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Jüdisches Litteratur-Blatt · 1886-08-05 · N° 32. (5.8.1886) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Litteratur-Blatt
Volume
15 (1886)
Issue
N° 32. (5.8.1886)
Date
1886-08-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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—— Jüdisches ■—8-- Litteratur-Blatt. tu Bdcaektaag aller JaBaatkaai aa< Ja4ea ketreffeadea lltterarlaekea Kraekeiaaagea aaf deai (leklete der Pklloeepkle, Ueeeklekte, Ktkaegrapkle, Tkeolegte, Orleatalla, Bxegeee, ■eatleUk. Litargtk, PidagegU. Herausgegeben TOD Rabbiner Dr. Moritz Rahmer. 5. 6Ui^׳׳uot 1886. BirberderelaerkUglgea MMcratar,.reich« der Kedaetiea aageeaadt verdea, Aadea ta dleeea. Hielte elagekeade Heepreckaag. Bel tlUaendaag tob •aael Bereaalaa»• Exemplare■ erfolgt eiaaiallge karae (Iratle-laeertlea. Dm »JMtaeb• LIttoratar-Blatt« erscheint wöchentlich in einem halben Bogen Preis bei allen Buohhendlungen (in Leipzig bei Bobert Friese) pro Jahrgang 8 Mark. Abonnenten der ^Israelitischen Wochenschrift“ (die vierteljährlich bei allen Postanstalten and Bachhandlangen Mark kostet) erhalten das ״Jüdische Litteratur-Blatt“ gratis. — Inserate werden mit SSPf. für die gespaltene Petitaeile, Beilagen mit U Mark, berechnet and sind an die Expedition dieses Blattes zu senden. (9* Buchhändler, welche direct oder durch Bobert Friese in Leipzig Inserate einsenden, erhalten ‘2& Babatt. Inhalt: Wissenschaftliche Aufsätze: ״Oedanken eines Juden“, beleuchtet von Dr. Krön er, Babbiner in Brandenburg a. d. H. XIV. — בעשרה מאמרות Ein exegetischer Essay. Von Dr. J. Kohn, Rabbiner in Inowrazlaw. — Collectanea. Von Dr. Krön er, Babbiner in Brandenburg a. d. H. XXVI. Das Hifi] he-emir. Notizen. Berichtigung._ Nachdruck nur mit Troll•! Quellenangabe gestattet. ״Gedanken eines Juden“, beleuchtet von Dr. Krön er, Rabb. in Brandenburg a. d. H. XIV!Vorletzter Artikel.) Im Anfang des III. Kapitels der ״Gedanken* will nns ihr Verf. weismachen, dass sich nur im Innern des .Judenthums eine Scheidung zwischen Alt- und Neugläubigen vollziehe. Wie geringzählig die jädisehen Separatistengemeinden nnd wie völlig übereinstimmend die jüdischen Altnnd Neugläubigen hinaicbtliob der religiösen Grundprinzipien sind, auf die es hier doch wesentlich ankommt, naben wir bereits dargethan; ebenso haben wir schon dargelegt, wie buntscheckig und unerquicklich das christliche Sekten- und Dissidentenwesen, wie tiefgreifend hier die Untersoheidungslehren sich gestaltet haben, trotz behördlichen Kirchenschutzes, trotz mancher anderen Yorschubleistung, die wir wohl nicht erst anzudeuten brauchen. — .Merkwürdig! Kurz nach der Behauptung von der nur im Judenthum sich vollziehenden Scheidung macht sich der Verf. das Urtheil Spinoza’s über den Gegen- Satz zwischen Paulus und Jakobus, sowie die daran geknüpfte Bemerkung des Philosophen zu eigen, wie zweifellos daraus, dass die Apostel ihre Religion auf verschiedene Grundsätze bauten, vieleStreit igk eiten und Trennungen entstanden seien, welche die Kirohe schon von den Zeiten der Apostel an unablässig geplagt hätten und gewiss in Ewigkeit plagen würden. Das steht freilich wie vereieckt, wie verschämt in einer Note. Nun, Grund genug zur Verschämtheit liegt hier vor. Jene Scheidung innerhalb des Judenthums 8011 durch christliche Anschauungen hervorgerulen werden. Wenn uns der Verf. nur das Räth6el lösen wollte, warum soloher Einfluss christlicher Ansohauungen von der Zeit, wo die Kirohe zur Macht gelangt, bis jetzt — also länger als anderthalb Jahrtausende — auf sich habe warten lassen. Gleich allen Unbefangenen vermögen wir einen klärenden Einfluss auf das Judenthum wie auf das Christenthum lediglich in der Kulturbewegung der neuern Zeit zu finden. Von Reformen im Judenthum erwartet der Verf. eine Annäherung an das C bristenthum. Kennt derselbe denn gar keine hyperorthodoxen jüdischen Familien, in denen Taufen vorgekommen, hinwiederum gar keine reformistischen jüdischen Familien, die sich um Alles in der Welt zu einem Religiousschacher nicht bereit fänden, kennt er wirklich nicht die vielen Klugen über die Enttäuschung Bekehrungseifriger, die von Reformen im Judenthum so viel ״Gewinn“ für die Kirche gehofft hatten und seit der Enttäuschung auf die ״Reformjuden“ so weidlich schimpfen? Namentlich von der Mitfeier des Weihnachtsfestes in manchen jüdischen Familien versprioht sich der vertrauensselige Verf. eine Aunäheruug an die Religion, ״welche dieses Fest, so wie es ist, gestaltet hat“. Der Autor scheint nicht einmal zu ahnen, dass die Weihnachtsfeier in Deutschland, mit altgermanischen Ueberlieferungen verwebt, siel» wesentlich von der in andern Ländern unterscheidet, dass ferner die betreffenden jüdischen Familien in jener sogen. Mitfeier ebenso-wenig eine religiöse Weihe suchen, wie die Tausende mitfeiernder Namenohristen, die niemals eine Kirohe besuchen, die das Christenthum überhaupt läng8t verabschiedet, und dass endlich dem deutschen Christen — wir meinen den wirklichen, edeln Christen — die Weihnachtsfeier nicht des ״Weihnaohtsbäumeleins“ wegen, sondern hauptsächlich deshalb ״das schönste aller Feste“ ist, weil er an ihm eine Tugend übt, welche in orthodoxen und reformistischen jüdischen Familien — wie selbst Antisemiten haben anerkennen müssen — so oft im Jahre, ja fast an jedem Tage, geübt wird: Arme durch Liebesgaben zu erfreuen. Es wird uns unvergesslich bleiben, was wir einmal in einer strengfrommen jüdischen Familie gesehen und gehört haben. Am Weihnachtsabend wurden für — das christliche Gesinde in dessen Abwesenheit zwei Tische in einem b680ndern Zimmer mit schönen und praktischen Geschenken bedeokt. Grösser war die Freude und das Staunen der beiden Dienstmädohen beim Anblick all dieser Bescherungen gewiss nicht, als die auf allen Gesichtern der jüdischen Familie strahlende Mitfreude. Wir sahen den strengfrommen und im Judenthum wohluuterrichteten Hausherrn, mit dem wir uns alsbald in die ״gute Stube“ zurückgezogen batten, wie fragend an. Der ehrwürdige Greis verstand unsern Blick und bemerkter ״Sie wundern sich wohl darüber, dass ein so konservativer Jude, wie ich, das thut? Soll ich etwa frömmer und gelehrter sein, als R. Juda uud Raba, welche, wie der Talmud (Aboda sara 04b und 65a) erzählt, Heiden an deren Festtagen beschenkten, weil sie von diesen Heiden wussten, dass sie keine Abf..., , 1. o irr-- -1-- — :v.

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