als Sie dem schlauen Armeelieferanten mul den verwegenen Speculauten ein todkrankes armes Judenmädchen als Vertreterin der idealen Seiten des Ju lenthums gegenübergestellt haben. Nein, verehrter Freund, ausser den schwindsüchtigen Jettchens giebt es unter den deutschen Juden noch ganz andere Vertreter jener freien und idealen Gesinnungen, die Ihr Held und seine Mitcombattanten an den Tag legen, Männer, die sogar typisch sind für den Entwicklungsgang, den das moderne Judenthum genommen hat, und die — ich kann mir nicht helfen! - in der That etwas von jenen erhabenen Natbanzügen au sich tragen, wegen deren Sie uns so scharf augeben. Sie kennen diese ebenso gut wie ich; dass Sie aber einen aus ihren Reihen nicht gewählt haben, damit er die Anschau-, ungen und Hoffnungen des geläuterten Judenthums vortrage und gegen die Beschuldigungen auftrete, di« von nllen Seiten jetzt auf seine Glaubensgenossen herabregnen, das liegt sicherlich nur in der weisen Oekonomie Ihres Werkes. Denn mit Entrüstung würde ich jeden, auch nur den leisesten Verdacht abweisen, der Ihnen etwa Sympathien mit den seitsamen Ansichten and Bestrebungen unterzuschieben geneigt wäre, die heute selbst liberalen Männern nicht ganz fremd sind. Gerade aber, weil ich Ihre vorurtheilsfreie und humane Gesinnung kenne, habe ich nicht anstehen wollen, diese allergetreueste Opposition zu machen.“ Vielleicht verräth uns Herr Karpeles, was der ״verehrte Freund“ ihm auf diese seine mannesmuthig-1 Opposition erwiderte, wie er von künstlerischem und psychologischem Standpunkte aus seine Darstelluug zu motiviren oder gar zu rechtfertigen gesucht hat. Die zahlreichen Verehrer Spielhagens unter den jüdisehen Lesern und Leserinnen möchten ihn von jedem Schatten eines Verdachts rein wissen und haben ein Recht darauf, aus seiner Erwiderung aut K.'s offenen Brief an ihn die diesbezügliche Antwort zu erfahren. Herr K. begeht sicherlich keine Indiskretion, wenn er im Interesse des Freundes den betreffenden Passus uns, d. h. den Lesern dieses Blattes mittkeilt. Red.

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