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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-03-03 · N° 10. (3.3.1887) · p. Seite 40

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 10. (3.3.1887)
Date
1887-03-03
Page
Seite 40 (sequence 4)
Language
German
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wesen sein sollen, können wir kanm annehnen: vielmehr ist es uns wahrscheinlich, dass er gleioh im Eingänge seiner Schrift der Polemik keinen breiten Raum gewähren wollte. Der Verf. führt uns nun in zehn Kapiteln die psychologischen Anschauungen Mendelssohns vor, oft mit dessen eigenen Worten und auch da, wo er selbstständig deu Inhait des Gesagten wiedergiebt, in einer klaren, verständlichen und bündigen Darstellungsweise. Er stellt uns nicht etwa in chronologischer Reihe den Inhalt der einzelnen psychologischen Schriften oder Skizzen Mendelssohns dar, sondern er ordnet dessen Lehrmeinungen nach Materien und giebt uns, M.’s Anschauungen über Lust- und Unlustgefühle, über vermischte Empfindungen, über Affecte, über StrebuDgen, über Gewohnheit und Fertigkeit, über Wachen, Schlafen und Träumen, sowie dessen psychologisch-ästhetische Theorien wieder. In diesem ersten Hauptabschnitt stellt Herr Goldhammer noch unterschiedslos die Lehrmeinungen M.’s ohne Rücksicht auf ihren Ursprung zusammen, so dass wir vorläufig ein einheitliches Ganze vor uns haben und mit dem Hauptinhalte dessen bekannt werden, was Mendelssohn auf dem Gebiete der Psychologie und Aesthetik für wahr erachtete; erst in dem zweiten Theile hebt der Verfasser zum Unterschiede von deu entlehnten Anschauungen die von Mendelssohn neu gewonnenen Ergebnisse oder neu entdeckten Punkte hervor, wie z. B. die Lehre vom Billigungsverrnögen, welches zwischen dem Erkenntniss- und Begehrungsvermögen in der Mitte liegt, eiue Eintheilung die, wenn wir nicht irren, auch von Tetens gemacht worden ist. Da Kant die Schriften Mendelssohns tieissig gelesen hatte, so kann es nicht entgehen, wie Herr Goldhammer richtig hervorhebt, dass hier bei Mendelssohn das Vorbild ״des interessenlosen Wohlgefallens“ Kants zu suchen sei“. Ferner machte Mendelssohn ״zum ersten Male den Versuch, die Schönheit von der Vollkommenheit zu scheiden, welche Begriffe Baumgarten noch confundirt hatte“. Wenn Herr Goldhammer diese Scheidung nicht für gerechtfertigt hält und mit Zimmermann (Geschichte der Aesthetik I. S. 185) meint, dass M. zu derselben nur gelangt sei, weil er dem Uebersinnlichen Schönheit nicht absprechen wollte, aber zur Bezeichnung derselben den Begriff Vollkommenheit wählen musste, da sie auf deutlicher Erkenntniss beruhe, während die sinnliche Schönheit nur dunkel erkannt werde, dass aber diese Scheidung nicht nothwendig sei, wenn Mendelssohn ״sich zu dem Satze erhübe, dass auch nichtsinnliche Erkenntniss dunkel, d. h. ohne Bewusstsein erfolgen kann“ -- so ist diesen Bemerkungen — wenn wir anders den Sinn derselben richtig verstanden haben — doch entgegenzuhalten, dass Mendelssohn sich zu diesem Satze nicht erheben kann, weil die übersinnliche Erkenntniss, sobald sie nur den Gedanken der Zweckmässigkeit zum Inhalte hat, schon keine dunkle genannt werden kann, sondern schon eine verständliche Erkenntniss ist. Es giebt allerdings verschiedene oder noch höhere Grade der Deutlichkeit für die Erkenntniss des Uebersinnliohen, aber von einer dunklen Erkenntniss, wie sie bei der sinnlichen Schönheit stattfindet, welche auf der so wandelbaren Grundlage des menschlichen Geschmackes beruht, kann bei dem Uebersinnliohen keine Rede sein. Man bedenke überdies auoh, dass Mendelssohn durch seine theologische Denkweise zu dieser Scheidung zwischen Schönheit und Vollkommenheit hingeleitet wurde, um darzuthun, dass der Schöpfer bei seinem Weltenplane nicht immer die Idee der Schönheit verwirklicht habe, wenn dieselbe nicht mit der Idee der Zweokmässigkeit zu vereinigen war; ein Gedanke, der zweifellos zur Kräftigung des religiösen Bewusstseins im Zeitalter M.’s beitragen musste. Herr Goldhammer weist ferner mit Recht darauf hin, dass der Begriff ״Moralischer Geschmack“ von Mendelssohn neu eingeführt wurde, zur Bezeichnung des Seelenvermögens ״mittelst der anschauendeu Erkenntniss Laster zu verabscheuen, die Jugend zu lieben und über die physikalischen Unvollkommenheiten, die mit der Tugend in einem Subject verknüpft sind, Unlust zu empfinden.“ Ob jedoch 'der Anwendung, welche Mendelssohn von dem Inhalte dieses Begriffes auf das Wesen und die Aufgabe der Tragödie macht, bedingungslos zugestimmt werden kann, bedarf noch sehr eingehender Untersuchungen, vor Allem acer der Feststellung dessen, was Aristoteles unter xafl-apc׳.; xöv roxO־Yj|xaTü)v verstanden hat. (Siehe über die abweichenden Auffassungen dieses Begriffes: Ueberwegs Geschichte der Philosophie I. Theil Seite 192 Anmerkung II.) Wir können hier nicht, wie in einem nur philosophischen Interessen gewidmeten Blatte dem Verf. auf Schritt und Tritt folgen, um an diese oder jene Bemerkung der kritischen Maassstab zu legen; wir eilen deshalb zum Schlüsse und wollen nochmals darauf hinweisen, dass wir mit lebhafter Befriedigung die Lectüre dieser Schrift beendigt haben, die wir der voranstehenden Ausstellungen ungeachtet, als eine recht brauchbare Einführung in die Mendelsohn’sche Psychelogie bezeichneu können. Wir empfehle! diese Schrift allen Verehrern Mendelssohns auf das Angelegentlichste. Pasewalk, den 7. Februar 1887. Rabbiner Dr. M. Krakauer. Litterarische Notiz. Iu Bezug auf das Buch מדרש מלים (Brüll’s Jahrbuch III. S. 18!•) sind die Angaben des Rezensenten uncorrect. Er sagt: Die Zahl der Columnen (des 2. Th.) beträgt weder 254, wie die Bezeichnung der letzten Colnmne lautet, noch 25li wie Roest annimmt, sondern 258. Von diesen Zahlen stimmt nun keine einzige. Die letzte Col. lautet nicht 254, sondern :154; Roest hat nicht 25(1, sondern 358; in "Wirklichkeit hat aber der II. ,!'heil nicht 258 sondern 358 Columnen. Von 37 an ist die Pagination falsch. Das im Anhang 1"5 ספרV die Zahl der Bll. auf 354 angegeben ist, erklärt sich dadurch, dass Benjakob die letzte falsche Colummenzahl שנד für die Blattzahl angesehen hat. Berichtigungen. Herr Rabb. Dr. Wiener bittet um folgende Berichtigungen: Iu No. 7 S. 23 b. Z. 18. ist ״und“ st. oder zu lesen. Das. in Notiz 2 ״unbezweifelbaron“ (st. uuzweifelhaften). — In No. 8, S. 30 b. Z. 10 v. n. muss es ״nachtalmudischen“ (st. nachbiblischenl heissen. 8. 31 a. Z. v. o. ist ״absurd“ in ,als unzulässig1’ abzuäudern; das. Z. 14 v. u. ist auch ״ganz und gar“ zu lesen. In der Note das. ״wie“ ist. ״wir“.); das. Sp. 2 Z. 8. v. u. ״gern“ (st. gar). In derselben Note 1 aut Sp. b. Z. 2 ist nach den Worten: ״sei. Andenkens berichten“ hinzufügen: ״Jeruschalmi Kilaim IX sub fine. Abrabanel führt das Citat, aber nicht die ״Quelle an“. — Das. Note 3 Z. 3 v. u ist (8t. wesentliche) ״wesenlose“ zu lesen. | Beachtungswerth für Gejj| (1 lehrte,Dozenten,Candidaten, ui ® Forscher der hebräische■ | |l Litteratur und Verleger jjj |1l hebräischer Werke. [800 0 Sj Zur sauberen und ge- 5 11 schmackvollen Herstellung 9 iij Hebräischer Werke jlj jjj zu billigsten Preisen empfiehlt S llj sich die gj fil Buch- und Kunst-Druckerei III S G. Zahn * H. Baendel, | Bl Kirchhain N.-L. in 19.vs511i3sraassBaBQ LE JUDAISNIE ou l’expose historique et loyal DE LA DOCI'RINE, DK LA ‘ MORALE & DES MOEHRS ISRAELIS Par M. le Grand Kabbln MÜSSE Ouvrage in-8", prix: 5 francs, chez l’auteur, ä Avignon. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer, Magdeburg. Druck von D. L. Wolff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.

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