Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 16 (1887)
- Issue
- N° 2. (6.1.1887)
- Date
- 1887-01-06
- Page
- Seite 8 (sequence 4)
- Language
- German
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dass die Finsterniss 80 bedeutend war, dass der Eindruck, den sie auf die Bewohnerschaft Egyptens hervorgebracht, so mächtig und erschreckend war, dass keiner es wagte, vor drei Tagen sein Haus zu verlassen. Desshalb konnte auch in den Wohnsitzen der Kinder Israel (Gosen), wo die grösste Phase der Finsterniss nur 11 Zoll betrug und noch eine kleine Sonnensichel sichtbar war, Lioht herrschen. — Diese kleine Sonnensichel spielt aber nun dem Verfasser einen hämischen Streich und wirft mit einem Zuge seine ganze Theorie über den Haufen, wie wir weiter sehen werden. Bei der Erforschung des genauen Datums für die Zeit des Bundesschlusses mit Abraham (Berith ben Ha-Betharim) nämlich der am 8. Oktober 1763 ▼. Chr. (also zu Abrahams Zeiten schon Oktober?) stattgefünden haben soll, war wieder eine Sonnenfinsternis?. Beweis: Gen. 15,5 heisst es: ״Er (Gott) hiess ihn hinausgehen und sprach: Schaue doch gen Himmel und zähle die Sterne! Nach dem Verfasser muss diese Offenbarung Gottes noch bei Tage stattgefunden haben und die Sonnenfinsterniss so intensiv gewesen sein, dass Abraham die Sterne sehen konnte. Es geht dieses auch aus Vers 12 hervor, wo es heisst: die Sonne ward zum Untergehen etc. Die herausgereohneten 5 zwischen der Sonnenfinstniss und dem Sonnenuntergänge liegenden Stunden hatte aber Abraham nöthig, die Thiere auszusuchen und die Opfer darzubringen. Bei dieser Finsterniss betrug die grösste Phase 11,5 Zoll und die Finsterniss war so stark, dass Abraham bei Tage alle Sterne sehen konnte, die in seinemGesichtskreisestanden. Dass ihn Gott alle oder doch viele Sterne wollte sehen lassen (wenn überhaupt dieser Ausdruck wärtlieh zu nehmen wäre, was jedoch keinesweges der Fall ist. Vergl. die Commenlare!) scheint wenigstens der Verfasser anzunehmen, da eben die Menge der Sterne nach seiner Ansicht die Menge der Nachkommen Abrahams andeuten sollte. Trotzdem war es bei den Jsraeliten in Gosen bei einer 11 zölligen Sonnenfinsterniss noch hell und bei Abraham bei einer 11,5 zölligen schon so finster, dass man eine grosse Menge Sterne sehen konnte! Wer löset mir, Graf Oerindur, diesen Zwiespalt der Natur? Es ist eben die kleine Differenz von 1/ג Zoll, welche dem Verfasser einen Strich duroh die Rechnung macht. Es widerspricht aber auch die Wirklichkeit, dass eine partielle Sonnenfinsterniss solche Wirkung hervorzubringen imStande sei; nicht einmal die totale Sonnenfinsterniss vermag dieses; inan bemerkt bei dieser, wenn sohon der Mond die ganze Sonnensoheibe bedeckt hat, um diese einen strahlenwerfenden Lichtschimmer stark genug, um das Hereinbrecben der vollen Nacht zu verhindern (die sogenannte Corona). Allerdings ist es möglich, bei einer sehr starken Verfinsterung einzelne nahestehende Sterne auch während des Tages zu erblicken; und diese annähernd richtig zu zählen würde gewiss nicht zu den Unmöglichkeiten gehören. Merkwürdiger aber ist noch die Sonnenfinsterniss im Josua 10,12 wo es heisst: Sonne, stehe still zu Gibeon und Mond im Thale Ajalon! Dass das Zusammentreffen einer Sonnenmit einer Mondfinster־ niss zu den Unmöglichkeiten gehört, hat der Herr Verfasser natürlich nicht berücksichtigt und daher letztere weislich — ignorirt. Dass es beim Begleiten des Verfassers duroh alle Thäler seiner Finsternisse dem Leser selbst unwillkürlich finster vor den Augen werden muss, wird Jeder einräumen, der das Glück hat, im hellen Lichte des Glaubens wandeln zu können. Desshalb will ich von den Ergebnissen seiner weiteren Forschungen, welche den 62 Seiten umfassenden Theil I. des Werkes ausfüllen, nichts mehr verrathen, als das allerdings ehrliche Selbstgeständniss des Verfassers und das Prognostikon, welches er dem Kinde seines Geistes stellt und welche in der Vorrede also lauten: ״Freilich stützt sich der erste Abschnitt auf eine Hypothese, die bei den Theologen nur geringen Anhang finden dürfte . . . hiesse es einen Act der Selbsttäuschung begehen, wenn ich mich der Hoffnung hingeben würd•*, meine ״ Biblische Chronologie“ werde frei von Angriffen bleiben So mancher Theolöge wird auf dieses mit schielen Augen blicken (weil er nichts als Finsterniss sieht, wodurch das Schielen besonders gefördert wird, C) und ich weiss wohl, dass man bald von der einen, bald von der andern Seite gegen manche (nicht gegen jede? C.) hier zur Erörterung gebrachte Idee loszuziehen belieben wird Dooh die Macht des Wissens und der immer ״Vorwärts“ rufende Forschungsdrang werden in baldiger Zukunft lehren, in welchem Lager die richtige Erkenntniss gehaust hat ... Wo aber nur der Fausthall gegen mich erhoben wird, (Verfasser setzt anständige Leser voraus? C.) um mioh gleichsam durch den blossen Anblick eines mächtig scheinenden Riesenarmes (Hallucinationen des Gesichtssinnes finden am meisten beim Heranbrechen der Finsterniss statt. C.) zu ersehrecken, dort, wo nur blinder Fanatismus, eitle Scheinheiligkeit 01er ein duroh Gemisch von absurden Ideen blenden wollender rabbinischer Sonderling gegen mich auftritt, da kehre ich dem Gegner den RückenT schreite unbekümmert meines Wegen fort, (durch alle die Finsternisse? 0.) etc.“ Der II. Theil bringt im 1. Abschn. S. 65—72 die Zeitrechnung der Hebräer bis zum Beginne des neueren jüd. Kalenders. Dieser Abschnitt euthält nichts Neues, als bei der Erwähnung des Purimfestes die Ansioht des Verfassers, dass der Fasttag ״Taanith Esther* erst in späterer Zeit eingeführt worden zu sein scheint. Der 2. Abschn. enthält auf S. 73—82 die Erklärung des neueren jüdischen Kalenders ohne irgend welche neue Aufschlüsse und von 8. 90—95 * eine Anweisung zum Gebrauche der nun folgenden Tafeln. Das Reduoiren der jüdischen Daten in die julianischen und gregorianischen und vice versa geschieht wie in hundert andern ähnlichen Werken, auf die sehr complicirte Weise: Addire, subtrahire, multiplicire, dividire etc und wenn Du’s dann gefunden hast, so macht’s Dir weiter keine Last. Alsdann folgen I. Tafeln zur Umwandlung des neuen jüd. Kalenders in Tage der julian. Periode und umgekehrt, und zwar a) Cykleutafeln 8. 97—104 und b) Jahrestafeln 8. 105—124. — II. Tafeln zur Umwandlung des jul. und greg. Kalenders in Tage der jal. Periode und umgekehrt S. 125—130. — III Tafeln für den Festkalender und zwar a) Tafeln zur Bestimmung des Festkalenders für die Jahre 4066 —6250. Allen diesen Tafeln sind die Schramm’schen ״ Hilfstafeln für Chronologie“ zu Grunde gelegt. Bei sorgfältiger Vergleiohung derselben habe ich nur folgende 3 Irrthümer gefunden: Die Jahre 4455 und 4972 haben beide die Formel Km statt 1שנ und das Jahr 5735 hat כשר statt נכה, Die 14 folgenden Festkalender (b. S. 145—201)־ haben vor so vielen ähnlichen durchaus keinen Vorzug. Ein alphabetisches Register 8 202—204, welches; die in den Festkalendern gegebenen hebräischen! Namen in lateinischer Schrift hier auch in hebr. Schrift wiedergiebt, bildet den Schluss des in typo-! graphischer Beziehung sorgfältig und sehr schön ausi gestatteten Buches. Ob das Buch Käufer finden werde, : wird davon abhängen, ob man geneigt sein wird, das־ 1 helle Licht des reinen und unverfälschten Gottes- 1 wertes nur in der Finsterniss zu suchen. Rees a. Rhein. L. Cohen. Verantwortlicher Redacteur Dr. Kalnner, Magdeburg. Druck von D. L. Wolt'f, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.