Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 34. (19.8.1886)
- Date
- 1886-08-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches --g-— Litteratur-Blatt. Zn Balaaehtaag •Iler Jideithm aad Jadaa ketreffoadaa llttararlaakaa Kr• acfcaiaaagea aaf dam fiablata du Philo• aophla, Gaaeklchta, Ktkaagraphla, Tkaolofia, Orieatalla, Exagaaa, HsBllsMk, Lltargik, Pädagogik. Herausgegeben ▼on Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 9tta<j9e6׳m^, 19. Giu<yu$t 1886. Blelier der •(■•elilifig«« Mtterater, welche der Kedertlo!« ■■fOMMdt werde•» lade■ 1■ dim• Klette eingehende Beeprecbnng. Bel Kln«endnng ▼on swel Recenslonn• Exemplar«■ erfolgt einmalige knrse ür*U1*ln1ertlon. Du ״Jtdlsehe Litteratar-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buchhandlungen (in Leipzig bei Robert Friese) pro Jahrgang 8 Hark. Abonnenten der ,Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten and Buchhandlungen 8 Hark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit 88 Pf« für die gespaltene Petitzeile, Beilagen mit M Mark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. ■V Buchhändler, welche direct oder durch Robert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten 25 yi Rabatt. Inhalt: ־Wissenschaftliche Aufsätze: ״Oedanken eines Juden“, beleuchtet von Dr. Krön er, Rabbiner in Brandenburg a. d. H. XV. — Shakespeare und kein Ende. — Zum Psalm (>8. Eduard Reusa an Arthur S. Weissmann. Literarische Notizen. Inserate. Nachdruck nur mit •voller Quellenangabe gestattet. ״Gedanken eines Juden“, beleuchtet von Dr. Krön er, Rabb. in Brandenburg a. d. H. XV*) (Ende des Schlussartikels.) Aus der, dem Judenthum und dem Christenthum gemeinsamen Forderung, dass der Mensch gottähnlioh werde, folgert der ״Herr Advokat“ nun wieder in höchst gewundener Weise, wir wollen es kurz zusammenfassen: dass Gott mensohenähnlieh sei. Ist das nicht ein patentwürdig logischer Schluss? Auf diesem Wege gelangt der Verf. der ״Gedanken“ zu der ״menschlich greifbaren Personliohkeit, welche das, was wir gottähnlich nennen, in sich verkörpert, welche den Christen genau verstehen, ihn schauen lässt, was er soll.“ Das lässt sich ebenso ״genau verstehen“, wie die Bemerkung, dass einige evang. Geistliche von einem Täufling ״ein Mehreres nioht begehren, als die Erklärung, zu dem Evangelium stehen zu wollen.“ Wir fragen erstens: Zu welchem Evangelium? Zu dem, welches mit dem A. T. Gott als ״einig-einzig“, den Recht übenden Menschen ״ohne Ansehen der Person“ als preis-, ehr- und friedenswürdig, den Glauben ohne Werke als todt (Jakobus) anerkennt — oder zu dem, welches Dreieinigkeit, Erbsünde, Ausschluss Aller, die nicht ohi istgläubig, von dem ewigen Leben und dergl. lehrt, die Werke entschieden verwirft und nur den Glauben verlangt (Paulus) — oder zu dem, welches ״Allen Alles geworden“? Wir fragen ferner: Darf sich denn der Jude ein Bild von Gott machen? Kennt der Verf. der ״Gedanken“ wirklich nioht einmal die zehn Gebote, die jedes Schulkind kennt? Darf sich denn Angesichts des Dekalogs, den doch Christus am allerwenigsten aufgehoben, Irgendeiner ein Bild von Gott machen? Hat es etwa Christus gethan? Welcher Christus lässt den Christen genau verstehen, lässt ihn schauen, was er soll? Der, welchen *) ln v. No. S. 128b. Z. 15 v. u. (Note) ist meistverbreiteten (statt meisten) z. 1. Paulus und seine Anhänger den Heidenchristen verkünden, oder der, welcher nach Matth. 5,17 ff. selbst den ״kleinsten Buchstaben“ der Thora hochschätzte, nach Joh. 4,22 das Heil von den Juden kommen lässt, nach Matth 26, 17 — 19. Joh. 2,6. Marc. 1,44 alle jüdischen Gebräuche mitmaoht, nach Matth. 17,21 und Marc. 9,29 mit dem Gebet das Fasten verbindet? Wir unsererseits glauben — dieser Christus; und wenn der Verf. Matth. 9,14; 15,2.10 und 11 und Marc. 2,27 und 28 dagegen anführt, 80 entgeht ihm völlig, dass diese Stellen keineswegs irgend ein Gesetz, etwa das ״Speisegesetz“ — das ja der Apostel Petrus nach eigener Aussage Apostelg. 10,14 nooh streng hielt, wie denn auch die Apostel das. 15,20 das Verbot des Genusses von Blut und Ersticktem, selbst hinsichtlich der Heiden bestätigen — oder den Brauch, vor dem Mahl die Hände zu wasohen, aufheben, sondern nur einschärfen wollen, diese und ähnliche Satzungen nicht höher zu stellen, als die Morallehren, gleichwie z. B. Jeschajah 58 bezüglich des Fastens ermahnt (vergl. noch Matth. 6,16ff.) und Ende des Tf. Makkot gelehrt wird, dass David (Ps. 15) die ganze Thora**) auf elf, Jeschajah (33,15) auf seohs, Micha (6,8) auf drei Moralgebote, Chabakuk (2,4) auf einen Hauptsatz (lebendiges Gottvertrauen) reducirt habe. Bezüglich der Sabbatfeier, die wir wiederholt zu besprechen Anlass hatten, bemerken wir hier nooh, dass schon vor Christus die Schulen der Rabbinen, namentlieh dieSchuleHillels,Manches erleichterten, was früher als Uebertretung galt, und Christus mit ihnen darin ebenso übereinstimmte, wie andererseits in der gemütherhebenden Heiligung desä&bbath. Sagt doch selbst (ITT S. 643) wörtlich: ״Wer aber ein nöthig Gebot Luther will aus dem Sabbath machen, als ein Werk von Gott erfordert, der muss den Sonnabend halten, und nioht den Sonntag“ etc. Cfr. Joh. Meyer de Temp. saor. etc. 2,9 et 10 § 11: A multis tarnen Christianorum eoolesiis Sabbathum una cum Judaeis usque ad treoeatesimum post Chr. annum fuit etc. Ausserdem haben sogar sehr grosse und gelehrte Männer — magni et literati viri — christlicher Religion ihren Glaubensgenossen die jüdische Sabbathfeier zur Pflicht gemacht. Vid. Benj Otto de flumine Sabbathico § 10. Wer das Christenthum richtig beurtheileu will, muss sioh vor Allem stets vergegenwärtigen, dass der Apostel Paulus — der unter Anderm selbst die Circumcisiou an dem Timotheus vollzog — nur für die **) Wie der Raschi- Kommentar zur Stelle bemerkt, erfolgte die Reduktion in Rücksicht darauf, dass die früheren Geschlechter bei ihrer grossenFrömmigkeit leichter d ie grosseGesetzeslast ertragen konnten, die späteren Geschlechter von laxeren Sitten aber alle Gesetze zu halten nicht im Stande sein würden. Kr.