Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 10. (3.3.1887)
- Date
- 1887-03-03
- Page
- Seite 38 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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wähl k;um demjenigen nicht• schwer werden, der da weiss. di1ss"Jdie sämmtlichen in ganz Deutschland und Oesterreich üblichen Machsorausgaben entweder dem deutschen oder dem polnischen Ritus angeboren. Beide Sorten hätte Herr Teclien in jedem einschlägigen Bücherladen sich verschaffen können. Wenn er dies aber nicht gethan. dann war ich wohl in meiner Recension zu dem Vorwurfe berechtigt, der Herrn de Lagarde besonders in Harnisch gebracht zu haben scheint, dass Herr Teclien über die Existenz eines deutschen und polnischen Ritus nicht unteiriehtet war und sich in Folge dessen nicht mit dem nöthigen gedruckten Material versehen hat. Wird Herr Prof, de Laganle etwa behaupten wollen, dass Herr Teclien diese Ritusunterschiede nicht zu kennen braucht, weil ״er nicht Liturgikei■ sein will?“ Wird er auch jetzt noch nicht überzeugt sein. dass, wer handschriftliche Machsorim, d. 11. liturgische Werke beschreiben will, vor Allem ein Liturgik er sein muss, wenn er nicht auf Schritt und Tritt irren und Andere zum Irrthum verleiten soll? Und wenn Herr Prof, de Laganle S. 109 aus Techens Schrift S. '8 bloss dessen schulmeisternde Ausfälle gegen Zunz und die daselbst von massloser lieberhebung zeugende Note repmducirt. während er schlauer AVeise die dazwischen liegende Erklärung T 1‘clie 11s (s. oben) verschweigt, und wenn er im Gegensätze zu dieser von ihm weggelasseuen Erklärung S. lf);i es so darzustellen sucht, als hätte Teclien bloss angeben wollen, was in den zwei Göttinger Hand- Schriften zu linden ist. und wenn er endlich auf Grund dieser unwahren Darstellung uns mit den niedrigsten Schimpfworten belegt, dann möchten wir jeden redlich denkenden, wahrheitsliebenden Leser fragen, auf welcher Beite die ..absichtliche Verdrehung des Thatbestandes“ sich betindet, dann möge jeder Ehrenhafte entscheiden, wer denn eigentlich an dem Pranger steht, ״die drei Juden“ oder Professor Paul de Laganle? (Schluss folgt.) Theologischer Jahresbericht für 1885. Federzeichnungen v. Dr. Kroner, Kabb. iu Brandenburga.d.H. V (Schluss! Unter der ״Neueren Litteratur“ führt der Jahresbericht S. 88 zwar die ״Verhandlungen und Beschlüsse der Rabbiuerversammlung am 4. und 5. Juni 1884 (Berliu, Walther und Apolant)“ auf, bespricht dieselben aber mit keinem Jota; dagegen hat der Bericht unter derselben Rubrik Raum genug für die — ohne jedwede Kritik passirende — Inhaltsangabe von Hartmann’s ״Judenthum ia Gegenwart und Zukunft“, ficierender Weise auf den Hass der Loser spekuliere.“ Es wäre dies auch eine sehr verfehlte Spekulation. Denn, dass selbst ein Leser, der zu den grimmigsten Menschenfeinden gehört, aus der Weglassung eines Artikels unmöglich Hass ׳zu schüplen im Stande ist, wird auch der Herr Professor, der doch das Hassen gründlich versteht, bei einigermassen vernünftigem Nachdenken zugeben müssen. Nur wer für verleumderische, schimpfliebe Unterstellungen um jeden Preis einen Anhalt haben will, der wird sich wie der Herr Professor auch au einen Strohhalm — und zwar seihst au einen künstlich construirten — klamlnern und dem Leser vorspiegeln, dass hier ein Artikel ,.wohlweislich“ weggelassen und dort ein Buchstabe ״aus Eigenem“ hinzugefügt ist ^s. weiter Amu. 101. Auf das geistreich sein sollende Beispiel mit Herrn Dr. Zuckermandel erwiedere ich: Wenn Jemand sich anheischig machen wird, alle Targumausgaben namhaft zu machen und wird dann die Ausgabe von Sabbioneta nicht erwähnen und vom Codex Reuchliuianus wie von einer bisher noch ungedruckten Handschrift sprechen, wird ihn dann nicht Herr Professor de Lagarde einen un• wissenden Prahler nennen, wird er ihn etwa damit rechtfertigen, dass der Betreffende kein Targumist sein will? *) No. 0 8. 35a. Z. 58 v. o. ist zu lesen: wissenschaftlicher Gerechtigkeit (nicht Gewichtigkeit!). der von den Juden verlange, sie sollen ganz Deutsche werden und deshalb aufhören, Juden zu sein, ausserdem sich an der produktiven Arbeit der Nation betheiligen — Raum genug für die Besprechung der ״merkwürdigen ju lenchristlichen Bewegung im südliehen Russland“ und für mehr dergi. Allerdings will Herr S. hin und wieder auch vorurtheilsfrei erscheinen; so weist er auf die Schriften von Marx und Merx gegen das abscheuliche Blutlügenmärchen ״jenes Rohling“ hin, ebenso auf eine in Paris erschienene Schrift über die ״Allgemeine israel. Allianz“, die eine Vereinigung zum Rechtsschutz und zur Wohlthätigkeit. keine internationale, die Völker bedrohende Verschwörung sei, wie ängstliche Gemüther wähnten. Mögen nun immerhin Gründe, wie die Abneigung gegeu ״jenen Rohling“, der bekanntlich ein noch grösserer Protestantenals Judenfeind ist, die Erwägung, dass Christus nach Ausweis des N. T das Osterfest nach strengjüdisoher Vorschrift gefeiert habe uud daher der Glaube an jenes Märchen eine sehr be leukliche Folgerung nahelege, der Umstand, dass alle Monats-uud Semesterberichte der Allianz, namentlich auch die den letzteren stets beigedrucktenStatuten selbst einem ABC-Schützen jedenZweifei über Wesen, Zweck undZiel der Allianz benehmen — mögen immerhin diese und ähnliche Gründe bei jenen Hinweisungen wesentlich mitbestimmend gewesen sein: wir wären dennoch Herrn S. für dieselben aufrichtig dankbar, wenu hier nicht ״Wohlthat Plage“ würde. Herr S. bekundet nämlich andererseits in Bezug auf Juden und Judentbum Anschauungen und Gefühle, wie sie die als politische Blitzableiter gebrauchten Rassenjäger und Religionshasser niemals herber zum Ausdruck gebracht; diese pflegen sich gar oft auf solche Kundgebungen sogenannter ״Judenfreunde“ zu berufen; und viele andere, vom Antisemitismus noch nicht durchseuchte Kreise lassen sich durch solche Kundgebungen anscheinend vorurtheilsfreier Männer weit mehr beeinflussen, als durch die oben beregten Hinweisungen; die Hetzer und Schreier von Profession, aus Beschränktheit, Koukurrenzfurcht, gelehrtem und ungelehrtem Krämer neide und anderer schmutziger Engherzigkeit vermögen auf diese Kreise immer weniger einzuwirken, zumal Gerichtsverhandlungen uud andere offenkundige Thatsachen die Wahrheitsliebe, die Redlichkeit und andere Tagenden jener Hetzer und Schreier mit aller nur wünschenswerten Deutlichkeit klar gelegt haben. Darum sind uns die halben Judenfeinde weit schädlicher und, offen gestanden, weit widerlicher als die ganzen, die feilen etc. Um nicht der Uebertreibung geziehen zu werden, wollen wir hier noch eine der fraglichen Kundgebungen des Herrn S. beleuchten. Eine Broschüre Ri t te r’ s, des Predigers der Berliner jüdischen Reformgemeinde, glossirt er (S. 90) also: ״ Ritter nennt das Amt der Israeliten ein heiliges Versöhnungsamt, das die Aufgabe habe, die Menschen einander näher zu bringen. Und das 8011 durch eine nach Rasse und Religion von allen übrigen Menschen getrennte Gemeinschaft zu Stande gebracht werden!?“ — Schon in diesen paar Zeilen spricht sich der ganze Mann aus. Was haben denn die Stöoker, Treitschke uud Genossen im Grunde Herberes vorgebracht? Eine fremde Rasse, eine fremde Religion, ja eine von allen übrigen Mensehen getrennte Gemeinschaft! Was liegt da für antisemitisch durchseuchte Kreise näher, als die Deklamation: Seht, das sagt der Judenfreuud, Professor und Kirchenrath Siegfried, aber der Herr besitzt keine Konsequenz, wenu er nicht verlangt, fort mit der fremden Rasse, fort mit der fremden Religion, fort mit der von allen übrigen Menschen getrennten Gemein sohaft!