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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1887-01-13 · N° 3. (13.1.1887) · p. Seite 12

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
16 (1887)
Issue
N° 3. (13.1.1887)
Date
1887-01-13
Page
Seite 12 (sequence 4)
Language
German
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erklären sucht.-Wie viele Hunderte und Tau- ■ende von Sünden begeht aber der Mensch, die sich ar nicht classificiren, rubrioiren und nominiren lassen? ünden, die weder zur Klasse der עשה noch zu der von לא תלשה gehören, und doch Sünden, schwere Senden sind!? Sind böse Eigenschaften (מדות רעות). Wie Neid, Geiz, Eitelkeit, Dünkel Kobheit, böse, unlautere Gefühle, Empfindungen, Begierden, Triebe etc., die ja weder zu den עשה noch zu den לא תעשה gehören, nicht strafbar und der Sühne bedürftig?! ״Wer da leugnet die Auferstehung der Todten, nicht glaubt au das Kommen des Erlösers, au die Göttlichkeit der müudlicheu Lehre, der hat uicht Theil am ewigen Leben!“ Zn welcher Rubrik gehören diese Glaubensartikel? Zu עשה oder לא תעשה?“ Rab sagt: (Jona 8.3) ״Ich entweihe den Namen Gottes, wenn ich dem Fleischer das Fleisch nicht sofort bezahle“. Ist diese Pflicht dem Fleischer gegenüber ein צשה oder לא תעשה?! Wenn daher Rabbi Ismael sich die vier Verse — nach eigener Combination — erklärt, indem er die biblischen Sünden in vier Klassen theilt, damit hat er noch lange nicht die Zahl aller Sünden erschöpfen, nicht den Menschen seiner allgemeinen ihm anhaftenden Sündhaftigkeit entkleiden und am allerwenigsten ihn mit dem Augenblicke des Sterbens in die Sphäre der ״reinen Engel“, der ״vollkommen Gerechten“, erheben wollen. R. Ismael spricht von einzelnen Sünden, die wir genau zählen, genau mit Namen bezeichnen können; von diesen gilt מ״תה ממרקת; die Sünden des Mensohen sind aber nach biblisch-rabbinischer Anschauung, — das ersehen wir aus der Handlungsweise des Baba ben Buta - רבו מלמנות ועצמו מספר zahllos und unzählbar und bedürfen deshalb der Sühne auch nach dem Tode!!—Wir wären also mit der historischen und agadiseken Seite der Frage zu Ende; fassen wir nun die halachische Seite derselben ins Auge. Litteraturbericht. Liturgie beim Einheben der Thora) in A-durJC für eine Siegstimme. Auch diese No. ist recht ansprechend. Ganz lieblich ist der Schlusssatz ״Haschiwenu“ für gemisohten Chor, Adagio non troppo Sänger und Hörer werden ihn gern bieten, bezw. aufnehmen. — No. 3 enthält Ps. 118, 25, das * 1 * (להקפה) אנאn A-dur 3l4 Allegretto für Cantor, gemischten Chor und Orgel. Die folgende Piefe giebt den Anfang der K’duschah (נקדש) in G-dur C Andante con moto für den Cantor, und dieser klingt so schön, dass das Fehlen des übrigen Theiles der K’duschah zu bedauern ist. — No. 5, ונסלח inEs-dur 3/4 Lento lässt uns an Jom-Kipper gedenken; aber nur der Text thut es. Die Melodie ist weder die traditionelle für Minhag Aschkenas hoch Minhag Polen, sondern selbstständige Composition; doch ist ihr Schönheit, namentlich in der Orgelpartie, nicht ab zusprechen. —No. 6, יושב בסתר עליון I*8• 91■ Nach der Einleitung des Vorbeters in F-dur beginnt der (gemischte) Chor in der parallelen Tonart D-moll und führt den Ps. mit dreimaliger Unterbrechung durch Einzelstimmen durch, in D-dur abschliessend. Die ruhig fortfliessende Melodie lässt den Zweck der Arbeit erkennen, wenn wir es nicht schon aus dem Text wüssten. Auch von dem folgenden ישוין^י Ps. 1®» 8—11, das in derselben Tonart beginnt und schliesst, wie das vorhergehende, lässt sich dasselbe sagen. — No. 8 bringt uns wieder festliche Stimmung. Der Text ist dem Stuttgarter Gesangbuch entnommen für den Vorabend des Pessachfestes in A-dur für eine Singstimme, gemischten Chor und Orgel. Mit einem Recitativ beginnend, tritt im 2. Vers der Chor moderate assai ein. Nach einem schönen Solo schliesst der Chor in wirkungsvoller Weise ab. Hervorheben will ich aus dem Chor den schönen harmonischen Satz. Ein vom Professor Kämpf gedichtetes Predigtlied wird uns für 4-stimmigen Männerchor a capella in No. 9, und der 100. Ps. in dem jubelnden D-dur für gemischten Chor, Solo (in Mittelsatz) und Orgel in der folgenden No. vorgeführt. Auch diese werden gern gehört werden. (,Schluss folgt.) Litte rari solle Notizen. Recensionen Rubin, D. שירי היכל Tempelgesänge für Chor- und Solostimmen mit Orgelbegleitung, II. Theil, Prag. Eigenthum des Componisten. Wiederholentlich hatte ich in d. Bl. die Ansicht ausgesprochen, dass es nunmehr zweckmässiger sei, ein zeine Gebetstücke musikalisch zu bearbeiten. In solohe monographische Arbeiten kann sich der Componist mehr vertiefen, als wenn er die gesammte Liturgie, wie es unsern grossen Synagogencomponisten gelungen, musikalisch illustriere. Wozu auch? Haben wir denn Mangel an Synagogencompositionen letzterer Art? Also, non multa, sed multum. Ein solches Bändchen von Einzelbearbeitungen reicht uns D. Rubin dar. Treten wir also unsern Rundgang an. Er beginnt No. 1 mit dem 24. Psalm, l’Dowid mismor für eine Singstimme mit Orgelbegleitung in D-dur, C. Mae- 8toso, Text heräisch und deutsch. Diese Composition ist Vers 1— 4 mehr recitativisch. Sehr richtig ist Vers 0 dem Chor zugewiesen. Erst von Vers 7 ab ist die Arienform gewählt. Die wiederholte Aufforderung, Vers 9, singt der Chor moderato. Vers 10 fragt der Solist ״mi hu seh ineleoh?“ Die Antwort giebt der Chor ״Adonoj z’wooss.“ Das ist trefflich dramatisch aufgefasst. Die Orgelbegleitung hierzu ist gut. — No. 2 bringt uns עץ חיים (also die Fortsetzung der j Ziir Feuerbestattung iu der Bibel. Im ״Litt erat ur-Blatt“ N1-. 1 erwähnt Herr St eck e lmacher (״zur Erd- und Feuerbestattungsfrage“( auch die Stelle I. Sam. 31. 12 und 13: ״Da machten sich alle wehrhaften Männer aut und wanderten die ganze Nacht hindurch und nahmen die Leiche Sauls und die Leichen seiner Söhne von der Mauer von Beth-Sehan und kamen i naoh Jabesch und verbrannten sie daselbst. Daun nahmen sie! ihre Gebeine und begruben (sie) ttnter der Tamariske in Jabesch j und fasteten sieben Tage “ 1 Herr Steckelmacher will Gewicht darauf legen, dass die i Gebeine und nicht die Asche begraben würden: als ob im i Falle einer wirklichen Leichenverbrennung die Erhaltung der : Gebeine hier befremden musste. Nun zeigen aber mehrere Stellen l der Homerischen Gedichte, dass man die bei der Verbrennung | übrig bleibenden Gebeine gesammelt und bestattet : hat. Jlias VII, 333 ff. XXIII, 238 ff. und 252 ff. XXIV, 792 ff. j Odyss. XXIV, 71 ft'.) Und wir können daher für unsere Stelle 1 unbedenklich ein Gleiches annehmen. Das Fehlen, der aut Ver- ( brennung bezüglichen Worte, in der Parallelstelle S. Chrou. 10, 1 12 ist völlig belanglos. Es heisst daselbst* ״Und sie nahmen I die Leiche Sauls und die Leichen seiner Söhne und brachten ׳ sie nach Jabesch und begruben ihre Gebeine u. s. w.“ Auch! nach diesem Wortlaute muss man annehmeu, dass eine Ver- 1 brennung erfolgt ist. . Breslau. Heinrich Lewy I Berichtigungen. Iu dem ersten Art der vor. No. Z. 13 1 v. o. muss es statt: auf die vorangehenden — ״auch die vori angehenden“ heissen. ן Bei dem Citat aus Spiegel muss noch 1״. S. 25“ bin- I zugelugt werden. In der zweiten Spalte Z. 11 v. o. muss es; st. ״Nun betonten“ — ״N e in, betonten“ heissen. — Z. 1(1 v. o. 1 muss es st. verboten — ״geboten“, — Z. 31 v. o. muss das ״ ןaber“ gestrichen werden. In der letzten Zeile des Artikels ist ן statt ״Vergönnten“ — ״verpönten“ zu lesen. Verantwortlicher Redacteur Dr. ,Bali mer, Magdeburg. Druck von D. L. Wollt, Magdeburg. Verlag von Robet Frie se, Leipzig.

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