Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 34. (19.8.1886)
- Date
- 1886-08-19
- Page
- Seite 134 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 134 — Niemand ein, so kann der Gläubiger ihm ein Stück abbauen, oben oder unten! Diese recbtshistorische, an steb interessante Studie, soll nun auch den dichterischen Intentionen des unsterblichen Schwanes von Avon eine ganz neue Beleuchtung verschaffen. Der Genius Shakespeare’s, der mit seinem gewaltigen Flügelpaar Jahrhunderte umspannt und zum Herold aller Zeiten, der diversesten, veralteten und neuen, oft sich aussohliessenden Weltanschaunngen gestempelt wird, muss nun hier wieder zur Stelle, und sein mächtiges Sprachrohr den dünnen, schüchternen Lauten einer individuellen Meinungsäusserung leihen. Im ״Kaufmann von Venedig“ sollte Shakespeare den Sieg eines neuen Rechtes über ein altes morsch gewordenes, in Unrecht verwandeltes Recht, zur Darstellung bringen wollen. •Schluss folgt. Zum Psalm 68.1) Eduard Reuss an Arthur S. Weissmann. Hochgeehrter Herr! Für die gütige Zusendung des Aufsatzes über den 68. Psalm danke ich Ihnen heute erst, da ich gewartet habe, nach Empfang des mir sohon vor längerer Zeit zugekommenen ersten Stückes oder Blattes, bis auch das Ende der Arbeit erschienen wäre. Ich habe schon früher mir erlaubt, Ihnen zu gestehen, dass ich in Betreff des hebräischen Textes vollkommen überzeugt bin, wie Sie und viele andere Gelehrte, dass derselbe an gar manchen Stellen der Verbesserung bedarf, dass ich mir aber eben des Scharfsinnes nicht bewusst bin, der sofort mit plausibeln Correkturen zu Hilfe kommen könnte. Dass >) Siehe Lttbl. No. 11, 12, 15. d. J. - In No. 28, 251, 30 fand meine Erklärung dieses P8. eine ״Prüfung und Beurtheilung“ von Herrn Behrendt in Krotoschin, die רב הכמות ומעט האיכות ist, sie sagt nämlich mit vielen Worten im Grunde doch nur wenig. Ich möchte dem geehrten Herrn Kritiker, dem ich übrigens für die Aufmerksamkeit, die er meiner Arbeit zugewendet, verbindlichst danke, die Worte zurufen: אם קרית לא שנית ואם שנית לא שמשת ת״ח ,,wenn gelesen, so doch nicht belesen“ u. 8. w. Ich will für dieses etwas harte Urtlieil nur zwei Stellen als Beweis anführen. ״Wenn auch Aenderungen und Verbesserungen vorgenommen worden wären, so waren diese nicht einem Neubau gleich, um eine feierliche Einweihung zu erheischen“, sagt mein Herr Kunstrichter. Es ist ihm somit eine klare Mischna entgangen, welche ausdrücklich besagt, dass bei einem jeden Zubau eine Prozession statttand, (על כל פינה ופינה ועל בל אבן גדולה) wobei ein Danklied — שיל של תודה — eigens dazu verfasst, intonirt und auch Ps. 30 und andere liinzugetUgt wurden (Tr. Schebuoth 15.0). Auch die Annahme, dass im zweiten Tempel keine Lade (!ארו) vorhanden war (No- 251) beruht auf einer missverstandenen Ueberlieferung. König Josijahu hat aut Veranlassung Jirmijah’s (Cap. 3) jene Laue, der Saul schon den Rücken ekehrt, die aber doch später göttlich verehrt wurde, verorgen, es war aber noch eine, die blos Gott geweihete Gegenstände enthielt — שתי ארונות היו beisst’s im Trakt. Schekalim 411. Auch aus Tr. Joma 52 ist deutlich zu ersehen, dass auch während der zweiten Restauration eine Lade vorhanden war. Die Mischnah משניטל הארון (das. 53) ist späteres Einschiebsel. Wäre diese Mischnah noch vor den Ainoräem Bestandtheil, so würden dieAmoräeran erster Mischnah nicht 80 viel zu kriteln und — st. למקום הארק.1 לארק und st.כבין 1 לבין שני הדדים שני הבדים — ZU bessern gehabt haben. W. die Wirkung dieser Furchtsamkeit oder Sei bst beschränkung nothwendig ein Hemmniss für die Aus• legung sein muss, weiss ich wohl und ich kann mich nioht anders entschuldigen, als mit der Ausrede, dass ich, wenn ich Coniekturen wagte, wo sie nioht gleichsam die Nothwendigkeit von selbst darbietet, doch die Ueberzeugung nioht gewinnen würde, dass ich das Richtige getroffen habe. Wo ich aber diese Ueberzengung selbst nicht hätte, wie könnte ich hoffen, sie Andern beizubringen? Damit will ich kein Urtheil über die Ihrigen ausgesprochen haben, von denen mir mehrere sehr ansprechend geschienen haben. Da ich schwerlich wieder Gelegenheit haben werde, sie öffentlieh zu verwerthen, so habe ich Ihre Blätter einem meiner Collegen mitgetheilt, welcher eben damit beschäftigt ist, eine neae Ausgabe des Psalmcommentars von Hupfeid vorzubereiten. Wichtiger als die einzelnen Aenderungen am Texte, ist mir an Ihrem Commentar die Ansicht vom Ganzen gewesen und ich habe mit grosser Freude gesehen, dass wir in der Hauptsache 80 nahe zusammen gekommen sind. Ich habe bis jetzt namentlich in Betreff dieses Psalms fast gar keine Zustimmung bekommen für die Meinung, dass wir mit demselben bis in die makedonische Periode herab gehen müssen. Wenn Sie auch hierin nicht ganz zu demselben Resultate gekommen sind, wie ich, so steht doch Ihr Ergebniss kaum dem meinigen entgegen, und ioh darf fast sagen, dass wir ungefähr der gleichen Meinung sind, während diejenigen Bearbeitungen dieses Psalms, welche seit meiner vor mehr als 30 Jahren veröffentlichten Abhandlung erschienen sind, mit einer einzigen Ausnahme meine Ansicht bestritten haben. Genehmigen Sie nochmals meinen besten Dank für die freundliche und interessante Gabe. Ich verharre hochachtungsvoll Ihr ergebenster Eduard Reuss. Strassburg i. E., den 26. April 1886. Liitterarische Notizen. Hoch einmal die Trlcesima Sabbats des Horaz. Nachdem wir in Nr. 30 d. Bl. unsere Ansicht über die T. S. des Horaz ausgesprochen und begründet hatten, wurde uns von verschiedenen Gelehrten zugestimmt, von einem jedoch dabei gewünscht, dass wir der Annahme einer Brachylogie eine noch festere Stütze, als die in ״sententia bima“ gegebene böten. Diesem Wunsche können wir nunmehr in befriedigendster Weise entsprechen, da uns heut ein günstiger Zufall die vortrefflich commentirte Horaz-Ausgabe von Dr. Dillenburger (Editio septima, Bonnae, Sumptt. A. Marci, MDCCCLXXXI) in die Hände spielte. Derselbe bemerkt zu T. S. Folgendes: ״Ad interpretandum hunc locum quaecumque exeogitari potuerunt ab interpretibus tentata sunt. Inde alii in paschatis restum inciderunt, alii in scenopegiam, alii denique in neomeniam. Et nisi forte Aristius certus satis, a nemine se facile refelli posse, primum quemque numerura sabbatorum, non certum festi alieuius diem nominavit, vori videtur simillimum neomoniae festuni indicari, ut ״tricesima sabbata“ eint sabbata tricesimo die habita. Cfr. Ovid. A. A. I, 76: ״Oultaque Judaeo septima sacra Syro“, ubi ״septima sacra“ haud dubie sunt quae septimo die habentur.“ Eine festere Stütze für unsere fragliche Annahme kann und wird wohl Niemand fordern. Brandenburg a. d. H., 12. Aug. 1886. Dr. Krön er. vo. echt import. Manila ■Cigarren (MUdl Fein{) m ÄK-:is Muster kistehen ־«׳■ M. 6 ״״• 45 Stück verseil. Sorten, in Deutschland postfrei, gegen postfreie Voreinzahlung versendet. [451 Echtheit garantirt! Paul Zemke, Stettin, Abtheilung für Cigarren-Import. Trauungs-Formulare hebräisch and deutsch (Uebersetzung von Rabbiner Dr. Rahmerj sind ä 25 Pf. vorräthig. 5 Exemplare für 1 Mark, 12 Exemplare 2 Mk., 20 Exempl. 3 Mk. versendet franco gegen baar an Abonnenten Die Expea it Verantwortlichei• Redacteur Dr. Rahm er Magdeburg. Druck von D. L. Wol ff, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig.