Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 52. (23.12.1886)
- Date
- 1886-12-23
- Page
- Seite 204 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- 204 - Und damit wollen wir unsern Bericht über dieses bedeutsame Werk schliessen. Ich zweifle nicht daran, dass der Herr Verfasser, den wir als einen mächtigen Fels des Idealismus kennen lernten, hocherhaben über den Dusel gemeiner Lobhudelei ist, und die Bedenken, die ich gegen seine Ideenlehre und deren Begründung vorgebracht, als das ansehen wird, was sie sind: als den Ausdruck meines lebhaften Dranges, den Meister ganz zu begreifen, oder: mit ihm ganz übereinzustimmen. Wie gerne wäre ich dem sichern Führer, der in der Psychologie uns von den falschen physikalischen Formeln Herbarts zurückgeführt und uns den rechten Weg zur Formulirung der psychischen Grundprozesse gezeigt hat, auch in der Ethik gefolgt! Aber wenn ich dies nicht gekonnt, soll ich es verschweigen, weil — — es Steinthal ist? Nein, im Gegenlheile, weil es Steinthal ist, darum habe ich es nicht verschwiegen. Kleinliche Rücksichten sind für die Kleinen; für den Grossen wären sie Beieidigung. — Zum Schlüsse noch etwas liebenswürdig Mensch- Hohes von dem Verfasser, die Widmung! Diese lautet: ״Meinem lieben Freunde M. Lazarus“. Vor der ״Einieitimg in die P.-ychologie und Sprachwissenschaft“ lautet die Widmung: ״Meinem lieben, lieben M. Lazarus.“ Ist das weniger, oder mehr? — Ach es verrathen diese beiden Widmungen den schweren Seelenkampf eines männlichen Herzens! Als er die erste Widmung schrieb, hatte Steint hal einen herben Schmerz erfahren, die wärmste Stelle seines Herzens blutete unter einer brennenden Wunde! Du waren die Freundschaft, die ihm tragen half, die den Schmerz ihm theilte, und die Zuversicht: ״wie immer es sei, die sittlichen Ideen siud fest“!1) — Zwillingsgeschwister. Diese Zuversicht, damals sein Ahrous-Stab, seine Stütze im Kampfe gegen die aufrührerischen Korachiden der Vergänglichkeit drausseu und im Herzen ist nun eine geschichtliche That geworden; der Ahrons- Stab hat Blüthen entfaltet, Frucht, gezeitigt: ״die Ethik“, die zeigen sollte, dass die sittlichen Ideen fest sind, und diese Frucht der einen Stütze im Schmerze reicht er dankbar nun dem Freunde: der andern Stütze. ״Diese Ethik — sagt der Verf. in der Widmung — ist mir ein Kind des Schmerzes. Sie ist der Bund, der Friede, den ich mit dem Leben geschlossen habe. Sie soll und sie wird, hoffe ich, mein Herz kindlich erhalten, d. h. frei von jeder Bitterkeit gegen die Menschen und das Schicksal“ — das ״Schicksal“, welches ״nicht so mild war“, sondern ״Sihlag auf Schlag folgen“ liess, — ״der 2. härter als der erste, weil er eben der zweite“. — ״loh eigne das Bucii Dir zu, lii-ber Lazarus, weil wir so vieles miteinander in Freud’ und Leid ertragen haben und . . . zm-aimnen zu tragen und zu wirken gedenken . . . weil ich den Schlussstein meines Systems Dir verdanke“. Giebt es eine schönere Einleitung zu einer Ethik, die uns stählen tragen lehr ■11 soll? Die Widinung ist eiie Ethik im Kleinen, zeigt den Ethiker im Leben! —Steinthal und Lazarus wen ergriffe nicht heilige Rührung, wenn er bei solchen Männern der kalten Abstraktion solche Züge der llerzensweichheit erl mscht? — Dr. J. G o: dsc 1! ui id t-Weilburg. Liittevurisclie Notizen. diesem Blatte No. 42 Jahrg. 1883 ausgesprochene Ansicht Uber das Alter des Ritus, dass nämlich die Einschaltung der Verse כי ביום הזה u ושמרו, beim Abendgebet eine Zuthat neuerer Zeit sei, zu widerlegen und will constatiren, dass sie schon zu Zeiten des R. Amram Gaon gesagt wurden. — Möglicherweise fällt die Entstehung dieses Ritus schon in die Zeit des R. Amram; jedoch lässt sieb mit Gewissheit bestimmen, dass ושמרו erst viel später in die Gebetordnung nnd auch mit einiger Reserve aufgenommenjwurde. denn, obwohl das Abendgebet רשות ist, wollte man das לסמוך גאולה לתפלה streng beibnhalten, wie aus dem Buche Rokeach von R. Eleaser, ben Jehuda aus Worms (ungefähr llfi'l—1230) zu ersehen ist. Das. Hilchoth Sabb. § 49 heisst es: ,בשבת פורם סוכת שלום ואומרים בלחש ושמרו, SO heisst’s auch Hilchoth Jom tob § 302: יד¥רור אומרים בלחש אלה מועףי י״י(?) Interessant ist noch die Divergenz, dass man an Feiertagen statt das heute übliche וידבר den Vers אלה ר ועדי sagte, was nur das Ungewisse dieses rituellen Usus bezeugt. Tarnow. Salomon Spinner. 2. M. Har kavy soll aus dem Orient folgende Manuscripte mitgebracht 11.1 ben: Unedirte Fragmente des Ben-Mischle von Samuel lia-Nagid, ein Fragment des Siddur von Saadia, ein arabisches halachisches Werk, wahrscheinlich von Samuel ben Chofni, ein Siddur eines bisher unbekannten Ritus, ein Bericht eines Augenzeugen über die Vertreibung der Juden aus Spanien, ausführliche auf Velin gedruckte Fragmente, den Tractat *מועך enthaltend. 3. Sylv.Le vy, Professor des Sanscrit an der Pariser Hochschule für orientalische Studien wurde zum Prof, für den Unterrieht über die Religion Indiens an der gleichen Anstalt ernannt. 4. Wien. Hr. Buchhändler Ch. Lippe hierselbst lässt mit Beginn des neuen Jahres die Fortsetzung seines sehr nützlichen bibliographischen Handbuchs und Lexikons jüd. Schriftsteller (אסף המזכיר) erscheinen. 5 Exegetische?iotiz. 2. B. Sam. C. 12. V. 24 heisst es, bezüglich des neugeborenen Söhnchens der Bathseba ותלד בן ויקרא את שמו שי1מה והי אהבו; im darauflolgeneen Verse heisst os sodann, dass der Prophet Nathan ihn Jedidjah genannt habe ויקרא את שמו ידידיה בצבור ה׳. Die Schluss- Worte בצבור הי, welche die Aendernng des Namens motiviren sollen, sind unverständlich, ebenso sind die Worte וה' אהבו im V. 24 nicht recht zu verstehen, was soll es in Beziehung auf einen Neugeborenen bedeuten: ״Gott liebt ihn“? Es scheint vielmehr, dass David dem Knäblein einen Doppelnamen gegeben: שלמה und ר׳ אהבו (man (lenke an ה׳ שמה, צמנו אל Ezech. 48,;!.ן (׳ den zweiten Namen änderte nun der Prophet in ידיליה um, was ja dasselbe bedeutet, ohne den vollen Gottesnamen (aus heiliger Scheu) damit in Verbindung zu setzen, was eben mit den Worten בצביר הי motivirt wird. Odor man muss die Worte ווד אהבו hinter ידידיה setzen, woraus dann בצבור ה׳ entstanden. (>. Unsero in No. 50 abgedruokte ״Erklärung“ bezieht sich — wie wir aut mehrere Anfragen mitzutheilen uns genöthigt selien aut ein von Prof, de Lagarde veröffentlichtes Pamphlet ״I.ipmaim Zuuz und seine Verehrer“ ,in seiner Broschüre ״Erinnorungen an Rückert“), worin Prof. I)r. Kaufmann, Rab. Dr. Ziemlich und andere jüd. Schriftsteller mitgenommen werden. Dos Letzteren Artikel in No. 28, Jlirg. 1885 des Litteraturblattes, so wie den aus No. 24 desselben ,iahres druckt Lagardo ‘sogar ab und ׳macht, mit Rücksicht auf die H Punkte, die unter dem lotztgen. Art. steilen, die Bemerkung: ״mag er (der Verf.) nun Frankl, oder Ualuner oder Racher heissen“. Die Zahl der Punkto ist vom Drucker aber ungenau wiedorgegeben und L’s. Spürsinn darum auf falscher Spur. Uebrigens bereitet Heir Professor Kautmanu, wie wir erfahren, eine Gegenbrochüre vor, in der er den Nachweis führt, dass der Herr Protessor Pan! de Lagardo völlig uuoompetont sei, über rabbinische Litteratur und Litteraten zu urtheilen. AbMcIii'ifLvn von den .11 der Wiener Hofbibliothek helltnlllchei! hehr. Handschriften besorgt billigst Herr Arthur S. W c iss mail ״ in Wien,!tfalzgasse 4, Th. 10. I. Herr Dr. Th. Kroner, indem er zwei Porgamentblattcr der Hrturtor Bibliothek bespricht, versucht, meine in ’) Einleitung, Widmung: S. X. Aeltei1. ■)׳ a 11 rgütige des ״Jüdischen Litteraturlilutts" sind, soweit der Vorrath reicht, ä 1 Mark (und 30 Pt. Porto) nur direct durch ״die Expedition der Isr. Wochenschrift in Magdeburg“ zu beziehen. Vernt wort lieber Rndaeteur Dr. R all m e r, Magdeburg. Druck von D. L. Wo 1 ff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.