Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 45. (4.11.1886)
- Date
- 1886-11-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches —f:-?—• Litteratur-Blatt. Zir BtltMfbtiag 1)kr JvdeaMiMM ■וו<| iadfii betreffend** lftter*rinet>en Er« aebeinoiffen ibF dem Gebiet* der Thilo« •opfcle, Genrhlchte, Ktbaographta, Theo« löffle, Orfentelte, Kx^eae, Homiletik, Mturgik, t*£dagfi|rlk. Herausgegeben מס? Rabbiner l)r. Moritz Itahmer. 0T£.a^9cj-6v*tc}, 4. 9T.o׳octH׳Get. 1886. Bieber!er fUschllsUrn Mtler»lur,welrhe der Kedaei «uiicKamlt *«•nlcu , Amle* la diesen! IMstt* e'nrehende Henpreehnnr. Bel KtttMendunK Ten t-nti Retention*» Exemplaren erfoUt einmal!** kurae <iratU«lnNcrtton. Das ״Jodiscne LUtermtnr-Blatt*• erscheint wöchentlich ineinem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlung^ea (in Leipzig bei Robert Priese) pro Jahrgang 8 Mark• Abonnenten der ״Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postenstalton und Buchhandlungen 8 Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit MPf. tür die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit U Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. MT- Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25־ % Rabatt. Inhalt: "W is sen sch aft 1 i che Aufsätze: Die Erd- und Feuerbestattung nach Bibel und Talmud. — Collectanea. Von Dr. Kroner, Rabbiner in Brandenburg a. d. H. Litteraturbericht. Recensionen: Tawrogi, Dr. A. J. Der talmndische Tractat ״Derech Erez sutta“ nach Handschritten und seltenen Ausgaben mit Parallelstellen und Varianten. Kritisch bearbeitet, übersetzt und erläutert. (Schluss.) — Sache.־ Moses. Von Max Weinberg. Litter ar ische Notizen. Nachdruck nur mit -voller Quellenangabe gestattet. Die Erd- und Feuerbestattung nach Bibel und Talmud. Von Rabbiner Dr. Wiener in Oppeln. (Schluss.) Eine andere Stelle, die als Beweis dafür gelten bann, dass die Leichen Verbrennung — wenn auch die bei weitem ungewöhnlichere, doch aber — bisweilen stattgefunden hat, ersehen wir aus Mischnah Thaanit 2,1. Hier wird uns berichtet, dass zur Zeit des zweiten Tempels an Fasttagen und zur Erhöhung der Trauer und Busse die heilige Lade — das Tabernakel — auf einen öffentlichen Platz gebracht und auf dieselbe — nach einer anderen Lesart sogar auf die heilige Gesetzesrolle selber — Asche gestreut wurde, wozu die Thossaphisten ibid. S. 15 u. 16 glossiren: Diese Asche müsse von verbrannten Menschengebeinen herrühren. Unbefangenes, unparteiisches, vorurtheilsfreies Denken wird gewiss nicht annehmen, dass Israeliten zur Zeit des zweiten Tempels die Asche von Götzendienern und nicht vielmehr von Israeliten anf die heilige Gesetzesrolle gestreut haben.") '*) Dr. H. weist diese Relation der Thossaphoth, weil er stattgebabte fakultative Leichenverbrennnng im alten Israel nicht anerkennen will, zurück, während er ohne jedes Verhältniss geringere Autoritäten als fllr־ seine Ansicht massgebend anführt. Er fragt, wie sollte man sich wohl der Aacne von Menscbenbrand zur Erinnerung an die Asche Jsaaks auf Morijah bedient haben, da ja Jsaak in Wirklichkeit gar nicht verbrannt wurdeV Aber, frage ich Herrn Dr. H. zurück, beruht nicht die ganze Liturgie, betreffend die Erinnerung an die Berufung auf das Verdienst Abrahams und Jsaaks, wovon noch beute die meisten Synagogan widerballen, darauf, dass die Opferung (Verbrennung) des Patriarchen, wenn auch nicht zur Ausführung gelangt, doch aber von Vater und Sohn beabsichtigt war und Gott den guten Willen als That anrechnet? Und betet denn Herr Dr. Hildesheimer und die gesammte Orthodoxie am Mincha des Versöhnungstages nicht die Worte: 0״ Gott, schaue, doch gnädig auf jhn (Jeaac).heute, als ob. er zu Asche verbrannt wäre in Deiner Halle?“ Dieses Gebet stützt sich nämlich auf den Ausspruch des Midr. Rabbah zur Akedah: ״Die Asche Jsaaca liegt aufgehäuft und aut bewahrt (bei Gott) zur Versöhnung für Israel“. Da ioh bei einigen sonst hochgelehrten christlichen Orientalisten, die aber auf dem Gebiete des Talmad höchstens Dilettanten sind, sogar die Meinung verbreitet finde — und mancher jüdische Gelehrte sprach diesen Irrthum nach — dass ans einer Stelle des Talmud (Aboda Sarah) zu ersehen ist, dass Leichen- Verbrennung eine heidnische Sitte und darum im Judeathnm verpönt war,") so wies auch ich in der ״Flamme“ (No. 19 und besonders No. 23) zur Evidenz nach, dass jene vermeintliche talmudisehe Aeuss&rung durchweg missverstanden wurde, jene Behauptung ein schwerer Irrthum ist. Bisher haben wir nun ersehen, dass im Talmud die Feuerbestattung nirgendwo verboten, und dass vielmehr aus einigen Stellen zu ersehen ist, dass die- 'selbe bisweilen stattgefünden, ohne dass auch nur ein leiser Tadel darüber verlautbar wird. Aber es findet sich eine Debatte und zwar in Thossephta (einem rabbiniseben Schriftwerk aus dem dritten saec.), Sabb. 14 und Gern. 43 b, aas der geschlossen werden könnte, dass Feuerbestattung in Israel anstössig und unstatthaft wäre. Hören und urtheilen wir unbefangen! Nach einer Satzung ist es verboten, am Sabbath irgend eine Last aus einem Hause auf die Strasse zu schaffen, eine Leiche zumal soll nach talmudischer Vorschrift am Sabbath nicht einmal von einer Stelle zur anderen in derselben Behausung fortbewegt werden. Nun wird an der oitirten Stelle die Frage aufgeworfen, ob, wenn in einem Hause, wo sieb eine Leiche befindet, eine Feuersbrunst entsteht, es gestattet sei, sie am Sabbath aas der Brandstätte zu entfernen. Eine einzelne Stimme stimmt dafür, die Mehrheit der Disoutierenden verbietet es. loh hab• über diese rabbinische Debatte sehr lange naohgedacht, die Glossatoren des Talmuds and die Codices verglichen und fand bei denselben Missverständnis oder Verkennung der eigentlichen Bedeutung dieser Debatte und darum contradiktorisch entgegengesetzte Entscheidungen. Ich frage nun alle Welt, wenn Feuerbestattung in Israel etwas Anstössiges und Verpöntes gewesen wäre, was das Turin-Livorner Rabbinat ohne jede Quellenangabe behauptet, würde da die Mehrheit der Weisen (die Chaohamim) nicht lieber die übertrieben minutiöse rabbinische Observanz, das Nicht-ron-der-Stelle-bewegen eines Leichnams am Sabbath, ignoriert haben, als ihn der verpönten Feuerbestattung preiszugeben?! Und die einzelne Stimme, ") So Kirchmann, Michaeli• de combustione •tc., Bed. Winar Keil u. A. — Michaeli• stimmt nicht etwa der von ihm talsch interretirten Talmuds teil• b«i, da •r ja im Gegeathe'i die fraglichen teilen der. Bibel von der Leichenbestattung der König» u. A. fälschlich als Feuerbestattung auffasst.