Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 6. (3.2.1887)
- Date
- 1887-02-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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M 6. Jüdisches Jahrg. XYL Litteratur-Blatt. Zur Btlcurhtung aller Jadealhom aad Jaden betreffenden litterarlschen Er• «cbelnungen auf dem Gebiete der Philo• aophle, «wchlrhte, Ethnographie, Theo• logle, Orientalin, Exegese, Homiletik. Liturgik, Pädagogik. Herausgegeben von Rabbiner l)r. Moritz Rahmer. ©t£a<j9e6׳wT<j, 3. 1887 Büchet der einschlägigen Utteratur, welche der ltedaet oii xugeMandt nerdcu, finden in diesem Klatte eingehende Besprechung Bei Kinaendmiff von iwel Kerenslon«• Exemplaren erfolgt einmalige knrae OratlK-liisertlor. Das gJfldlsch6 Lltt6ratHT-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark« Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei ton . Buchha«dlungen 8 Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit _ ^le gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 1& Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. Buchhändler, welche direct oder durchRobert. Friese in Leipzig In9erate einsendeii, erhalten -5 % Rabatt. Inhn lt: W issensclinttliclie Aufsätze: Die Erd- und Feuorbestattung. Von Kabbiner Dr. Kohn in Inowrazlaw. IV. (Fortsetzung.) — Beerdigung und Feuerbestattung in Bibel und Talmud. Von Kabbiner Dr. Wiener in Oppeln. (Forsetzung.! Eil t eraturberi ob t: Kec.ensionen: Einstein, Berthold, Dr. K. .Toset Kara und sein (!ommentar zu Kohelet. — Aliinü, Dr. Isak. lieber die jüdischen Aerzte im Mittelalter. Eitterariscbe Notizen. Nachduck nur mit T7־cllex Quellenangabe gestattet. Die Erd- und Feuerbestattung. Von Kabbiner Dr. K o h n in Inowrazlaw. V. (Fortsetzung.) t Die Zerstörung Jerusalems, der Verlust von Altar Ü <1nd Tempel, hat 1m Judenthum neue Theorien gezeitigt, neue Anschauungen zu Tage gefördert, deren Ursprung in der Zeit, in der Noth der Verhältnisse zu suchen ist. Dies gilt namentlich von der ,Sühnelehre“, von der Theorie bezüglich בפרה. Israel war gewöhnt, sich täglich durch ״Opfer“ (קרבנית) gesühnt, und mit seinem Gotte versöhnt zu wissen. Arm oder reich, gelehrt oder unwissend, von hoher oder niedriger Abkunft, das קרב] צביר, das gemeinsame Opfer, sühnte die Schuld Aller . . . Eine andere Sühne als die des ״Opfers“ kannte das Judenthum nicht; selbst der Versöhnungstag hatte, wie es im jerusaltmischen Talmud (Jcrna 77 Edit. Zitomir) heisst, seine eigentliche sühnende Kraft im ״Opfer“, denn " ״ שעיר המימתלח מכפרn nr der in die Wüste geschickte Ziegenbock brachte Israel Versöhnung.“ Nun aber war aus dem Tempel ein Schutthaufen geworden, Altar und Opfer für immer von der Obeifläclie des religiösen Lebens geschwunden! Was nun anfängen, was beginnen? Woher Sühne und Versöhnung für den sündhaften Menschen nehmen? Die Frage war um!0 dringender und bedeutungsvoller, als man von Seiten des jungen aufstrebenden Christenthums diese Noth Israel’s auszubeuten, und den Stifter der christliehen Religion als ״H o hen p riester“, dessen Tod als ״V er s ö 11 n ungs t od“ darzustellen suchte, als ״Opfer“, durch das die ganze Menschheit gesühnt werden s01 lte. Schon um dieser unjüdischen Anschaumig, der Paulus in seinem ״Briefe an die He״ ״bräer“ solch mächtigen Ausdruck verliehen, entgegenzutreten, war es dringend uothwendig, an die Stelle des Opfers andere, gleich werthige Sühne-Mittel zu setzen, resp. andere religiöse Handlungen als ebenso sühnebringend wie das Opfer, zu bezeichnen . . . Rabbi Jochanan ben Sakkai, der leuchtende Stern in jener finsteren, grauenhaften Nacht, spricht das erste tröstende, aufrichtende Wort, um das verzweifelte, aller seiner Güter beraubte Israel zu beschwichtigen und zu besänftigen. R. Josua — also wird im Tal•■ mud erzählt — geht mit Ben Sakkai an den Trümmern des zerstörten Tempels vorüber, er vergiesst Thränen und spricht: ״Wehe uns ob dieser heiligen Stätte, wo einst die Sünden Israels gesühnt wurden!“ ״.Verzage nicht mein Sohn“, antwortet Ben Sakkai ״ש לנו בפרה אחת שהיא כמותה ואיזה וה :מילות חסדים. ״Es giebt heute noch ein ״Sühnemittel“, das nicht minder gut und lieblich als das Opfer, und das ist — Wohlthätigkeit!“ lAboth d. R Nathan IV.). Aehnlich im Talmud (Beracbotli ölia). ״So lange das Heiligthum bestand, hat der Altar Sühne gebracht, heute bildet der Tisch, an dem wir Arme und Düiftige speisen und erquicken, den sühnenden Altar.“ ״So lange der Altar bestand, gab der Mensch einen Schekel und er ward gesühnt, heute ist es die ״Zedakah“ (Wohlthätigkeit), die Sühne bringt.“ (Baba Batbra 9 a) . . . Ja! Zedakah! Ist denn aber Jeder in der Lage, Wohlthätigkeit zu üben? Was sollen denn die Armen machen, die froh sind, wenn sie den eigenen Hunger stillen? Namentlich, die armen Gelehrten, die ihre Zeit dem Erwerb geistiger und nicht materieller Güter widmen?! ״Die Gelehrten?“ antwortet der Talmud, für diese 1 ildet das Studium der Thora das heiligst.' Sühnemittel. ״Wer sich beschäftigt, mit der Opferlehre, dem wird es augerechuet, als ob er das Opfer wirklieh dargebracht hätte (Menachoth 110). Ja so manche Sünden, die weder durch Schlacht-, noch durch Speiseopfer gesühnt werden, können durch Thora gesühnt werden.“ (Rosch Haschanah 18 a.) Zedakah und Thora! Was sollen aber die Avmeu und zugleich Unwissenden aufaugen, die weder Wohlthätigkeit üben, noch Thora lernen können? Das Gebiet, der Sühnemittel musste erweitert werden. . . . Da war vor Allem das ״Gebet‘*, denn das Gebei vertrat ja die Stelle des täglichen Opfers (Beraehotb 2t> Ausseidem sühnt ״der Tod der Frommen“ (Moed Kaian 28), ebenso das ״Exil“ ') (Makkotli 2 b und 1! b> Das schönste und interessanteste Wort aul diesem Gebiete ist aber unstreitig das R. Dieser ben Asarja s im Namen R. Ismaels, das in seiner Einfachheit und Schlichtheit die Welt durchzieht, und in Rom ebensoviel Anklang und Wiederhall findet, wio' in l'alästina, wo es ursprünglich gelehrt ward■■ . . (Joma St׳a . •לית מכפרת - ,מיתתן של צדיקים מכפרת; c