Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 42-43. (14.10.1886)
- Date
- 1886-10-14
- Page
- Seite 168 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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— 168 - Litteraturbericht. Recensionen. (Schluss.; *) 4• Mautner und Hohn. Biblische Geschichte und Religionslehre für die israelitische Jugend an Volks- und Bürgerschulen, in 4 Heften. Wien, A. Pichler’8 Wwe. & Sohn. 4. Wir kommen zum vierten der uns vorliegenden bibl. Geschichtsbücher für die Sohule, zu dem von Mautner und Hohn herausgegebenen. Dasselbe zerfällt in vier Hefte, von denen das erste die Erzählungen der fünf Bücher Mose’s, in 81 Kapiteln, das zweite die bis zur Theilung des Reiohes, in 46 Kapiteln, zum Inhalt hat; das dritte, 50 Kapitel enthaltend, führt die bibl. Geschiohte zu Ende und bringt einen kurzen Abriss der nachbiblischen Geschichte. Heft 4 enthält Lesestücke aus der heiligen Schrift. Auch dieses bibl. Geschichtsbuch hat es sich zur Aufgabe gemaoht, Religions- und biblischen Gesohichtsunterricht mit einander zn verbinden; die Anordnung des Stoffes gestaltet das Buoh zu einem durchaus brauchbaren und empfehlenswerthen. Die Erzählungen sind alle in dem echten, unverfälschten Tone der Bibel gehalten; die Verf. sind sichtlich bemüht, die Sprache der Bibel zur Geltung zu bringen. Mit sohulmännischem Takte sind unwesentliche Momente beseitigt, schwierige Stellen in einer leichten, fasslichen Sprache umschrieben. Die unvergleichlich schönen poetischen Stellen der heil. Schrift sind, wo sie nur irgendwie dem Verständnisse des Kindes zugänglioh gemacht werden konnten, metrisch übersetzt, so z. B. Stellen aus dem Segen Jakobs, das Siegeslied am rothen Meere, Bileams Segen etc. Man könnte vielleicht tadeln, dass die Königsgeschichte und auch in der nachbibl. Geschichte das Mittelalter, namentlich die spanische Blüthezeit nicht austührlicher behandelt ist; allein das Material zur häuslichen Repetition, welchem Zwecke nur schliesslich doch jedes Schulbuch dienen soll, ist jedenfalls gegeben, und es bliebe der sachkundigen Hand des Lehrers überlassen, wenn die Schulverhältnisse es ihm gestatten, das gegebene Material weiter auszubeuten. Der religionsunterrichtliehe Stoff ist grösstentheils in dem ersten Hefte enthalten und hier klar und übersichtlich geordnet. An die Erzählungen von der Schöpfung und der Sintflut sind die Eigenschaften Gottes angeknüpft, dieselben mit einfachen, schlichten Worten, der Anffassungsgäbe des Kindes angemessen, erklärt und auch z. Th. von leichten, praktischen Bibelstellen begleitet, ln derselben schlichten, klaren und gründlichen Weise werden die zehn Gebote erklärt; hierbei sind, neben vollständiger Würdigung der Moral und Sittenlehren, die auch im 4. Hefte bei den Lesestüoken noohmals Berücksichtigung finden, sämmtliche Ceremonialgesetze, soweit sie in der Schule in Betracht gezogen werden können, mit grosser Gründlichkeit zusammengestellt. Die Verf. haben ausserdem dem Werke noch verschiedene Mittel zur Veranschaulichung beigefügt, die in kundiger Lehrershand gewiss nicht verfehlen werden, das Interesse des Kindes zu erwecken, sowie ihm das Verständniss der bibl. Geschiohte zu erleich- *) In vor. Nummer muss der Schlusssatz in der Recension des Wolfi’schen Bibl. Geschichtsbuches (l(5‘2a.) wie folgt lauten: Das vorliegende, in getragenem Tone erzählende, durchweg m formvollendetem Stile abgelasste Geschichtswerk dürfte also für die reifere Jugend zu empfehlen sein.“ u. s. w. tern. Hierzu gehören eine Karte, Abrahams Zug von Mesopotamien nach dem Lande Kanaan ן darstellend, eine andere über die Wüsten Wanderung Israels, am Schlüsse des 1. Heftes eine Karte über Palästina, die geographischen Namen der fünf Bücher Moses enthaltend, späterhin eine vollständige, geographische Karte Palästinas, ausserdem Abbildungen von Schekelmünzen, des Stiftszeltes, des Altars, der priesterlichen Kleidung etc. und eine Uebersichtstabelle aller Fest- und Fasttage. Von besonderem Werthe ist noch das vierte Heft, welches einen in Lehrerkreisen oft ausgesprochenen Wunsch berücksichtigt, und Lesestücke aus der heil. Schrift bringt. Dieselben lassen sich ebenso gut für den bibl. Geschichtsunterricht, um das Kind mit der Sprache und dem Geiste der Bibel, namentlich der prophetischen Schriften, die noch immer nicht genügend in den Schulen berücksichtigt werden, bekannt zu machen, als auch für den Religionsunterricht im engeren Sinne des Wortes verwerthen. Für den letzteren bestimmt sind wohl die zehn Gebote, die ersten Abschnitte der Scli’ma, eine Anzahl Sätze ethischen Inhalts aus dem 3. Buche Moses, die 13 Glaubensartikel und Sprüche aus den Pirke-Aboth; mit Ausnähme der Letzteren steht überall der hebr. Text daneben. Die Auswahl der Lesestücke selbst ist eine sehr gute; neben einzelnen Abschnitten des Pentateuch und dem Liede der Daborah sind besonders die drei grossen Propheten, die Psalmen und Sprüche Salomos berücksichtigt, aber auch aus den anderen Büchern sind einzelne recht passende Kapitel aufgenommen. Indem wir zum Schluss noch den Wunsch aussprechen, dass bei einer neuen Auflage die Correctur der hebräischen Worte etwas sorgfältiger gemacht werde, — auch statt Mendelsohn, muss es stets Mendelssohn heissen — können wir von dem Buche nicht scheiden, ohne es seiner mannigfachen Vorzüge wegen jüd. Lehrern und Schulen angelegentlichst zu empfehlen. JLitterarische Notizen. שבת הגדול. Mein unvergesslicher Lehrer, der Professor Dr. FrendorfF י?"], wies auf die grammatische Abnormität hin, die uns schon in der einfachen Bezeichnung שבת הגדול entgegentritt; musste es doch nach den allgemeinen Regeln der hebr. Sprache entweder השבת הגדול oder שבת גדיל heissen. Er glaubte auch, die Ansicht, die Bezeichnung sei durch die betreffende Haphtara veranlasst, verwerfen zu müssen mit dem Hinweis darauf, dass der Vortrag derselben in so vielen Gemeinden nur höchst selten, wenn nämlich צרב פסח am Sabbath ist, stattfindet. Er hielt dafür, dass besagte Bezeichnung schon sehr früh, und bestimmt schon zur Zeit des בית ש!, allgemein bekannt und gebräuchlich gewesen sei, und dass man mit diesem Ausdruck den Sabbath vor dem פסח גדול - 1m Gegensatz zu dem vor dem פסח קטון — besonders hervorheben wollte. Es ist begreiflich, dass *ein grosser Theil des Volkes schon eine Zeit lang vor dem Pessachfeste in Jerusalem anwesend sein musste, wenn wir bedenken, dass so viele, die mit einer Leiche in Berührung gekommen waren, die הזאות שלישי ושביעי mit sich vornehmen liessen, und namentlich an dem Sabbath vor dem Feste bei den Schriftgelehrten Belehrung über die Vorschriften des Pessachfestes suchten. Auch bei dem Herannahen des פ0ח שני kamen die טמאי לנפש oder die בדרך רחוקה waren, nach Jerusalem, aber dass dies im Vergleich zu den vor Monatsfrist Erschienenen nur wenige waren, lenchtet ein, und konnten dieselben dem Sabbath vorher kein besonderes Gepräge geben. Hiernach wäre also der Name שבת הגדול eine Abkürzung von שבת שלפני פסח הגדול• Aurich. B. Wölfl, Lehrer. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rah mer, Magdeburg. Druck von D. L. Wol f f, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.