Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 38. (16.9.1886)
- Date
- 1886-09-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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^!!L Jüdisches Jah-g-v- Litteratur-Blatt. Herausgegeben Blchei iltr tIaiehliglgeR Lltleratar, welch« Ton der H*d»ct nu xa genau dt werde■, fladea Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 1» «!.tu .1»f.h.»d. bmp««i״.*. Bel Elaacaduag »0■ xnel Kaeearfoan. . KaeeipUren erfolgt einmalige karge S/ICaadevivta, 16. öcptc'tnvcz 1886. flrat1».1a««rtto■. Zar Beleaektaag aller Jadeatfca» aad lade■ betreffend«■ Iitterarleebea Zrtcbelaaagea gef dege Gebiete der PMIe- ■aphle, Geeeklehte, Ethaegrapbla, Theo• logie, Orieateile, Ezegeee, Hoariletlk, Lltarglk, Pidagogtk. Das ״Jldische Litteratvr-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buohhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der .Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Posten stallen und Buchhandlungen o Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit IS Pf. für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit 1& Mark, berechnet und sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. ME* Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25 yC Rabatt. 111 b. a. 11: Wis sen sch alt 1 i che Aulsätze: Zur Kennzeichnung der Wissenschaftlichkeit des ״Institutum Judaicum“ in Leipzig. Von Dr. Krön er Rabbiner in Brandenburg a. d. H. Recensionen: Zimmels, Dr. B. Leo Hebraeus, ein jüdischer Philosoph der Renaissance; sein Leben, seine Werke und seine Lehren. — Liebermann, H. Deutscher Volkskalender. — Pascheies, Jacob W. Illustrirter israel. Volkskalender. Litterarische Notizen: Die Censur im Menorath Hamaor. Nachdruck nur mit ■troller Quellenangabe gestattet. Zur Kennzeichnung der Wissenschaftlichkeit des ״Institutum Judaicum“ in Leipzig. Von Dr. Kroner, Rabbiner in Brandenburg a. d. H. (Schluss.) Naohlese. Nachdem wir vorstehende Arbeit überblickt, finden wir uns an noch einigen Bemerkungen veranlasst. Der sog. Yerf. bezeichnet die jüdisohe Gottes- Verehrung als nationalbescbränkt, den jüdischen Gottesbegriff als unlebendig abstrakt, wogegen das Christenthum im Trinitätsdogma den wahren Monotheismus verkünde. Illnstriren wir diese Urtheile ein wenig. Das A. T. beginnt mit dem Bericht, dass Gott Himmel und Erde, die Welt, erschaffen hat. Also ein Weltschöpfer ist national, ist abstrakt! Das N. T. beginnt mit dem Bericht, dass Christus, der Weibgeborene und dooh Gottgleiche, von David abstammt. Da ist garniohts Nationales, garnichts Abstraktes! Das A. T. schliesst mit dem Bericht, dass ein heidnischer König, Cyrus, den Ewigen, den Gott des Himmels, als Lenker der Schicksale der Erdenkönige, als deren Oberherm feiert und anf des Ewigen Befehl dem Volk Israel, dem damals alleinigen Träger der lautern Gottesidee, gestattet, ein Heiligthum zu erbauen. Unlebendig? Das N. T. söhligst mit dem Bericht, dass der geschiedene Christus baldiges Wiederkommen verheisst. Lebendiger? Also schon Beginn und Schluss des A. und des N. T. hätten den Kopisten vor dem Nachschreiben jener Urtheile bewahren können. * Ferner preist jeder von zahlreichen Segenssprüchen (Beraohot) Gott als den ewigen Weltkönig. Dass der Gott des Judenthums auch allliebender Welterhalter ist, wird in der jüdischen Litteratur 80 oft zum Ausdruok gebracht, dass eine diesbezügliche Koproduktion •in stattliohes Buoh füllen würde. Wir erinnern nur an das in den täglichen Gebeten wiederholt vorkommende Psalmwort: Gütig ist der Ewige gegen Alle, seine erbarmende Liebe umfasst alle seine Geschöpfe (145, 9). Der fromme Jade geniesst kein Stück Brod, ohne Gott als den allliebendenW elterhalter zu verherrlichen, der ״speist die ganze Welt mit seiner Güte, mit Gunst, mit Gnade und mit Erbarmen, Brod giebt jedem Geschöpf, denn ewig währt seine Gnade.* (Ans dem Tischgebet, Birkat hammason.) Ist etwa auch P8. 145 oder Birkat hammason von nns Juden ״in christlicher Schule aufgenommen“ worden? Der sog. Yerf. betont oft mit Naohdruok, dass die Liebe Gottes mit Hinblick auf den Erlösungstod Christi ungleioh grösser erscheine, als ohne diesen Hinblick. Wir überlassen es dem Urtheil und Gefühl jedes Unbefangenen, zu entscheiden, ob Gott liebevoller erscheint, «renn er eine Sünde der Stammeltern Millionen Nachkommen gedenkt, wenn er nicht eher besänftigt und versöhnt werden kann, als bis er das Blut seines eigenen Sohnes fiiessen sieht; oder wenn er jener Sünde nicht gedenkt und seinen Geschöpfen die Kraft (moralische Willensfreiheit) verleiht, durch Reue und Besserung ihre Yergehen zu sühnen, sich selbst zu seinem Yaterherzen zu erheben. Wir könnten hier noch manchen Yergleich anstellen, wie zwischen dem sogen&pcten ״Gott der Rache“ der Juden und dem ״Gott der Liebe“ der Christen, aber es widerstrebt uns. Wer uns kennt, weise, wie fern es uns liegt, andern Bekenntnissen zu nahe treten zu wollen. Davor behüt’ uns Gott! Nur den Glaubensstolz, die Unduldsamkeit, die Bekehrungssucht und deren hä88liehe Gefolgschaft, die uns unsere Heiligthümer in den Staub zu ziehen sich erkühnen, wollen wir, so weit nöthig, heimweisen. Das wird wohl jeder Christ, der nicht allein ״Liebe“, sondern auch noch Gerechtigkeit besitzt, nur billigen. Wir weisen ferner hin auf 1. M. 18,25, wo Gott der ״Recht übende Richter der ganzen Erde“, der Gesammtmenschheit, genannt wird. Ist das nationalbeschränkt, unlebendig abstrakt? Weilen wir nur noch einige Augenblicke bei der ״nationalbeschräukten“ Nächstenliebe des Judenthums. Bringt das N. T. die Menschenliebe irgendwo erhebender, grossartiger und allgemeiner zum Ausdruok, als das schon auf den ers ten Blättern des A. T. — au letztgedaohter Stelle — befindliche Gebet Abrahams zu Gott: ״Fern sei es von dir, solches zu thun, den Gerechten mit dem Frevler zu tödten, dass der Gerechte sei wie der Frevler; fern sei es von dir; der Richter der ganzen Erde sollte nicht Recht üben?“ Waren die frevelhaften Sodomiter, für die Abraham 80 inbrünstig betete, etwa auch ״Volksgenossen, religiöse Bundesgenossen “ Abrahams? (Cfr.