Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 45. (4.11.1886)
- Date
- 1886-11-04
- Page
- Seite 176 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 176 יצא שם דל בנלרותד entsprechend dem Ansdruck הגילו לפדקן. ich vermuthe, פרקו נאה ist identisch mit וקנו מנדל, weil ב׳ שלרות bekanntlich סימני נלרות, also Zeichen ▼on הנילו לפרק sind.' Demnach ist unsere Stelle eine Anweisung für die ת״ח, den Bart als Mittel zum ehrwürdigen Aussehen nicht zu vernachlässigen, denn durch Mangel an Ehrfurcht vor den Lehrern entsteht Mangel an Ehrfurcht vor der Lehre. — Will man dies nicht, 8נ kann einfach פרקך Vortrag, Unterrichtweise, genommen werden. Aber ״ Lebenswandel“ entspricht dem gar nicht. S. 6 התרחק מן ״ התרלימות שמא תתרלם לל אחרים ותוסיף לחטאTadle nicht zu viel, auf das du nicht das an An lern tadelst, wobei du selbst beharrst“ — das ist wohl geistreich, aber offenbar nicht richtig! Bichtiger ist: ״ Halte dich fern von fremden Streitigkeiten (oder Zorn), sonst kommst du zu Streitigkeiten (oder Zorn) mit Andern und zu weiterer Sünde“. — So geht es fast durchgängig durchs ganze Werk: eine wirklich gelungene Uebersetzung begegnet man nicht häufig, was um des reichen ethischen Gehaltes dieses Traktats sehr zu beklagen ist. — Allein bei allen Arbeiten dieser Art ist die Auslegung und Uebersetzung uicht die Haupt- Sache, sondern die Text-Kritik, denn der Leserkreis solcher Werke ist gewöhnlioh der Kreis der Talmudgelehrten, die den Text, und nicht die Uebersetzung lesen, während das Material zur T! xt-Kritik nur sehr wenigen zu Gebote steht Möge darum der H׳>rr Verf. in meinen tadelnden Bemerkungen nur den Beweis erblicken, wie eingehend ich mich mit seinem Werkchen beschäftigt habe, und es 8011 mich freuen, wenn dieser Beweis für Andere Veranlassung wird, meinem Beispiele zu folgen und dem Werke warme Aufmerksamkeit zu schenken. Dr. J. Goldschmidt-Weilburg. Sacher Hasoch. Polnische Ghetto - Geschichten. Münohen u. Leipzig. G. Franz’sche Verlagsbuchhandlung. Roth, Hofbuchhändler. 183U. Bei Sacher Masochs Ghetto - Geschichten kann die Kritik, sofern neue Bände erscheinen, sich fast auf eine einfache Anzeige beschränken, für die Freunde Masoch’soher Muse und der Ghetto-Geschichten überhaupt ist damit genug gesagt und für diese sind sie ja eigentlich nur berechnet. Die in der vorliegenden Sammlung vereinigten sind bereits früher einzeln in Zeitschriften veröffentlicht und mit Beifall aufgenommen. Sie bringen daher als Buch gewissermassen einen Leserkreis mit auf die Welt. Eine — wenn auch nicht die beste — der Erzählungen ist ja auch den Lesern des B. aus dem Familienblatte bekannt. Einzelne sind wahre Kabinetsstüoke. Ich nenne hier vor Allem Abel der Karäite, Mein Schneider Abrahamek, der Prostek etc. etc. Dieses tief eindringende Sichversenken in das innerste Wesen der jüdischen Volksseele, in ihr Empfinden und Fühlen, bei einem nichtjüdischen Autor beweist eine bewunderungswürdige Meisterschaft., die ihm auf diesem Gebiete neben Ludwig Kompert, A. Bernstein, Franzos u. A. denn auoh längst zuerkannt ist. Wer wüsste auch wie er diese meistens mehr oder weniger bedauernswerthen Gesohöpfe so lebenswahr zu schildern und als das nothwendig so oder so gewordene Natur- Srodukt des Bodens, auf dem er entsprungen, der Tmgebung, in welcher er gutgewachsen ist, der religiösen, sozialen und sonstigen Einflüsse, die auf •eine Entwiokelung eingewirkt, nachzuerleben wie gerade Sacher Masocb? Auf ein Seoiren der einzelnen Geschiohten gehe ioh hier nicht ein, es ist dieses nirgends misslicher, als in der Dorfgeschichte, vollend 8 der Ghettogeschiohte. Hier als Probe Masoch’sche r Zeichnung nur die prächtige Einleitung der schönen Erzählung Marohelles und Morchelles: ״Die Leute im Westen sind gar stolz auf ihre Kultur, und mit Recht, sie würden aber trotzdem in nicht geringe Verwunderung gerathen, wenn sie sehen würden, mit welcher Andacht und Sehnsucht oft dieLeute im Osten nach den geistigen Schätzen des Westens ausblicken, wie nach einem fernen, durch Salomonis Siegel ▼erschlossenen Wunderlande, der hagere Engländer, der in der Tribuna vor dem Venusbild die Nase rümpft, die geschminkte Pariser Dame, welche ungeduldig den neuesten Roman wegwirft, der׳ deutsche Student, weleher stolz darauf ist, dass er nur beim Verlesen des Katalogs im Kollegium anwesend ist, sie alle haben keine Ahnung, was in dem verlorenen galizischen Städtchen, in einem dumpfen Stübchen der Judeagasse, der schlechte Holzschnitt eines Kunstwerks, ein abgegriffenes Buch, ein kleines Mikroskop oder ein Bündel grauen Papiers, das mit getrockneten Pflanzen gefüllt ist, zu bedeuten hat. Vor Allem aber ein Buch, ein gutes Buch. Das ist hier eine Art Heiligthum und geht vielleicht mit grösserer Andacht von Hand zu Hand, als die Thora, die man zum Küssen herumreicht. Da werden auch schöne Gedichte, ja ganze Tragödien und wissenschaftliche Werke, nach den Tagesmühen, beim Schein der nächtlichen Ampel, sorgsam abgeschrieben oder mindestens excerpirt und die vergilbten Blätter oft als theures Vermächtniss dem Freunde, dem Sohne, dem Bruder hinterlassen. Der Name eines grossen Mannes wird nie ohne Ehrfurcht ausgesprochen und bei den Darstellungen einer herumziehenden Komödiantentruppe fliessen mehr Th1־änenr als je ein Talma oder eine Schröder hervorgelockt haben. Wenn sich je zwei Menschen von diesem kindlichen Drang nach dem Wahren und Schönen, von dem die stolzen Leute des Westens wenig mehr wissen, erfüllt zeigten, so waren es unstreitig die beiden Freunde Marchelles oder Morchelles“. Zweifelsohue wird dieser neue Band Masoch’scher Muse sich bald seine Wege bahnen und der alteu Freundesschaar neue zuführen. Un9ere besten Wünsche werden allezeit einen Autor begleiten, der uns schon so manche genussreiche Stunde verschafft hat Max Weinberg. Litterarische Notizen. 1. Dresden. Im Verlage der Jittmann’sche Buchhandlung erschien ein sehr interessantes Werk vom Rechtsanwalt Emil Lehmann, einem der Vorsteher unserer Gemeinde: ״Aus alten Akten“. Bilder aus der Entstehungsgeschichte der Dresdner israelitischen Gemeinde, gewidmet ״den Manen seines verehrten Lehrers und Freundes Oberrabbiner Dr. Landau“ mit einem vorzüglichem Portrait desselben. Da dem Verfasser reiches Material (Dresdner Rathswie israel. Gemeinde-Archive) zu Gebote stand, sind die geschichtlichen Dar- Stellungen auch für Nicht-Dresdner von hohem Literesse. Der billige Preis von 1 Mark dürfte der Verbreitung sehr forderlieh sein. — 2. Breslau. Zu den ״Daten-Berichtigungen“ des Herrn Cohen-Rees, habe ich berichtigend "zu bemerken, dass Herr Coffenbar die erste Aufi. v. Bd. VII. (Gratz) vor sich gehabt hat, denn in der zweiten Auflage lese ich 1244 nicht 1241, dann passt das Datum 20. Tamus — 28. Juni. Ich hatte diese Seite zufällig aufgeschlagen; in eine nähere Prüfung der anderen ״ Daten-Berichtigungen“ hatte ich keinen Anlass einzutreten, aber mau sieht, Vorsicht ist auch bei ״Berichtigungen“ nöthig. — Berichtigung. Im ersten Artikel der vor. No. S. 170a Note 2 muss es beide Mal st. {hfctrta heissen D-iutetv. Di• ganze Note ist veranlasst durch eine grossere, von uub weggelassene Bemerkung Uber die talmud. Deutung der Bibelworte קבור תקברנו, die der Talmud wegen der Wiederholung (Jnfinit. und verb finit) nicht, wie der, Zusammenhang erheischt, blos auf Justifizirte, sondern auf jeden Leiohnam bezieht. Verantwortlicher Redaoteur Dr. R ah m e r, Magdeburg. Druck von D. L. W01 ff, Magdeburg. Verlag von Robert Fries fl,L eipzig.