Jüdisches Litteratur-Blatt
- Journal
- Jüdisches Litteratur-Blatt
- Volume
- 15 (1886)
- Issue
- N° 32. (5.8.1886)
- Date
- 1886-08-05
- Page
- Seite 126 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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— 126 — Wurzel, wie das im Talmad öfter vorkommende ת־ מר emporragen, wovon תמר eig. der anfragende Baum, dann speziell Palme; ferner wie מר״ א Jjob 39,18 und im Talmud מסריחי י' ממריאי י1נים (Sanhedr. 25). Aus der sinnlichen Bedeutung des אמר: emporragen, sich erheben, entwickelt sich sodann die geistige: sagen «=■ Töne aus dem Innern sich erheben lassen. Daneben sei in Erinnerung gebracht, dass שיח sprechen (Ps. 145,5), eig. emporsprossen (1. M. 2,5) und נוב reden (Spr. 10,31), ebenfalls eig. sprossen (P8. 92,15) die leiohe Begrifisentwickelung auf weisen; ja, sprechen eisst in den germ. Sprachen eigentlich spriessen, Wort kommt von werden, es ist das (aus dem Innern empor) Werdende. Uebrigens findet sich der Stamm ״amar“ in allen semitischen Dialekten, aber wohl nirgends kann die Grundbedeutung ״zusammenbringen“ von ihm erwiesen werden. רבד heisst allerdings ursprünglich zusammenbringen, zusammentreiben, daher מךבר Trift (von treiben, wie Schrift von schreiben), wohin man das Vieh treibt; dann zusammenreihen, sc. Worte, d. i. reden, ctr. sermo von serere. דבר, ein Kombiniren voraussetzend, braucht das Gesagte nicht folgen zu lassen (Jjob 11,5), wohl aber muss das Gesagte nach אמר stehen, weil dieses — als ein Sprossen uud Werden — an sich nicht abschliesst und genügt. Sonach sind דבר und אמר wohl zu unterscheiden! und kann die ursprüngliche Bedeutung des erstem keineswegs für Herrn Duschak und sein e Gewährsmänner zeugen. Gleicherweise sind אמר uud דבר wohl zu unterscheiden: wie im Deutschen W0rt von werden und Be d e ahd. radia ־ lat. r a t i o. Cfr.אץ אמר ואין דברים Ps. 19,4. Wir fassen also das Hifil he-emir (dem in fiüchtiger Parenthese das arab. Emir oder Amir Befehlshaber von amar befehlen — was auch אמר im spätem Hebraismus heisst — an die Seite gestellt sei) als Causativum des Kal in dessen geistig genommener Urbedeutung emporragen, übersetzen es mit Jbn Ganach, Kimchi, Parchon, Jbn Esra, Nachmanides u. A. durch: emporragen lassen, erheben, zum Oberhaupt erklären und übertragen unsere Deuteronomiumstellen sammt Schluss: 17. Den Ewigen hast du heut zum Oberhaupt (über alle irdischen und alle geistigen Mächte ausser ihm) erklärt: dass er dir Gott (Elohim der Inbegriff aller höchsten Macht) sei, dass du iu seinen Wegen wandeln, seine Gesetze, Gebote und Bechte beobachten und seiner Stimme gehorchen wollest. 18. Und der Ewige hat dich heut zum Oberhaupt (über die Völker als Beligionsvolk, als Volk mit dem höohsten Beruf, als Träger der Heiligkeit) erklärt: dass du ihm ein Volk des ן Eigenthums seist, wie er zu dir geredet, und all 1 seine Gebote beobachtest.! 19. Und dass er dich mache zum höohsten über i all die Völker, die er geschaffen, zum Buhm, Namen und Schmuck; ein heiliges Volk dem Ewigen, deinem Gott, zu sein, wie er geredet. Mehr noch als durch unsere Begründung dürfte durch die biblische Erläuterung selbst, namentlich durch den Schlussvers die Bedeutung des Hifil he-emir festgestellt erscheinen. Auch bezüglich der Bibel gilt oft das alte Diotum: Suorum quisque verborum optimus interpres. Notizen. 1. Die geistreiche Erklärung des Herrn Dr. Kohn-Jnowrazlaw zu בעשרה מאמרות in No. 25 und 26 des Litt.-Bl. erlaube ich mir durch folgende Bemerkungen zu ergänzen. Es war ein glücklicher Grift’, welchen Herr Dr. Kohn gethan מאמרות mit האמרת und האצירך in Deut 2">, 17 und 18 in Verbindüng zu bringen, lim so mehr muss es befremden, dass derselbe diese Stelle schwierig findet: Mir scheint sie nichts weniger als dieses zu sein, nachdem sowohl die Targumim als die Commentatoren hinreichendes Material herbeigeschafft, die einfache und natürliche Deutung sofort zu finden. Herr Dr. Kohn tührt von diesem nur die Meinungen Jbn Esra’s, Nachmanides’ und Joh. Halewi’s an, indem er auffälliger Weise die Targumim, Raschi und Raschbam unberücksichtigt lässt, die doch im Gninde dasselbe erklären und die Meinungen der citirten Gewährsmänner wesentlich unterstützen. Targ. O. sagt: ית ה, חטבת Du hast Gott auserwähit und דה, חטבך Gott hat dich auserwählt; ebenso Targ. Jon. חט3תץ 'H PP und ומימרא דה׳ הטיב יתכץ. Nun bedeutet aber ״auserwäblen“ nichts anderes, als einer Sache vor einer andern einen Vorzug ein räumen, sie über dieselbe erheben. Ebenso versteht Raschi die Ausdrücke האמרת und האמירך. Raschbam meint: ״Du hast Gott durch Uebernahme seines Gesetzes vera n 1 a s 31 zu sagen, dass Er dein Gott sein wolle, nn'd Er hat dich zu der Erklärung veranlasst, sein Volk sein zu wollen --־ faire dire — sagen lassen oder veranlassen zu sagen. Dadurch also, dass du Gott, und nicht ein anderes Wesen, und Er dich, und nicht ein anderes Volk, zu dieser Erklärung veranlasst, hast du ihn vor allen andern Wesen und Er dich vor allen andern Völkern erhoben _. bevorzugt, oder wie Herr Dr. Kohn so schön sagt ״an’8 Licht gebracht. — Wo steckt hilft eine Schwierigkeit? Die natürliche Deutung ist ja handgreiflich. — Uebrigens würde auch schon die riehtige Erkenntniss von der Bedeutung der Hiphilform des rein hebräischen Wortes אמר dasselbe Resultat ergeben müssen. ״Du hast bewirkt, dass Gott sagen musste“ und ״Gott hat bewirkt, dass du sagen musstest.“ Wie aller nach der Notiz des Herrn Dr. Duschak in No. 2t*׳ des Litt.-Bl in der Ansicht Löw’s in Ben Chan., nach welcher das Wort ״ אמרverbinden“ heissen soll, eine richtige Erklärung zu Deut. 26, 17 und 18 gefunden werden kann, ist mir ein Uäthsel. Wer oder was 8011 hier verbunden worden sein? Antwort: Gott mit Israel. Da eine innige Verbindung aber• eine vorhergegangene ״Auswahl =Annäherung—Bevorzugung“ der sich zu verbindenden Theile voraussetzt, so Hesse Vers 17 allenfalls diese Deutung zu. Die Präposition את am Anfänge des Satzes ״M i t Gott hast du dich heute verbunden, (nrchdem du durch Ueberuahme des Gesetzes ihn als deinen Gott auserkoren) würde sogar die Ansicht Löw’s unterstützen: aber wie soll alsdann Vers 18 האמירך היום ‘!TI! w0 die Präp. את fehlt, verstanden werden? Wer oder was soll hier verbunden worden sein? — Herr Dr. Duschak würde durch Lösung dieser Schwierigkeit mich zu grossem Danke verbinden. L. Cohen. 2. Chronologisches. Wie unzuverlässig die in demArt ״Dresden“• 1 No. :10 der ״Wochenschr.“) enthaltenen Daten sind, ergiebt sich׳ aus der zuletzt angeführten Notiz: ״Mau verschrieb datier einen Rabbiner aus Böhmen, der im Beisein des Oberamtmannes und des Rathsactuars den versammelten Juden den Eid abnehmen musste, dass sie das Abhandengekommene wiederbeschaffen wollen. Die Widerspenstigen wurden in den Bann gethan und dazu in das Horn geblasen und die Kerzen verlöschet. Das Alles geschah am 1«. Januar (1761) in des Hofjnden Levi Behau8nug.“ Der 17. Januar war in dem genannten Jahre ein Sabbath. (Vergl. mein מפתח לקבוע עתים) Sollte ein Rabbiner wirklich sich dazu horgegeben haben, die vorgenannten am Sabbath verbotenen Verrichtungen au diesem Tage vorzunehmen? Cohen — Rees a. Rhein. :1. Marco Mortara, Oberrabbiner in Mantua, hat sein Werk: מזכרת חכמי איטאליא veröffentlicht. Ferner veröffentlicht das ״Vessillo Israelitico“ im Juniheft 1. J. ein Verzeiohniss der wichtigsten Schritten Mortara’s, das 82 Nummern enthält und Uberdies 7 Werke, die er edirt hat. Zudem veröffentlichte Herr Mortara eine ital. Uebersetzung des (hebr.) Dankgebetes , das (er in der Synagoge zu Mantua an seinem Jubiläumstag (21. Juni 1. J.) verrichtete. Berichtigung t In meinem Art. ״Prürang und Beurtbeilung etc.“ No. 28 Titelseite Z. 10 v. u. ist zu lesen: wenn also als bestimmt st das bestimmt etc. In No. 20 S. 112 b. Z. 11 Voranstel 1 ung st. Veranstaltung. B. Verantwortlicher Redacteur Dr. Rahmer Magdeburg. Druck von D. L. Wollt, Magdeburg. Verlag von Robert Friese, Leipzig•