Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 8. (17.2.1887)
- Date
- 1887-02-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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-JL. Jüdisches Litteratur Jahrg. XVI, Blatt. Zar Belecrhtuag aller Jadeathaa« and Jaden betreffende■ Htterarlsebe■ Kr• «•beiaaagen auf dem lieblet« der Philo• >pkle, «whletate, Kthaographle, Theo• logt«, Orientalin, Kxeaeae. Homiletik, MturgU, Pädagogik. Heraasgegeben von Rabbiner I)r. Moritz Hahmer. 9R.a<j3e^ut^., 17. 1887 Bicher drrelaiChUgigea liltteratnr.netrbe der liedart »•׳ /ugOMandt werden, finden ta diesen! Blatte eingehende Besprechen* Bef Klnsendun* ton awel Rezension«• Kxemplaren errötet einmalige knrxe OratlN*lnner(40n. Da« ״JBdlsche Lttteratar-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. 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Von Dr. Bernhard Ziemlich, Rabbiner in Nürnberg. . Herr Professor Paul de Lagarde hat eine neue (^Theorie in die Welt gesetzt, die wohl von manchem jungen Streber auf den! Gebiete der Wissenschaft mit Begeisterung begrüsst werden dürfte. Nach dieser Lehre ist es zulässig, dass Jemand über eine beliebige wissenschaftliche Disciplin eine Schrift verfasse, ohne sich auch nur mit den Grundelementen derselben bekannt gemacht zu haben. So kann Jemand z. B. über Kant oder Spinoza disseriren, diese Männer als nichtsnutzige Scribeuten hinstellen, als Schriftsteller, von denen man eher lernen könne, wie man es nicht machen, als wie man es machen soll, die eher verwirren als aufhellen. Aufmerksam gemacht, dass er, der Herr Disserent, ja einen bedenklichen Mangel an Yerständniss auch nur der Materien, welche diese 'grossen Männer behandeln, “in jedem Satze seiner Sclnift verräth, wird er'antworten: Ihr Asiaten — so heissen nämlich nicht bloss die Juden. ׳ sondern auch angesehene christliche Kritiker, da ja ״leider zugegeben werden muss“, dass ״die Art der von Kaufmann und Genossen geübten Kritik keine spezifisch jüdische“ ist (Lagarde S. 160) — Ihr unverschämten Asiaten: Habe ich denn behauptet etwas von Philosophie zu verstehen׳׳ Ich verstehe davon nicht das Geringste. Aber als ״geschulter Philologe“ bin ich berechtigt, Kant zu bemitleiden, dass er einen so holperigen Stil schreibt, dass er nicht nur nicht so schön und klar wie Lessing, sondern — o, der Schande! — nicht einmal so gut wie der Asiate Mendelssohn sich ausdrückt. Audi ist die Anordnung in seiner Hauptsckrift nicht gerade glücklich. Und was die ^Lauptsu» he ist: Wo bleibt der Index zu einem so dicken Buche? Was vollends den Asiaten Spinoza angeht, so ist eigentlich mit seiner Herkunft Alles gesagt. Von seinem System verstehe ich zwar genau so viel wie vom Kant’scheii d. h. gai nichts.׳ Aber da er ein Latein schreibt, das im Verhältnisse zum Ciccroniairischen barbarisch genannt werdeu muss und Asiatismen gebraucht, die ich als geschulter Philologe nicht vertragen kann, so war meine Beurtheilung beider Philosophen für Jeden, ausser für Asiaten, die denkbar zutreffendste und gerechteste. So und ähnlich stellt sich etwa das Vertheidigungssystem dar, mit welchem Herr Prof, de Lagarde in seinem Pamphlet ״Lipman Zunz und seine Verehrer•׳ seinen Schüler Dr. Teclien zu rechtfertigen sucht. Bekanntlich hat Herr Teclien vor zwei .Jahren in seiner Schrift ״Zwei Göttinger Maohzorhaudschrifteu“ über liturgische Werke von Zuuz, Landshut und Luzzatto mit einer empörenden lieber- Hebung abgeurtheilt und dieselben ״als im wesentlichen verfehlt“ bezeichnet, gleichwohl aber fast auf jeder Zeile auf sie verwiesen. Die Frselieinuug, (lass »•in A11t״r zu seinem Leser Zeile für Zeile sagt: Schlage zu deiner Belehrung in den Werken nach, die ich dir soeben als völlig unbrauchbar und verwirrend geschildert, ist eine s״ ungeheuerliche, dass sie eine gehörige Beleuchtung erheischte, zumal die. Schrift die Approbation einer philosophischen Fakultät erhalten und unter der offenbaren Billigung des bekannten Professors de Lagarde erschienen ist, der zu derselben die Anregung gegeben. Diese Beleuchtung, oder vielmehr Heimleuchtiiug ist der Schrift durch meinen Freund Prof. Kaut- ן mann in der ..Oesterr. Monatsschrift für den Orient“ Jahrg. 1SS5N0. 411.5. durch einen Anonymus im ״Jüdischen Litte- I raturhlatt“ 1 S8ö No. _ J und durch mich das. No. -!א zu Theil geworden. Wir haben die in der Schritt sich offenbarende, nach dem anmassenden Auftreten ihres Verfassers geradezu verblüffende Unwissenheit desselben auf liturgischem Gebiete nachgewiesen und ihm natürlieh das Recht streitig gemacht, über die Leistungen eines Zunz, Lundshut und Luzzatto irgend welche» Urtheil ahzugehen. Daroh gerieth Herr Prof, de Lagarde in musslose Aufregung, die sieh in dem oben genannten Pamphlete Luft zu machen sucht. .Nicht bloss über uns drei arme Recensenten orgiesst er die volle Schale seines Zornes, sondern zugleich über andere hei der Missetlmt ganz unbetheiligte Autoren wie DD1־. Bache!•, Berliner, Frankl, Rabiner. Ja noch mehr! Wie einst sein geistiger Ahnherr Human für das vermeintliche Vergehen Mardoehai’s. an dessen ganzem Stamme sieh rächen wollte, so lässt auch Herr de Lagarde seinen Ingrimm am ganzen Judentlnun und allen seinen Bekennern aus. Wenn er aber von Zunz, dem todten Zunz redet —. und ihm ist der grösste Theil des Pamphlets gewidmet — dann steigert sich seine Wutli zur Raserei, dann entblödet er sich nicht, Zunz als einen ״Schwachkopf ersten Ranges“ oder als einen ״Fälscher“ hinzustellen, den ״Juden, die wirklich ihre Nation liebten, mit Ruthen aus ihrer Mitte peitschen müssten“ (S. 142). Es ist ein jämmerliches Bild, das der schimpfende, wütkende, keifende, brutal um sieh